Aufgeheizte Stimmung zum Amtsantritt von De la Espriella

Kolumbiens neuer Präsident Abelardo de la Espriella. Foto: via wikimedia commons, CC0 1.0.

(Montevideo, 4. August 2026, La Diaria).- Entgegen der Tradition trat der neue Staatschef sein Amt diesmal nicht im Kongress in Bogotá, sondern in Cali an. Dieser Änderung hatte der Kongress zuvor offiziell zugestimmt. Die ursprüngliche Idee De la Espriellas, die Amtseinführung auf einem Militärstützpunkt im Departamento Cauca durchzuführen – einem der zu diesem Zeitpunkt am stärksten von Gewalt betroffenen Departamentos des Landes –, wurde aufgrund logistischer Schwierigkeiten wieder verworfen.

Zahlreiche Staatschefs aus aller Welt wurden erwartet

Bei der Veranstaltung in der drittgrößten Stadt Kolumbiens nach Bogotá und Medellín wurden zahlreiche Staatschefs aus Mittel- und Lateinamerika erwartet. Darunter befanden sich die beiden als rechtsextrem geltenden Präsidenten Javier Milei (Argentinien) und José Antonio Kast (Chile) sowie weitere dem rechten Lager zuzurechnende Staatschefs wie Rodrigo Paz (Bolivien), Daniel Noboa (Ecuador), Santiago Peña (Paraguay), José Raúl Mulino (Panama), Laura Fernández (Costa Rica), Luis Abinader (Dominikanische Republik) und Nasry Asfura (Honduras).

Wie bei den Amtseinführungen der Präsidenten der Region üblich, wurde auch Spanien durch König Felipe VI. vertreten. Seitens der USA nahm Außenminister Marco Rubio, der wichtigste Ansprechpartner der Trump-Regierung für Lateinamerika, an der Veranstaltung in Cali teil. Laut der Zeitung „El Colombiano“ aus Medellín zählte zudem FIFA-Präsident Gianni Infantino zu den Gästen der Veranstaltung.

Ehemalige gemäßigte Präsidenten ausgeschlossen

Abelardo de la Espriella lud auch ehemalige Präsidenten Kolumbiens zu seiner Amtseinführung ein, darunter die Konservativen Álvaro Uribe, Iván Duque und Andrés Pastrana. Den eher gemäßigten Rechtspolitiker Juan Manuel Santos sowie den Sozialdemokraten Ernesto Samper lud er jedoch ausdrücklich von der Veranstaltung aus. Samper, der am Montag (3.8.) an seinem 76. Geburtstag von der Nachricht erfuhr, reagierte mit Humor in einem Beitrag auf seinem X-Account.

„Ich habe gerade erfahren, dass ich nicht zur Amtseinführung von Präsident Abelardo de la Espriella am kommenden 7. August in Cali eingeladen werde. Ich danke dem Präsidenten von ganzem Herzen für dieses Geschenk, das mich ausgerechnet an meinem Geburtstag erreicht, denn so spare ich mir ein neues Kleid“, schrieb Samper, der von 1994 bis 1998 Staatschef des Landes war.

Umfassende Sicherheitsvorkehrungen in Cali

Für die Amtseinführungsfeier waren umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen, sowohl auf dem Universitätscampus, auf dem die Veranstaltung stattfand, als auch in der Stadt Cali und ihrer Umgebung.

Wie die Tageszeitung „El Espectador“ berichtete, sollten in der Hauptstadt des Departamentos Valle del Cauca rund 11.100 Sicherheitskräfte im Einsatz sein. Zudem teilte der Bürgermeister von Cali, Alejandro Eder, mit, dass die Armee die Zufahrtsstraßen zur Stadt sichern werde. Darüber hinaus sollten 1.500 zusätzliche Polizisten die Sicherheit am Flughafen Alfonso Bonilla Aragón, auf den Hauptverkehrsadern, im Hotelviertel und an den offiziellen Veranstaltungsorten verstärken.

Außerdem war vorgesehen, dass die Luftwaffe mit bemannten und unbemannten Flugzeugen sowie mit Anti-Drohnen-Systemen Überwachungsaufgaben übernahm.

Linkes Lager rund um Präsident Petro rief zu Demonstrationen auf

Bei der Veranstaltung fehlten jedoch auch einige prominente Gesichter, darunter der noch amtierende Präsident Gustavo Petro. Ebenfalls nicht anwesend war der Präsidentschaftskandidat des „Pacto Histórico“, Iván Cepeda. Auch andere Mitglieder des linken politischen Blocks blieben der Veranstaltung fern und hatten für Freitag (7.8.) zu Demonstrationen in Bogotá, Cali und Barranquilla aufgerufen.

Wie das Portal „La Silla Vacía“ berichtete, erklärte Cepeda, diese Mobilisierungen seien „ein friedlicher Ausdruck zivilen Ungehorsams und der Volkssouveränität“. Weniger versöhnlich hatte sich in den Tagen zuvor der noch amtierende Präsident Petro gezeigt. Bei einer Pressekonferenz am Montagabend vor lokalen und ausländischen Medienvertretern im Casa de Nariño in Bogotá hatte er an seiner Darstellung festgehalten, die Wahlen seien manipuliert worden.

„Wir haben es hier mit einem Betrugsfall und einem zweifellos tiefgreifenden institutionellen Problem zu tun, nämlich der Amtsübernahme durch den illegitimen Präsidenten“, sagte der Staatschef laut AFP.

Petro zufolge habe es bei der Stichwahl um das Präsidentenamt im Juni einen „algorithmischen, systematischen Wahlbetrug, der eine enorme Anzahl von Stimmen betraf“, gegeben, der angeblich vom Ausland aus gegen Iván Cepeda inszeniert worden sei.

Der Ex-Präsident versicherte, dass „ausländisches Geld und ausländische Unternehmen, die in der Lage sind, Algorithmen zu manipulieren“, das Ergebnis des Wahlprozesses beeinflusst hätten. Petro, der seit langem die angebliche „Einmischung“ Trumps in die kolumbianische Politik anprangert, deutete in seinem Gespräch mit den Medien zudem an, dass der designierte Präsident die Absicht habe, ihn unter falschen Anschuldigungen an die Vereinigten Staaten auszuliefern.

Anstatt die Wogen zu glätten, warnte Petro zudem vor einem möglichen „Bürgerkrieg“ im Land aufgrund der Ablehnung, die dieser und andere mutmaßliche Pläne der künftigen Regierung hervorrufen. „Es ist ganz klar, wie ein Bürgerkrieg in Kolumbien aussehen könnte“, erklärte der Präsident.

De la Espriella sieht sich als Präsident „aller Kolumbianer“

Auf diese Aussagen reagierte auch De la Espriella. In einer Live-Übertragung in seinen sozialen Netzwerken ging der künftige kolumbianische Präsident gegen Petro und auch gegen Cepeda vor und erklärte: „Zum ersten Mal haben sich ein scheidender Präsident und sein unterlegener Kandidat ohne jeden Grund dafür entschieden, den Sieg der Demokratie an den Wahlurnen nicht anzuerkennen und einen sogenannten zivilen Ungehorsam gegenüber der Regierung zu verkünden, die ich vertrete und die von fast 13 Millionen Kolumbianern gewählt wurde, die sich trotz aller Widerstände des Establishments – sowohl der legalen als auch der illegalen Machthaber – für mich entschieden haben.“

Darüber hinaus fügte er laut Berichten lokaler Medien hinzu: „Der Sachverhalt, den ich Ihnen hier schildere, ist nicht unerheblich, und das ganze Land sollte sich intensiv damit auseinandersetzen, diesen Affront gegen die souveräne Entscheidung des kolumbianischen Volkes zu deuten, denn wir dürfen nicht hinnehmen, liebe Landsleute, dass diejenigen, die sich am demokratischen Prozess beteiligt haben und dabei verloren haben, nun die Destabilisierung des Landes vorbereiten.“

In diesem Zusammenhang bekräftigte De la Espriella, dass er der „Präsident aller Kolumbianer“ sei und dass er „mit der Kraft der Verfassung und des Gesetzes das durchsetzen werde, wofür sich die Kolumbianer entschieden haben, nämlich mich zu wählen“. Außerdem rief er dazu auf, „das Falsche, das Illegale und das Verzerrte nicht weiter zu normalisieren“. Nennen wir die Dinge beim Namen und stellen wir uns ihnen so, wie sie sind. Dieser sogenannte zivile Ungehorsam ist nichts anderes als ein Euphemismus, um die Demokratie zu destabilisieren, und das werde ich nicht zulassen.“

Übersetzung: Jette Minks

 

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