Armutsspirale vermindert Entwicklungschancen für Jugendliche

Armutsspirale
Junger Indigener am Computer.
Foto: Alex Araujo, USAID via pixnio
CC0

(Brasilia, 26. Mai 2026, Prensa Latina).- Wie ist es möglich, in einem Szenario von Armut, Gewalt und prekärer Arbeit Grundrechte durchzusetzen? Dieser Frage geht eine am 26. Mai in Brasilien veröffentlichte Studie nach. Dazu wurden 13 Profile von jungen Menschen untersucht, die mit sozialen, wirtschaftlichen und bildungsbezogenen Ungleichheiten zu kämpfen haben.

 17 Prozent der jungen Bevölkerung hat keinen Schulabschluss

Die Studie mit dem Titel Juventudes Brasileiras Minorizadas (Benachteiligte junge Menschen in Brasilien) wurde von Fachleuten aus verschiedenen Bereichen verfasst und beinhaltet Erfahrungsberichte von Menschen, die von sozialem Ausschluss und Beschränkungen beim Zugang zu Chancen betroffen sind. Die Untersuchung analysiert die Lebensbedingungen von jungen Schwarzen, Indigenen, Quilombolas (Nachfahren versklavter Afrikaner*innen), Menschen aus ländlichen Gebieten, LGBTIAPN+, Müttern im Teenager-Alter, Menschen mit Behinderungen, Minderjährigen, die Kinderarbeit verrichten müssen, und Geflüchteten. Laut den in verwendeten Daten der Pesquisa Nacional por Amostra de Domicílios Contínua (fortlaufende nationale Haushaltsstichprobe) von 2025 leben in Brasilien mehr als 46,5 Millionen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren. Davon haben 7,9 Millionen keinen Schulabschluss, was 17 Prozent der jungen Bevölkerung entspricht. 11,9 Millionen der jungen Leute leben in Armut; 74,9 Prozent der in extremer Armut lebenden Jungen Menschen sind Schwarze; 40 Prozent der gesamten armen Bevölkerung in der betrachteten Altersgruppe zwischen 15 und 29 Jahren sind weiblich und Schwarz.

Armutsspirale

Außerdem gaben die Verfasser*innen der Studie zu bedenken, dass die mit ethnischer Herkunft, Einkommen, Geschlecht und Wohnort verbundenen strukturellen Ungleichheiten nach wie vor den Zugang zu Grundrechten sowie die Arbeitsmarkt- und Bildungschancen einschränken. Faktoren wie fehlendes Internet, lange tägliche Pendelstrecken, die Notwendigkeit, neben der Schule noch arbeiten zu müssen sowie der frühe Eintritt in prekäre Beschäftigungsverhältnisse verschärfen dieses Szenario noch. Der Studie zufolge ist die Situation in ländlichen Gebieten noch gravierender: Im vergangenen Jahr brachen dort 33 Prozent der jungen Menschen die Schule[i] vorzeitig ab – eine Quote, die doppelt so hoch ist wie in städtischen Gebieten. Darüber hinaus beträgt der Anteil der informellen Arbeit bei den jungen Menschen auf dem Land 69 Prozent, gegenüber 41 Prozent bei dieser Altersgruppe in der Stadt.

Die Regierung zum Handeln bewegen

Rosalina Soares ist Leiterin der Bildungsabteilung der Roberto-Marinho-Stiftung, die an der Studie mitgewirkt hat. Sie erklärte gegenüber Agência Brasil, die Studie solle dazu beitragen, öffentliche Maßnahmen zu entwickeln, die die realen Erfahrungen und Bedürfnisse der brasilianischen Jugend berücksichtigen. Hinter den statistischen Daten stünden Lebenswege voller geplatzter Träume und anhaltender Ungleichheit. Es gehe um das Leben und den Alltag von Millionen junger Menschen im südamerikanischen Riesenland.

Übersetzung: Christa Röpstorff

[i] In Brasilien besteht Schulpflicht vom 4. bis zum 17. Lebensjahr: Vorschule (pré-escola), 9 Jahre Grundschule (ensino fundamental), 3 Jahre Sekundarschule (ensino médio). Educação básica. Bezeichnet die gesamte Schulzeit.

 

CC BY-SA 4.0 Armutsspirale vermindert Entwicklungschancen für Jugendliche von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert