
Foto: Policía Nacional de los colombianos via flickr
CC BY-SA 2.0
(Bogotá, 15. Juni 2026, colombiainforma).- Seit über 15 Jahren gibt es Vergewaltigungsvorwürfe gegen den evangelikalen Pastor Álvaro Gámez. Mehr als zwanzig Frauen und Mädchen beschuldigen Gámez, sie in seiner Kirche „Salem“ in Pasto vergewaltigt zu haben. Trotz der Vorwürfe bleibt Gámez auf freiem Fuß und weiterhin im Amt – dank seines Anwalts Abelardo De la Espriella. Ein Netzwerk zur Unterstützung von Sektenopfern hatte schon 2011 Anzeige gegen den Pastor erstattet und dazu ein Video vorgelegt, das zeigt, wie Gámez in einem versteckten Hinterzimmer der Glaubensgemeinschaft gegen zwei Gemeindemitglieder tätlich wurde. Anschließend war er auf die Kanzel gestiegen und hatte zu seinen 4.000 Anhänger*innen gepredigt. Ein Richter erließ im gleichen Jahr Haftbefehl; es kam zum Prozess, der in erster und zweiter Instanz mit Freispruch endete. Die Betroffenen fordern seither die Aufhebung der Urteile, die den Vergewaltiger schützen und ihm ermöglichen, unbeschadet im Amt zu bleiben
Schockierender Mangel an Empathie
„Es so ist frustrierend zu sehen, wie der Staat den Täter schützt und es ihm nach all dem erlaubt hat, weiterhin als Pastor tätig zu sein. Dass wir die Opfer sind und dass wir seit etlichen Jahren die Last der Anschuldigungen und die gesellschaftlichen Vorwürfe tragen müssen, wird von offizieller Seite kein bisschen anerkannt“, erklären sie. „Es hat sehr wehgetan, in einem Gerichtsverfahren einem Anwalt gegenüberzustehen, der um jeden Preis den Freispruch seines Mandanten durchsetzen will und sogar so weit geht, uns, die Opfer, mit sexistischen und unflätigen Bezeichnungen zu belegen. Wir haben ohnehin schon unerträglichen Leid erlebt, und er hat mit seinen Beleidigungen noch eine Schippe draufgelegt. Umso sprachloser waren wir, als wir erfuhren, dass dieser Mann als Präsidentschaftskandidat für unser Land antritt. Jemand, der so gar keine Empathie gegenüber weiblichen Opfern empfindet!?! Wir sind schockiert.“
Abelardo De la Espriella greift tief in die Trickkiste
Der derzeitige Präsidentschaftskandidat Abelardo De la Espriella erwirkte die Freilassung seines Mandanten, indem er geltend machte, dass der Geschlechtsverkehr mit seinem Mandanten einvernehmlich gewesen sei. „Dass diese Frauen mit ihren Anschuldigungen auf den eigenen Vorteil bedacht waren, ist nicht das Problem des Gerichts“, so der Kandidat in einer Anhörung. Die Aussage einer Betroffen zerpflückte er mit den Worten: „Ihr Verhalten nach dem ersten mutmaßlichen Missbrauch ist nicht besonders logisch: Sie sagt, sie sei danach Kaffee trinken gegangen. Welche Frau hätte denn nach einer Vergewaltigung Lust gehabt, Kaffee trinken zu gehen? Viel wahrscheinlicher wäre doch, dass sie sich nach solch einem Erlebnis zu Hause einschließt oder sich gleich an die Behörden wendet, so wie sich das gehört.“
Es gibt Hoffnung auf Gerechtigkeit
Allerdings liegt dem Obersten Gerichtshof noch eine Klage von sieben betroffenen Frauen vor, und hier besteht Hoffnung: In den Aussagen wird dargelegt, dass der Pastor die Frauen unter Ausnutzung seiner religiösen Autorität getäuscht und ihnen weisgemacht habe, die Vergewaltigungen seien Gottes Wille und Teil der Rituale, die innerhalb der Glaubensgemeinschaft als „besondere Seelsorge“ bezeichnet werden. Außerdem blieb De la Espriellas vergewaltigerfreundliches Engagement als Anwalt in den Netzwerken nicht unkommentiert: Nachdem der abscheuliche Fall einer mutmaßlichen Vergewaltigung von Minderjährigen durch einen US-amerikanischen Staatsbürger im Norden von Bogotá durch die Presse gegangen war, geriet De la Espriella in den sozialen Netzwerken in die Kritik. Da De la Espriella, der neben der kolumbianischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, im Zusammenhang mit dem obigen Fall lebenslange Haftstrafen für Vergewaltiger gefordert, im Verfahren gegen den Pastor jedoch auf Freispruch plädiert hatte, wurde ihm von Nuter*innen als widersprüchlich angekreidet: „Ihr seid also empört über den Kinderschänder im Airbnb in Bogotá? Dann lasst mich euch sagen, dass euer geliebter Abelardo De la Espriella kein Problem damit hätte, diesen Verbrecher vor Gericht zu verteidigen. Das hat der ‚Temu-Tiger‘ schon immer getan“, so ein Nutzer bei X.
Abelardo De la Espriella erwirkt Freispruch für Vergewaltiger von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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