Wer ist für das Feuer in Lima verantwortlich?

Das Großfeuer 2023 und der Brand der Nationalbank im Jahr 2000. Foto: Servindi

(Lima, 20. Januar 2023, servindi).- Ein Großbrand hat am Abend des 19. Januar eine Villa im historischen Stadtzentrum von Lima vernichtet. Das Feuer brach gegen Ende der Großdemonstration gegen die Regierung von Dina Boluarte aus. Nachbar*innen und Zeug*innen geben der Polizei die Schuld für den Brand, diese weist das jedoch zurück. Es werde in dem Fall ermittelt, teilten die Behörden mit.

Beobachter*innen fühlen sich an den Großbrand der peruanischen Nationalbank im Jahr 2000 erinnert, der im Anschluss an eine oppositionelle Großdemo gegen den Diktator Alberto Fujimori ausbrach. Später stellte sich jedoch heraus, dass Fujimoris berüchtigter Berater Vladimiro Montesinos für das Feuer verantwortlich war.

Ursprung des Brandes

Auf einem Video der bekannten peruanischen Menschenrechtsorganisation IDL (Instituto de Defensa Legal) ist eine Nachbarin zu sehen, die bei Ausbruch des Brandes vor Ort war und direkt eine Tränengasgranate der Polizei dafür verantwortlich machte. Auf die Frage, wer sie verschossen habe, antwortete die Frau: „Die Polizei. Ich habe sie gebeten, (die Granaten) nicht zu verschießen, weil hier Kinder sind, aber sie haben mich nicht beachtet. Sie haben selbst gebaute, Funken sprühende (Granaten) verschossen, die schnell brennen.“

Eine weitere Frau bestätigte diese Aussage, genauso wie ein Mann, der angab, der Sohn der Besitzerin zu sein: „Die Polizei hat die Granaten verschossen. Der Staat muss mich entschädigen. Wer verschießt Tränengasgranaten? Die Protestierenden nicht.“

Innenminister streitet alles ab

Trotz dieser Aussagen stritt Innenminister Vicente Romero jegliche Verantwortung ab. Es sei falsch, dass der Brand von einer Tränengasgranate der Polizei verursacht worden sei. „Ich kann eine solche Granate in meiner Tasche tragen, ohne dass sie Verbrennungen oder Feuer verursacht, es ist nur das Tränengas, was unangenehm ist“, erklärte er auf einer Pressekonferenz. Allerdings wurden diese Erklärungen durch Videos widerlegt, auf denen eine brennende Tränengaskartusche zu sehen ist.

Auch der peruanische Wissenschaftler Modesto Montoya erklärte auf Twitter, dass Tränengasgranaten sehr wohl Brände auslösen könnten: „Die Granaten stoßen Mikropartikel aus, die mit Sauerstoff reagieren und so eine chemische Reaktion erzeugen, die den Metallbehälter so stark erhitzen, dass dadurch brennbares Material wie Stoffe, Plastik etc. in Brand geraten kann“, schrieb er.

Ermittlungen und Vorgeschichte

Der Feuerwehrkommandant Mario Casaretto ließ wissen, dass er keine Meinung äußern werde, so lange noch die Ermittlungen liefen. Er sagte allerdings, dass er es in seinen 48 Jahren als Feuerwehrmann noch nicht erlebt habe, dass ein „Notfall“ durch eine Tränengasgranate verursacht worden sei. Casaretto war erst vor kurzem zum Chef des Katastrophenschutzes der Stadtverwaltung von Lima ernannt worden, die vom ultrakonservativen Bürgermeister Rafael López Aliaga geleitet wird.

Während die Untersuchungen noch laufen, fühlten sich Anwohner*innen und User*innen in den sozialen Medien an den Brand im Hauptsitz der peruanischen Nationalbank im Zentrum von Lima im Jahr 2000 erinnert. Auch jenes Feuer war am Rand einer Großdemonstration ausgebrochen, die aus Protest gegen die dritte Wiederwahl von Diktator Alberto Fujimori stattfand. Bei dem Großbrand starben sechs Wachleute. Die Justiz stellte später fest, dass der damalige Präsidentschaftsberater Vladimiro Montesinos an dem Brand beteiligt war, zusammen mit Funktionär*innen des Geheimdienstes SIN.

Der Plan war, Chaos, Gewalt und Tod zu stiften, was dann den Anführer*innen der Bewegung gegen die Diktatur in die Schuhe geschoben werden sollte. Montesinos wurde für schuldig befunden, den Tod der sechs Wachleute verursacht zu haben und dafür 2009 zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die weiteren Ermittlungen werden zeigen, ob sich die Geschichte wiederholt.

CC BY-SA 4.0 Wer ist für das Feuer in Lima verantwortlich? von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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