Mord an Menschenrechtsaktivistin Miriam Rodríguez: Weiteres Beispiel für „Makrokriminalität“

Von Gerd Goertz

Mord an Miriam Rodríguez, einer Aktivistin gegen das Gewaltsame Verschwindenlassen / Logo, Quelle: http://sinlasfamiliasno.org
Mord an Miriam Rodríguez, einer Aktivistin gegen das Gewaltsame Verschwindenlassen / Logo, Quelle: http://sinlasfamiliasno.org

(Mexiko-Stadt, 16. Mai 2017, npl).- In der Nacht vom 10. Mai wurde in Ciudad Victoria, Bundesstaat Tamaulipas, die Menschenrechtsaktivistin Miriam Elizabeth Rodríguez Martínez in ihrem Haus erschossen. Sie war durch die Suche nach ihrer 2012 verschwundenen Tochter und die Mitarbeit in Organisationen von Familienangehörigen Verschwundener bekannt geworden.

Sie war dort auch weiterhin aktiv, nachdem sie die 2014 die Leiche ihrer Tochter in einem der geheimen Gräber in dem Ort San Fernando aufgespürt hatte (San Fernando erreichte traurige Berühmtheit durch den Mord an 72 Migrant*innen aus Mittel- und Südamerika im August 2010. Im April 2011 wurden in dem Ort geheime Gräber mit insgesamt 183 Opfern gefunden). Rodríguez Martínez hatte zuvor Morddrohungen erhalten. Ihre Nachforschungen über den Tod ihrer Tochter Karen Salinas führten zur Verhaftung von 13 Personen sowie weiteren drei Haftbefehlen gegen flüchtige Mittäter der Entführung und Ermordung ihrer Tochter.

Mexiko ist weltweit das zweitgewälttätigste Land – hinter Syrien

Der Mord an Rodríguez Martínez steht, wie die Morde an Journalist*innen und bäuerlichen Umweltschützern in diesem Jahr beispielhaft für die Gewalt im Land. Noch Mitte der vergangenen Woche hatte das renommierte Internationale Institut für Strategische Studien (IISS) mit Sitz in London darauf hingewiesen, dass Mexiko gemessen an der absoluten Zahl von 23.000 vorsätzlichen Morden in 2016, nach Syrien das weltweit zweit gewalttätigste Land ist.

Anstatt die prekäre Lage zuzugeben, reagierten das mexikanische Innen- sowie das Außenministerium darauf mit einer gemeinsamen Mitteilung, in der sie den Bericht zu diskreditieren versuchten. Sie verwiesen auf die Verwendung von „Zahlen unbekannten Ursprungs“, „auf Schätzungen, die auf ungewissen Methodologien basieren“, sowie „falsch angewandte juristische Begriffe“ und höhere Mordzahlen pro 100.000 Einwohner*innen in anderen lateinamerikanischen Ländern.

Makrokriminalität: Fusion von organisiertem Verbrechen und staatlicher Macht

Es ist durchaus möglich, dass die mexikanische Statistikbehörde bei der noch ausstehenden Veröffentlichung ihrer Zahlen für 2016 auf eine geringfügig niedrigere Mordziffer kommt. Doch die formalistische Argumentation ist vielleicht der beste Beleg dafür, wie wichtig die Morde und die dahinter stehenden Schicksale der Regierung von Präsident Peña Nieto tatsächlich sind. Ebenfalls Mitte vergangener Woche sprach der Leiter des Menschenrechtszentrums Miguel Agustín Pro, Mario Patrón, auf einem Forum von einer „Makrokriminalität“ in Mexiko, der Fusion von organisiertem Verbrechen und staatlicher Macht. Die Makrokriminalität sei eine „Strategie zur territorialen Kontrolle“ der Regierung selbst. Sie schließe Verantwortung und Unterlassung des Staates gleichermaßen ein.

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