Generäle sagen zum Fall Tlatlaya aus

Tlatlaya: Hier wurden 2014 22 angebliche Mitglieder einer Drogenbande von der Armee erschossen; der Tatort wurde anschließend manipuliert. Bis heute ist der Fall nicht aufgeklärt. Foto: Desinformémonos

(Berlin, 31. Oktober 2020, npla).- Ende September konnten zum ersten Mal Militärangehörige, unter ihnen vier Generäle, durch zivile Anwälte und Mitarbeiter*innen des Menschenrechtszentrums ProDH zum Fall Tlatlaya befragt werden. In der Kleinstadt im Süden des Bundesstaates Mexiko wurden Zeugenaussagen zufolge im Juni 2014 angebliche Mitglieder einer Drogenbande durch Soldaten außergerichtlich hingerichtet.

Generäle waren zum Tatzeitpunkt vor Ort

Obwohl sich aufgrund der Antworten der befragten Militärangehörigen eine Reihe von Fragen zur Rolle der involvierten Generäle stellen, schloss die Staatsanwaltschaft wenige Tage später den Fall. Es gäbe keine Anzeichen für eine Straftat, ließ sie verlautbaren. Die Anwälte der Opfer kündigten an, gegen diese Entscheidung Rechtsmittel einzulegen.

General José Luis Sánchez León gab nämlich zu, dass er am Tag des Vorfalls in Tlatlaya war. Bisher hatte der General, seinerzeit zuständig für den Süden des Bundesstaates Mexiko, stets behauptet, dass er in Urlaub war und durch Dritte über die Vorkommnisse informiert wurde. Ebenfalls vor Ort war General Raúl Castro, damaliger Kommandant des Bataillons aus dem die Soldaten stammten. Die Anwesenheit der beiden Generäle lässt ihre Rolle in einem neuen Licht erscheinen. Denn die Staatsanwaltschaft warf seinerzeit den beteiligten Soldaten vor, den Tatort manipuliert zu haben.

Tlatlaya nur Spitze des Eisbergs?

Bereits 2015 deckte das Menschenrechtszentrum ProDH in einen Bericht über das Massaker von Tlatlaya einen Tötungsbefehl auf. In diesem hat Castros Stellvertreter angeordnet, die Soldaten des Bataillons sollten Kriminelle im Schutz der Dunkelheit „abknallen“. Der Befehl beruhte auf einer Vorlage, die auch Befehlshaber anderer Militäreinrichtungen seinerzeit nutzten. Dies wurde bei den Befragungen Ende September noch einmal bestätigt.

Die Opfer-Anwälte beklagen, dass trotz der Befragungen noch eine Reihe von Fragen offen sind. Unter anderem ist die Rolle des Verteidigungsministeriums ungeklärt. Unter dem damaligen Verteidigungsminister General Salvador Cienfuegos hat das Ministerium Informationen, die zur Aufklärung des Vorfalles beitragen können, zurück gehalten. General Cienfuegos wurde Mitte Oktober in den USA aufgrund des Vorwurfs des Drogenhandels verhaftet.

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