Bunte Vielfalt bei Protesten für Demokratie

Die Großdemonstration am 19. Juni in Lima. Foto: Ian Bravo/Servindi

(Lima, 21. Juni 2021, servindi).- Der Samstag, 19. Juni wird sich in die peruanische Erinnerung einbrennen. In vielen Teilen des Landes protestierte die Bevölkerung mit einem gemeinsamen Ziel: Sie forderte die Anerkennung des Wahlsieges von Pedro Castillo bei der Präsidentschaftswahl. Allein in Lima nahmen zahlreiche Bürgervereinigungen, Vertreter*innen von Bauernverbänden, regionale Organisationen, Ronderos (Mitglieder bäuerlicher Selbstorganisationen, Anm. d. Red.) und Jugendgruppen teil und versammelten sich am Nachmittag auf den Straßen. Begleitet von Tänzen, traditioneller Kleidung, Sprechchören und Gesängen endeten die Proteste mit einer riesigen Kundgebung auf der Plaza San Martín im historischen Zentrum Limas.

Teilnehmende aus allen Teilen der Gesellschaft

Dort ergriffen Vertreter*innen von Bauernverbänden und Studierenden, Politiker*innen und andere Akteur*innen der Zivilgesellschaft das Wort. Gegen Abend trug Martina Portocarrero das Lied “Flor de Retama” vor, das trotz einer Stigmatisierungskampagne zur einer regelrechten Hymne der Forderungen der Bevölkerung geworden ist. Auf vielen Plakaten und Bannern war „Nein zum Staatsstreich“ zu lesen. Zu den Protesten, zu denen das Koordinationskomitee für die Verteidigung von Wahl, Demokratie und Heimat aufgerufen hatte, kamen Teilnehmer*innen aus mehreren Bundesstaaten. Diese stimmten Sprechchöre an, wie „Wir sind keine Terroristen, wir sind Provinzler“

Foto: Ian Bravo/Servindi

Darüber hinaus waren etwa tausend Ronderos mit ihren charakteristischen Arbeitswerkzeugen anwesend, um die antidemokratischen Kundgebungen und den befürchteten Staatsstreich abzulehnen. Unter den teilnehmenden indigenen Gruppen befanden sich auch Mitglieder des Comando Matico, einem Zusammenschluss des Volkes der Shipibo, das in den indigenen Gemeinden in Ucayali mit Covid-19 infizierte Menschen mit traditioneller Medizin behandelt. „Es sind nicht nur Krankheiten, die unsere Brüder und Schwestern töten“, teilten sie über Facebook ihre Erkenntnis mit, dass die in den öffentlichen Institutionen tief verwurzelte Korruption ebenso tödlich sei wie die Pandemie.

Haltlose Vorwürfe der Gegenseite

Gleichzeitig versammelten sich Anhänger*innen der rechtskonservativen Fuerza Popular nach vorherigen Kundgebungen im Nationalstadion und in einer Hauptverkehrsstraße unter dem Motto „Respektiert meine Wahl“ in der Innenstadt, bei der auch Keiko Fujimori eine Rede hielt. Die Präsidentschaftskandidatin versucht durch ständige, jeder Rechtsgrundlage entbehrende Anträge Wahlergebnisse in den ländlichen Gebieten zu annullieren. Dort wurde hauptsächlich ihr Gegner Castillo unterstützt. „Lasst uns unsere Stimme friedlich, mit Stolz und erhobenen Hauptes erheben“, sagte die Tochter von Expräsident Alberto Fujimori, gegen die wegen Geldwäsche ermittelt wird und der die Leitung eines Netzwerks des organisierten Verbrechens vorgeworfen wird.

Die Ergebnisse sind eindeutig

Nach Auszählung aller Stimmen hatte das Nationale Wahlbüro am 15. Juni das knappe Ergebnis von 50,12 Prozent für Castillo und 49,87 Prozent für Keiko Fujimori bekanntgegeben. Obwohl 135 Anträge auf Ungültigkeit für unzulässig erklärt wurden, legt die Fuerza Popular weiterhin Berufung bei der Nationalen Wahlkommission wegen angeblichen Wahlbetrugs ein.

Auf einer Pressekonferenz erklärte dazu die Linkspolitikerin Verónika Mendoza: „Sie behaupten, dass im Hochland die Wahl manipuliert wurde, obwohl wir in ganz Peru mit Erinnerung, Würde und Hoffnung auf Veränderung gewählt haben.“

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