Prinzessin “Wara Wara“ in neuem Gewand

(La Paz, 13. September 2010, bolpress).- Der Stummfilm „Wara Wara“ des bolivianischen Regisseurs José María Velasco Maidana wurde nach seiner Restaurierung in Deutschland und Italien am 23. September in der Bolivianischen Cinemathek in La Paz wiederaufgeführt. Der 1929 gedrehte Film gilt als bedeutendstes Werk des Bolivianischen Filmarchivs.

Kassenschlager von 1930

Die Uraufführung von „Wara Wara“ am 9. Januar 1930 im traditionsreichen Kino „Princesa“ in La Paz erwies sich als wahrer Kassenschlager. Die Vorlage für den Film stammt vom bolivianischen Dramatiker Antonio Díaz Villamil. Auf den Plakaten wurde er als „Geschichtsepos über die spanische Eroberung von Kollasuyo, des ‚bolivianischen’ Teils des damaligen Inkareichs, im 16. Jahrhundert“ angepriesen.

Filmmaterial 1989 wiederentdeckt

1989 waren die Filmrollen mit dem silbernitratbeschichteten 35mm-Material waren in der ehemaligen Wohnung von Velasco Maidana in La Paz gefunden worden. Aufgrund günstiger klimatischer Bedingungen in der Stadt – geringe Luftfeuchtigkeit und niedrige Temperaturen – war das Material „außerordentlich gut erhalten“.

Internationales Projekt der Aufarbeitung

Die Familie des Regisseurs übergab die Filmrechte der Stiftung Bolivianische Cinemathek, damit das Material fotochemisch restauriert und digitalisiert werden konnte. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Entwicklungsdienst DED wurde das Negativmaterial 1997 in Deutschland reproduziert, und das Kopierwerk der TaunusFilm GmbH stellte eine Positivkopie des Films her. Schließlich begann im Jahr 2009 im Labor L’immagine Ritrovata in Bologna die digitale Restaurierung auf Grundlage der Originalnegative.

Gleichzeitig wurde mit Unterstützung der Andinen Entwicklungsgesellschaft CAF (Corporación Andina de Fomento) die Veröffentlichung von vier Büchern über das Werk des Regisseurs Velasco Maidana vorbereitet, der außerdem als Komponist, Maler und Choreograf wirkte. Sein musikalisches Werk wurde katalogisiert und der Bolivianischen Nationalbibliothek in Sucre (Archivo y Biblioteca Nacionales de Bolivia) übergeben.

Stars aus alten Zeiten

Umfangreiche Forschungsarbeiten ermöglichten auch die Rekonstruktion des Balletts „Amerindia“. Es war von Velasco Maidana geleitet worden und diente damals zur musikalischen Untermalung des Werks. Das Ballett wurde unter anderem auch 1938 in Berlin aufgeführt und auf der Expo-Berlin prämiert. In der Augustausgabe der Zeitschrift „Jiwaki“ erklärte Pedro Susz, einer der Kuratoren des Films, dass „in dem Film, der an aufwändig ausgestalteten Schauplätzen wie dem Alten Zollamt, dem heutigen Busbahnhof, gedreht wurde, bedeutende Vertreter der damaligen Kulturszene mitspielten, darunter Arturo Borda, Guillermo Vizcarra Fabre, Marina Núñez del Prado, Emmo Reyes sowie in der Hauptrolle Juanita Tallansier.“

Die Handlung des Films:

Das friedliche Reich Hatun Colla wird von einem Heer spanischer Konquistadoren überfallen, das die Ortschaften zerstört und den Anführer Calicuma und dessen Ehefrau Nitaya tötet. Inmitten des daraufhin ausbrechenden Chaos schafft es der große Priester Huillac Huma, die Prinzessin Wara Wara zu retten und auf geheimen Wegen in eine Höhle in den Bergen zu bringen.

Dort bereitet Huillac Huma fünf Jahre lang ein Indígena-Heer vor, um mit ihm die Spanier zu besiegen. Prinzessin Wara Wara ist seine einzige Hoffnung, da sie nach dem Sieg den Thron des Inka Atahuallpa besteigen kann. Eines Tages, während der Vorbereitungen für das Fest Inti-Raymi, gelangt der spanische Hauptmann Tristán de la Vega an der Spitze eines kleinen Trupps spanischer Soldaten in die Nähe der Höhle.

Prinzessin Wara Wara ist gerade auf der Suche nach einer Flamme für die Opferzeremonie, als sie von Spaniern entdeckt und umzingelt wird. Der tapfere Hauptmann Tristán de la Vega will verhindern, dass sie gefangen genommen wird, und wird in den sich entwickelnden Kämpfen verwundet. Zum Dank pflegt Prinzessin Wara Wara seine Wunden, und nach und nach verlieben sich die beiden ineinander. Bald stehen sie jedoch der rauen Wirklichkeit gegenüber…

CC BY-SA 4.0 Prinzessin “Wara Wara“ in neuem Gewand von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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