
(Brasilia, 8. April 2026, dpu).- Um indigenen Gemeinschaften den Zugang zur Justiz zu erleichtern und sprachliche Schranken zu vermeiden, hat das Projekt „DPU in indigenen Sprachen“ am 8. April eine Broschüre mit grundlegenden Informationen zu Rechten in der Sprache Tikuna des im brasilianischen Bundesstaat Amazonas lebenden Volkes der Magüta/Tikuna veröffentlicht [DPU – Defensoria Pública da União – ist eine auf Bundesebene agierende Institution, eine Mischung aus Rechtsberatungsstelle für Menschen mit geringem Einkommen, Ombudsstelle und Menschenrechtsbehörde, Anm. d. Ü.]. Diese Initiative ist eine Partnerschaft der Arbeitsgruppe Indigene Völker (GTPI) und der Übersetzungskoordination (CTRAD/AINT); das neue Projekt wurde am Sitz der DPU in Brasilia unter der Teilnahme von Vertreter*innen des Volkes der Magüta/Tikuna vorgestellt. Die Broschüren gibt es auf Portugiesisch, Spanisch und zweisprachig (Tikuna und Portugiesisch).
Die Übersetzung bedient eine Nachfrage der lokalen Bevölkerung und wurde von Übersetzer*innen des Volkes der Tikuna sowie weiteren durch ihre Gemeinschaften anerkannten Sprecher*innen dieser Sprache in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Zugang zu Rechten und soziale Inklusion (Cais), indigener Völker, der Nationalen Stiftung für Indigene (Funai) und dem Sekretariat für Maßnahmen im Strafvollzug (Sasp-DPU) durchgeführt.
Projekt gewährleistet Indigenen Zugang zur Justiz
Diana Freitas de Andrade, Pflichtverteidigerin und Koordinatorin der Arbeitsgruppe Indigene Völker, betonte die Bedeutung eines Projekts, welches indigenen Völkern den Zugang zur Justiz gewährleistet. „Indigene Völker sehen sich vielen Barrieren gegenüber, wenn es darum geht, Zugang zur Justiz oder zur öffentlichen Gewalt zu bekommen, und eine davon ist die Sprache. Die Veröffentlichung einer Broschüre, in der die DPU auf Tikuna vorgestellt wird, ist eine Form, der Verpflichtung der Institution zur Gewährleistung von Rechten indigener Völker nachzukommen und den verfassungsgemäßen Auftrag zur Förderung der Menschenrechte zu erfüllen“, unterstrich sie.
Die Magüta/Tikuna, die im Grenzgebiet zwischen Brasilien, Peru und Kolumbien leben, sind mit circa 74.000 Personen das größte indigene Volk Brasiliens. Deshalb gibt es auch eine spanische Version der Broschüre. Die Publikationen werden in gedruckter Form vorliegen, damit sie unter anderem an die Außenstelle der DPU in der Gemeinde Tabatinga im Bundesstaat Amazonas geschickt und verteilt werden können.
Laut Clarissa Prado Marini von der Übersetzungskoordination (CTRAD-DPU) ist Brasilien ein vielsprachiges Land [nach der Volkszählung von 2022 gibt es dort allein 295 indigene Sprachen, die von 391 Ethnien gesprochen werden – Anm. d. Ü.]. Das Projekt „DPU in indigenen Sprachen“ wurde mit dem Ziel geschaffen, Rechtsbildung und den Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen durch Übersetzungen zu verbessern, die für verschiedene Gemeinschaften nützlich und zugänglich sind. Den Anfang macht Tikuna, die indigene Sprache mit den meisten Sprecher*innen im Land.
Übersetzung: Christa Röpstorff
Broschüre zu Rechtsberatung in indigener Sprache von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
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