Erschreckend hohe Müttersterblichkeit – indigene und arme Frauen sterben aus vermeidbaren Gründen

(Lima, 23. Juli 2009, noticias aliadas).- Perus Volkswirtschaft könnte zu denjenigen mit dem größten Wachstum in der Region zählen, doch die Regierung vernachlässige ihre Aufgabe, eine angemessene Gesundheitsversorgung für Mütter aus armen und indigenen Bevölkerungsschichten zur Verfügung zu stellen, heisst es in einer neuen Studie von Amnesty International.

Der Anfang Juli veröffentlichte Bericht „Fatale Mängel. Die Barrieren der Müttergesundheit in Peru“ betont, dass Peru eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten in der Region habe und dass hunderte Mütter wegen einer ungenügenden medizinischen Versorgung die Geburt nicht überlebten.

Offiziellen Angaben zufolge sterben pro 100.000 lebende Neugeborene 185 Frauen, doch laut der von Amnesty International zitierten UNO liegt die Zahl sogar bei 240 Frauen. Die Mehrzahl dieser Frauen sind Bäuerinnen, Indigene und Arme, die sterben müssen, weil im Notfall keine Entbindungshilfe verfügbar ist, es an Aufklärung über Müttergesundheit mangelt und medizinisches Personal fehlt, dass ihre indigenen Sprachen spricht.

„Die Zahl der Müttersterblichkeit in Peru ist ein Skandal“ bekräftigt Silvia Loli, Vorsitzende von Amnesty International in Peru. „Dass so viele Frauen aus vermeidbaren Gründen sterben müssen, stellt eine Verletzung der Menschenrechte dar. Die peruanische Regierung kommt ganz einfach ihrer Verpflichtung nicht nach, allen Frauen medizinische Mütterversorgung zugänglich zu machen, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Wohnort.“

Obwohl die Armut laut offiziellen Zahlen von 48 Prozent 2004 auf circa 36 Prozent im vergangenen Jahr gesunken ist, sind in einigen Regionen des Hochlandes um die 90 Prozent der Bevölkerung von Armut betroffen. „Die Gesundheitsversorgung von Schwangeren funktioniert in Peru wie eine Lotterie: wenn du indigen und arm bist, hast du keine Chance zu gewinnen“, so Loli.

Der Bericht fordert die peruanische Regierung auf, Mediziner in indigenen Sprachen zu unterrichten, denn Personal ohne Kenntnisse indigener Sprachen sei eine starke Einschränkung in diesem sensiblen Bereich. Abgesehen davon, dass die Patientinnen kaum spanisch sprechen, verschlimmert sich ihr Gesundheitsrisiko auch dadurch, dass sie arm sind, heißt es in der Studie.

Amnesty International betont ausserdem, dass „Frauen, die in Armut leben, fast immer von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen sind. Ihre Stimmen werden kaum gehört und ihre Standpunkte haben in der Regel keinen Einfluss auf die Gesetzgebung und die Regierungspolitik, weshalb derartige Menschenrechtsverletzungen praktisch unbemerkt von der Gesellschaft und den Behörden bleiben.“

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