Argentinien: 90 Frauenmorde innerhalb von 120 Tagen

Wir wollen uns lebendig!
Foto: Victoria Gaitán

(Buenos Aires, 9. Mai 2019, ANRed).- Auf Initiative der feministischen Organisation MuMaLá – Frauen des Lateinamerikanischen Mutterlands (Mujeres de la Matria Latinoamericana) wurde das Nationalregister der Frauenmorde ins Leben gerufen. Ausgewertet werden Printmedien und digitale Nachrichten. Nun liegen die Zahlen für die ersten vier Monate dieses Jahres vor: 90 Femizide. Das bedeutet: Im Schnitt wird alle 32 Stunden eine Frau umgebracht. Statt Maßnahmen für ein gewaltfreies Leben zu ergreifen, hüllen sich Regierung und Behörden angesichts dieser Zahlen in besorgniserregendes Schweigen. MuMaLas Forderung an die Regierung: sofortige Verhängung des Notstands wegen geschlechtlich motivierter Gewalt. Eine entsprechende Gesetzesvorlage, die die Notstandserklärung einfordert, soll nun im Eilverfahren zur Verabschiedung vorgelegt werden. Dafür wurden bereits 70.000 Unterschriften gesammelt.

Die meisten Frauen werden von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet

Grafik: MuMuLa

Zu den 90 bereits registrierten Fällen (79 Frauenmorde und damit im Zusammenhang stehende Morde an vier Mädchen und fünf Jungen sowie zwei Morde an Transpersonen) kommen weitere elf Mordfälle hinzu, die noch nicht abschließend untersucht sind (Autopsien und Gutachten liegen noch nicht vor)). In 39 Prozent der Fälle ermordete der Partner die Partnerin, bei 25 Prozent der Morde handelt es sich bei dem Täter um den Ex-Partner. Fast die Hälfte der Frauen (46 Prozent) wurde in ihrer eigenen Wohnung umgebracht, in 38 Prozent der Fälle lebten die Frauen mit den Tätern zusammen. Insgesamt haben 67 Kinder und Jugendliche durch die Morde in den ersten vier Monaten von 2019 ihre Mutter verloren. Zwölf Prozent der Frauen hatten den Täter bereits angezeigt. Gegen sieben Prozent der späteren Täter war bereits gerichtliches Kontaktverbot erwirkt worden. 22 Prozent der Täter begingen Selbstmord, weitere sechs Prozent versuchten, sich das Leben zu nehmen, vier Prozent sind flüchtig. 45 Prozent der ebenfalls getöteten neun Kinder waren zwischen 0 und 15 Jahre alt.

 

Übersetzung: Lui Lüdicke

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