70.000 Kinder von sexueller Ausbeutung betroffen

Foto: Ira Gelb, CC BY-ND 2.0
Foto: Ira Gelb, CC BY-ND 2.0

(Mexiko-Stadt, 28. März 2016, semlac).- Auf mindestens 50.000 Kinder wird die Anzahl der Jungen und Mädchen geschätzt, die laut der mexikanischen Organisation Gemeinsam gegen Menschenhandel (Asociación Unidos Contra la Trata) als Sexsklav*innen an der Grenze zwischen Mexiko und den USA leben. Schätzungsweise weitere 20.000 Kinder teilen dieses Schicksal im übrigen Mexiko.

Die Internationale Koalition zum Schutz von Mädchen und Frauen vor Menschenhandel in Lateinamerika CATWLAC sieht Mexiko auf Platz fünf bei dieser Art von Menschenhandel.

Laut dem Bericht über Menschenhandel aus dem Jahr 2014 ist in Mexiko ein Anstieg des Kindersextourismus zu verzeichnen, vor allem bei Urlaubszielen am Strand und in Grenzstädten wie Tijuana und Ciudad Juárez in Nordmexiko, wie Roberto Cañedo Jiménez, Abgeordneter und Mitglied der linken Partei Morena (Movimiento Regeneración Nacional) informierte. Er forderte die Regierung auf, die Fortschritte des Programms zum Schutz vor Menschenhandel und kommerzieller sexueller Ausbeutung zu veröffentlichen, da es in 21 Bundesstaaten Mexikos Kindersextourismus gebe.

Regierung vertuscht das Problem

Der Vertreter der Kommission für Grenzfragen im Norden (Comisión de Asuntos Frontera Norte) erklärte, dass Mexiko gemeinsam mit Kambodscha, Thailand und den Philippinen zu jenen Ländern gehöre, in denen man sehr leicht Minderjährige für sexuelle Zwecke anwerben könne.

Die Folgen der kommerziellen sexuellen Ausbeutung hätten Baja California, Acapulco und Cancún zu weiteren beliebten Zielen des Sextourismus gemacht, einem vielschichtigen Phänomen. Allerdings untergrabe die Regierung den Kampf gegen den Menschenhandel: „Der Sextourismus ist für die Regierung unbequem und sie versucht, ihn zu vertuschen, um so keine Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken. Sie will es eher verschleiern. Wir müssen verstehen, dass sich der Menschenhandel in verschiedenen Formen darstellt, es ist schwierig, ihn als eine spezifische Tat in einem einheitlichen Regelwerk und einem einheitlichen Straftatbestand darzustellen“, fügte er hinzu.

Menschenhandel – ein einträgliches Geschäft

In den vergangenen 20 Jahren ist Menschenhandel mit dem Ziel sexueller Ausbeutung stärker in die öffentliche Aufmerksamkeit gerückt, denn Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zeigen, dass 2,4 Millionen Menschen weltweit davon betroffen sind. Heutzutage ist Menschenhandel nach dem Waffen- und Drogenhandel eines der einträglichsten Geschäfte mit einer Gewinnspanne von acht bis neun Milliarden Dollar jährlich.

Aus einem Bericht des US-Außenministeriums über Menschenhandel aus dem Jahr 2013 geht hervor, dass in Mexiko jährlich 20.000 Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Ausbeutung sind, weitere 85.000 Kinder für Zwecke der Pornographie ausgebeutet werden und es in 21 von 32 mexikanischen Bundesstaaten Sextourismus gibt.

Der Staat müsse vor dieser Form der sexuellen Ausbeutung abschrecken, die Probleme der Opfer sichtbar machen und die Schwere dieses untragbaren, aber existierenden Verbrechens anerkennen.

Ziel des Übereinkommens sei, dass die Regierung durch ihre Kommission gegen Menschenhandel und zum Schutz der Opfer die Fortschritte des staatlichen Schutzprogramms veröffentliche, um diese Art der kommerziellen sexuellen Ausbeutung zu beseitigen.

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