
(Quito, 22. Oktober 2026, Prensa Latina).- In Ecuador gehen die Wasserreserven zurück, aus denen die Wasserkraftwerke gespeist werden. Deshalb sieht sich das Land mit Risiken für sein Stromnetz konfrontiert. Fachleute warnen vor möglichen Stromausfällen, sollte der Rückgang der Wasserstände anhalten.
Der Ingenieur Alexis Sánchez bezeichnete die Situation im Wasserkraftwerk Paute Integral im Süden des Landes als kritisch. Dort lag der Pegel des Mazar-Stausees bei 2.121 Metern über dem Meeresspiegel und damit nur sechs Meter über dem Mindeststand für den Betrieb.
Nach den von Sánchez veröffentlichten Daten erzeugte das Kraftwerk Paute-Molino nur 100 Megawatt bei einer installierten Leistung von 1.000 Megawatt. Der Amaluza-Stausee lag zwei Meter unter seinem Mindestbetriebsstand.
Sánchez wies darauf hin, dass die Stromimporte aus Kolumbien umgerechnet etwa elf Megawatt betrugen. Gleichzeitig schätzte er das Versorgungsdefizit auf 1.500 Megawatt.
Der Experte Darío Dávalos kritisierte das Verhalten der zuständigen Institutionen, die das Ministerium für Umwelt und Energie kontrollieren. Er warf den Abgeordneten vor, eher Wahlkampfinteressen zu verfolgen, statt sich um die dringenden Bedürfnisse des Landes zu kümmern.
„Dem Land droht ein Zusammenbruch seines Wasserkraftsystems, da die Wasserkraftwerke bereits an ihre Grenzen stoßen“, warnte Dávalos auf seinem X-Account.
Trotz dieser Situation versicherte der ecuadorianische Präsident Daniel Noboa, dass es in Privathaushalten keine Stromausfälle geben werde. Industriebetriebe mit hohem und mittlerem Stromverbrauch müssen hingegen weiterhin mit Stromabschaltungen von bis zu 72 Stunden pro Woche rechnen.
Unterdessen erklärte der Wirtschaftsexperte Oswaldo Landázuri in einem Interview mit dem Radiosender FM Mundo, dass die Kosten der Krise auf die verschiedenen Bereiche der Gesellschaft verteilt werden müssten und nicht allein von den Wirtschaftsunternehmen getragen werden könnten.
Landázuri geht davon aus, dass die anstehenden Kommunalwahlen am 29. November die Entscheidungen der Regierung Noboa beeinflussen. Zudem kritisierte er die mangelnde Transparenz hinsichtlich der Lage des Stromnetzes.
Das „Observatorio de la Dolarización“ warnte, dass der Anstieg der Dieselkäufe zur Eigenstromerzeugung durch Unternehmen die öffentlichen Finanzen belaste und zu höheren Kosten im Transportwesen und in den Produktionsketten führen könnte. Dies würde sich auch auf die Verbraucherpreise auswirken.
Die Ecuadorianer*innen sind weiterhin besorgt über mögliche Stromausfälle. Bereits 2024 hatte das Land in einer ähnlichen Situation Stromausfälle von bis zu 14 Stunden pro Tag erlebt.
Übersetzung: Annette Brox
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