Neue Studie zu Diskriminierung veröffentlicht

von Andrés Prieto

A workman's tale. Foto: Flickr/Rakesh JV (CC BY-NC 2.0) (Montevideo, 08. Januar 2013, la diaria).- In Uruguay liegt der Stundenlohn von afrikanischstämmigen Männern im Durchschnitt 24,8 Prozent unter dem von Weißen. Dies berichtet eine neue Studie der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universidad de la Republica in Montevideo.

Das es in Uruguay ethnische Ungleichheit gibt, wird dadurch untermauert, dass neuerdings in den offiziellen Haushaltsstatistiken auch die Hautfarbe erscheint. Diesen Umstand machten sich die Autorinnen Ani Taschidjian und Daniela Vázquez zunutze, die die monografische Studie als Abschlussarbeit verfassten. Ihre Arbeit “Studie zur Ausgrenzung afrikanischstämmiger Männer auf dem uruguayischen Arbeitsmarkt” wurde von der Forscherin Marisa Buchelli betreut.

Mit der so genannten “Mincer-Gleichung” kann der Lohnunterschied anhand von Variablen zu Beruf, Arbeitgeber und Sektor festgestellt werden. Der Unterschied von 24,8 Prozent wurde mithilfe der landesweiten erweiterten Haushaltsdatenerhebung (ENHA 2006) ermittelt und ergibt sich demnach zu 28,6 Prozent aus der Diskriminierung einzelner Berufsklassen und zu 31,9 Prozent aus Diskriminierung aus anderen Gründen. Der Rest ergibt sich aus unterschiedlichen Charakteristika der Beschäftigten, so insbesondere aus Unterschieden im Humankapital. Insgesamt 25,8 Prozent des Lohnunterschieds lassen sich durch Bildung und Berufserfahrung erkären.

Debatte über Diskriminierung entfacht

Zur Zeit wird in Uruguay darüber diskutiert, warum das Thema Rassendiskriminierung dort so wenig Relevanz hat. In der öffentlichen Wahrnehmung ist Uruguay eine Ausnahme gegenüber dem Rest der lateinamerikanischen Länder, wo Diskriminierung weit verbreitet ist. Jedoch wurden bis dato kaum Daten über Abstammung und Hautfarbe für die offiziellen Haushaltsstatistiken erhoben. Diese Tatsache verhinderte bisher die Erforschung und Aufarbeitung des Themas und hat so zur “Unsichtbarmachung” der Probleme der nicht-weißen Bevölkerung beigetragen. Denn auch wenn Diskriminierung verbreitet ist, wird sie nicht als solche erkannt oder ihr wird keine Bedeutung zugemessen.

Das “Übereinkommen über die Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf” der Internationalen Arbeitsorganisation ILO von 1958 definiert Diskriminierung als “jede Unterscheidung, Ausschließung oder Bevorzugung, die auf Grund der Rasse, der Hautfarbe, des Geschlechts, des Glaubensbekenntnisses, der politischen Meinung, der nationalen Abstammung oder der sozialen Herkunft vorgenommen wird und die dazu führt, die Gleichheit der Möglichkeiten oder der Behandlung in Beschäftigung oder Beruf aufzuheben oder zu beeinträchtigen”. Die Autorinnen der Studie fügen an, dass diese Ungleichbehandlung sich auf weite Bereiche im Zusammenhang mit der Beschäftigung auswirkt, besonders auf die Aufstiegsmöglichkeiten und die unterschiedliche Entlohnung.

Vom Versuch, das Unrecht zu erklären

Die Autorinnen entschlüsselten die Bestandteile dieser Lohnlücke zwischen afrikanischstämmiger und weißer Bevölkerung mithilfe der Datenerhebung ENHA 2006. Dabei nutzen sie die Tatsache, dass sich Diskriminierung am Arbeitsmarkt sowohl in einer Trennung des Arbeitsmarktes (Minderheiten werden von bestimmten Berufsfeldern ausgechlossen) als auch in anderen Ausprägungen von Diskriminierung äußert. Dadurch lassen sich die Ursachen für den Lohnunterschied in drei Kategorien benennen: zum einen die Ausgrenzung auf dem Arbeitsmarkt, zum anderen die unterschiedlichen Eigenschaften der Individuen, sowie Diskriminierung, die sich auf andere Weisen äußert.

Die Lohndifferenz wurde dann mithilfe einer Gleichung beziffert, die den Lohn in Abhängigkeit von Variablen wie der Hautfarbe, individuellen Faktoren wie Berufsgruppe und Wirtschaftssektor sowie dem Anteil von afrikanischstämmigen Menschen innerhalb der Berufsgruppe und dem Sektor wiedergibt.

Afrikanischstämmige Frauen doppelt diskriminiert

Im Gespräch mit der Agentur “La Diaria” sagte die Autorin Daniela Vazquez, dass für die Studie ausschließlich Daten von Männern verwendet wurden, da afrikanischstämmige Frauen doppelt diskriminiert würden und dies ein methodologisches Problem darstelle: wie sollte man zwischen “beiden Arten der Diskriminierung, der nach Hautfarbe und der nach Geschlecht”, unterscheiden? Diese Methoden existierten zwar, sprengten jedoch den Umfang der Studie.

 

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