Kuba startet trotz US-Sanktionen Produktion von Krebsmedikamenten neu

Foto: Phil and Pam via flickr, CC by-2.0.

(Havanna, 9. Juni 2026, EDUCA).- Kubas Außenminister Bruno Rodríguez hat die Wiederaufnahme der Produktion von 16 Krebsmedikamenten bekannt gegeben. Die sogenannten Zytostatika werden im Rahmen des nationalen Programms zur Behandlung von Krebspatient*innen eingesetzt.

Rodríguez bezeichnete die Wiederinbetriebnahme als wichtigen Erfolg. Sie sei das Ergebnis umfangreicher Investitionen und zeige den Willen der Regierung, trotz schwieriger Bedingungen die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu stärken.

Besonders hob er hervor, dass die Produktion unter den Bedingungen der verschärften US-Blockade und einer anhaltenden Energiekrise wieder aufgenommen werde. Jedes hergestellte Medikament stehe daher für nationale Souveränität, Hoffnung und das Recht auf Gesundheitsversorgung.

Medizinische Innovationen unter erschwerten Bedingungen

Nach Angaben des staatlichen Biotechnologie- und Pharmakonzerns BioCubaFarma, zu dem das Unternehmen AICA gehört, erfolgt die Wiederaufnahme der Produktion schrittweise. Die einzelnen Produktionsbereiche werden nacheinander in Betrieb genommen, um die technische Stabilität der Anlagen sowie die hohen Qualitätsstandards der Medikamente zu gewährleisten.

Kuba zählt zu den internationalen Vorreitern auf dem Gebiet der Krebsimmuntherapie. Bekannt wurde das Land unter anderem durch die Entwicklung therapeutischer Impfstoffe gegen Lungenkrebs. Erst vergangene Woche stellte Kuba mit CIMAvax-EGF eine neue therapeutische Krebsvakzine vor. Zugleich setzt das Land seine Zusammenarbeit mit internationalen Forschungseinrichtungen fort und investiert weiter in den Ausbau seiner onkologischen Versorgung, etwa durch eine neue ambulante Behandlungseinheit in Havanna.

Den Fortschritten stehen jedoch weiterhin erhebliche Versorgungsprobleme gegenüber. Nach Angaben der Vereinten Nationen erschweren die US-Sanktionen den Zugang zu wichtigen Medikamenten und medizinischen Materialien. Besonders betroffen seien Kinder mit Krebserkrankungen.

Vereinte Nationen warnen vor steigender Kindersterblichkeit

Das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte erklärte am Dienstag, die Restriktionen trügen sowohl zu einer steigenden Kindersterblichkeit als auch zu sinkenden Überlebensraten bei krebskranken Kindern bei.

Offizielle Gesundheitsdaten zeigen, dass die Kindersterblichkeit inzwischen bei 9,9 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten liegt und sich damit innerhalb weniger Jahre verdoppelt hat. Gleichzeitig sank die Überlebensrate von Kindern mit Krebs von 85 auf 65 Prozent.

„Es gibt Kinder, die sterben, weil Ärztinnen und Ärzte keinen Zugang zu medizinischen Hilfsgütern und lebenswichtigen Medikamenten haben. Das ist inakzeptabel“, erklärte UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk bei einer Rede in Genf.

Die kubanische Regierung sieht sich durch diese Entwicklungen in ihrer Kritik an den US-Sanktionen bestätigt und verweist zugleich auf die Wiederaufnahme der Medikamentenproduktion als wichtigen Schritt zur Stärkung der nationalen Gesundheitsversorgung.

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