Drogenkrieg und Menschenrechtsverletzungen verfolgen Felipe Calderón bis nach Harvard

von Gerold Schmidt

calderon por fin se va. Karikatur: Flickr/Ernesto Elizalde (CC BY-NC 2.0)(Mexiko-Stadt, 27. Januar 2013, npl). – Bei winterlichem Wetter ist Mexikos Expräsident Felipe Calderón (2006-2012) auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos immer äußerst warm empfangen worden. Dies war in den vergangenen Tagen nicht anders. Nicht mehr als Staatspräsident, sondern als Ehrenvorsitzender der Green Growth Action Alliance sonnte sich Calderón noch einmal in der Öffentlichkeit. Doch schon ab diesem Montag (28. Januar) wird ihn an der US-amerikanischen Eliteuni Harvard möglicherweise ein eisiger Wind umwehen. Dort wird Calderón auf Einladung der Universitätsautoritäten ein einjähriges Stipendium an der John F. Kennedy School of Government antreten. Das Stipendium umfasst keinen Lehrauftrag, sondern bietet Forschungsmöglichkeiten sowie die Verpflichtung, an einigen Seminaren und Konferenzen teilzunehmen.

Der Vertrag zwischen Calderón und Harvard ist in den vergangenen Wochen auf erheblichen Widerspruch gestoßen. Die Proteste häufen sich. Eine über die Internetplattform www.change.org initiierte und binational organisierte Petition fordert die Universität auf, den Vertrag mit Calderón zu annullieren. Knapp 35.000 Personen vorrangig aus den USA und Mexiko haben sich seit Mitte Dezember der Petition angeschlossen. Als Argumente werden unter anderem die mehr als 60.000 Toten, 25.000 Verschwundene, sowie 250.000 interne Vertriebene im von Calderón begonnenen „Drogenkrieg“ angeführt. Ebenso werden ihm der Anstieg der extremen und allgemeinen Armut in Mexiko um mehr als sieben bzw. zwölf Millionen Menschen sowie ein Niedergang des Bildungssystems unter seiner Amtszeit angelastet.

Calderóns Präsenz polarisiert in Harvard

Héctor Vasconcelos, ehemaliger mexikanischer Botschafter in verschiedenen Ländern und Harvard-Absolvent der Generation 1968, beschreibt die Präsenz Calderóns an der Universität in einem offenen Brief an Dr. David Ellwood, den Rektor der Kennedy School, als eine „radikale Negation der Werte, die diese Universität mir beigebracht hat“. Er stellt den zum 1. Dezember 2012 aus dem Amt geschiedenen mexikanischen Präsidenten zudem als „Vertreter der religiösen Rechten“ dar. Halte Harvard seine Entscheidung aufrecht, werde er seinen dort erworbenen Titel zurückgeben.

Auch der Dichter Javier Sicilia, sichtbarster Kopf der international bekannten Bewegung für Frieden mit Gerechtigkeit und Würde forderte zusammen mit dem Wissenschaftler Sergio Aguayo in einem offenen Brief eine Erklärung von Ellwood. Ihr Vorwurf: Calderón habe die Würde der Opfer im Drogenkrieg nicht respektiert, von den Konsequenzen seiner Politik nichts wissen wollen und sei der Verantwortung seiner Taten ausgewichen. Rektor Ellwood antwortete vor anderthalb Wochen darauf mit „Verständnis“, berief sich aber auf den in Harvard gepflegten „freien Austausch der Ideen“ und die Chance für Diskussionen zwischen Student*innen und hochrangigen Stipendiat*innen.

Die Kennedy School hat sich in der Vergangenheit mehrfach mit bekannten Politiker*innen, darunter auch ehemalige Staatsoberhäupter, geschmückt. Ein Bestandteil der universitären Imagekampagne. Bei Felipe Calderón, der in den 1990er Jahren in Harvard in Vorbereitung auf spätere höhere Aufgaben bereits einen Masterstudiengang „Öffentliche Politik“ absolvierte, ist dieses Kalkül bisher nach hinten losgegangen. Die Kennedy School wird dem Ex-Präsidenten dennoch kaum sein Stipendium entziehen. Am Dienstag (29. Januar) werden John Randolph und Eduardo Cortés, die Initiatoren der Petition, in Harvard empfangen. Allerdings nur von einem Mitarbeiter des Rektors.

 

 

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