Amerikanisches Sozialforum beendet

von Steffen Lehnert

(Darmstadt, 16. August 2010, amerika21.de).- Asunción. In der paraguayischen Hauptstadt ist am Sonntag das Vierte Amerikanische Sozialforum zu Ende gegangen. Zum Abschluss fanden sich die Teilnehmer*innen am Morgen in einer Vollversammlung der sozialen Bewegungen aus allen Teilen des amerikanischen Kontinents zusammen. Gemeinsam arbeiteten sie eine Erklärung aus, welche sie wenig später den drei Präsidenten von Uruguay, Bolivien und Paraguay, José “Pepe” Mujica, Evo Morales und Fernando Lugo überreichten.

In dem Papier mit dem Titel “Unser Amerika ist auf dem Weg” erklären sie sich mit dem politischen Prozess in Paraguay solidarisch, fordern gleichfalls aber weitergehende Reformen um die “Souveränität über Boden, Gemeingüter und Energieressourcen” zurückzugewinnen. Darüber hinaus verurteilen die Teilnehmer*innen die illegale Besatzung Haitis durch US-Truppen sowie das Putschregime unter Führung des konservativen Unternehmers Porfirio Lobo in Honduras.

Nach der Vorstellung durch die Sprecherinnen des Forums, ergriffen die Präsidenten das Wort und erklärten auf unterschiedliche Weise ihre Solidarität mit den Aktivist*innen. Uruguays Amtsinhaber José Mujica sprach sich für Vielfalt und gegen Dogmen aus: “Die aggressive westliche Zivilisation hat eine bestimmte Form von Demokratie definiert und glaubt immer noch, es sei die einzig mögliche.”

Als Vertreter eines Staates, der sich vom westlichen Modell entfernt hat, trat der bolivianische Präsident Evo Morales ans Mikrofon. Er verwies darauf, dass auch er sich in den sozialen Bewegungen politisiert hat. Was Mujica anklingen ließ, brachte Morales auf den Punkt: “Der Kapitalismus macht nur Geschäfte. Ihn interessiert weder das Leben noch der Planet und noch weniger die Menschheit.” Morales zeigte sich mit Blick auf den bevorstehenden UN-Klimagipfel in der mexikanischen Küstenstadt Cancún zuversichtlich.

Der letzte Redner war Gastgeber Fernando Lugo: “Mit Euch, da bin ich mir sicher, wird der Traum Realität, für den Millionen Lateinamerikaner ihr Leben gegeben haben.” Gleichzeitig warnte er vor den Gefahren und verwies auf den Putsch in Honduras. Er bekräftigte die Solidarität mit dem honduranischen Volk.

Bereits am Vortag hatte der paraguayische Präsident ein Grußwort an die Gäste gerichtet, in dem er sich für die Teilnahme der rund 15.000 Aktivist*innen bedankte. Er reiste direkt aus Brasilien an, wo die Chemotherapie zur Bekämpfung seiner Krebserkrankung eingeleitet wurde. In Bezug auf seine kürzlich bekannt gewordene Krankheit bedankte er sich für die zahlreichen Solidaritätsbekundungen und prophezeite: “Das menschliche Wesen ist zerbrechlich und komplex, doch die Ideen, die die Menschheit hervorbringt, werden aus genau dieser Zerbrechlichkeit und Komplexität geboren. Sie sind es, die den Kampf weit über die Grenzen des Menschlichen hinaus aufrechterhalten.”

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