Mexiko

Yaqui-Führer nach Regierungswechsel in Sonora frei


von Ceccam

(Berlin, 28. September 2015, poonal).- Mario Luna, der vor einem Jahr verhaftete Führer des Yaqui-Stammes im Bundesstaat Sonora ist seit dem 23. September wieder ein freier Mann. Fernando Jiménez, sein Mitstreiter im Kampf für die Wasserrechte der Yaqui, war bereits einen knappen Monat zuvor aus der Haft entlassen worden. Die beiden waren von der Mitte September aus dem Amt geschiedenen Regierung des Gouverneurs Guillermo Padres von der konservativen Partei der Nationalen Aktion (PAN) mit fadenscheinigen Argumenten der Freiheitsberaubung und des Raubs angeklagt worden, das Justizwesen spielte mit. Luna und Jiménez galten jedoch als politische Häftlinge. Sie führten die Proteste der Yaqui gegen den Bau und Betrieb eines Aquäduktes im Bundesstaat an. Die trotz teilweise anderslautender Urteile von Bundesgerichten konstruierte und in Betrieb genommene Pipeline entnimmt dem Yaqui-Fluss einen Teil seines Wassers und leitet es in die Landeshauptstadt Hermosillo. Dagegen gibt es nicht nur in den direkt betroffenen Landkreisen und bei den acht Yaqui-Völkern des Bundesstaates, sondern ebenso den Landwirt*innen Sonoras allgemein große Bedenken. Die Yaqui selbst berufen sich auf unter Präsident Lázaro Cárdenas (1934-1940) per Dekret zugesicherte Wasserrechte.

Kritik: Wasser für Bier- und Autoindustrie

Es ist kein Zufall, dass die Freilassungen mit der Amtsübernahme der neuen Gouverneurin Claudia Pavlovich Arellano zusammenfallen. Die Politikerin von der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) des mexikanischen Präsidenten Peña Nieto gewann die Wahlen im Juni weniger aufgrund eigener Verdienste sondern vor allem, weil die Bevölkerung Sonoras der korrupten und autoritären Amtsführung Padres überdrüssig war. Pavlovich hatte im Wahlkampf immer wieder versprochen, ein demokratisches und transparentes Sonora zu garantieren. Für die Freiheit von Luna und Jiménez demonstrierten im Bundesstaat noch im Oktober 2014 nach Medienberichten bis zu 30.000 Personen. Unter Mitwirkung von Amnesty International und weiteren Organisationen gab es eine internationale Kampagne für die beiden. Ohne eine baldige Haftentlassung der beiden Yaqui-Führer hätte die neue Gouverneurin sofort politisches Kapital verspielt.

Nun gibt es leichte Hoffnungen, dass der Betrieb des Aquäduktes eingestellt werden könnte. Mario Luna kündigte direkt nach seiner Rückkehr in seinen Heimatort Vícam an, sich wieder dafür einzubringen. Im Gefängnis versuchte er, so weit wie möglich auf dem aktuellen Stand der Ereignisse in Sonora und in Mexiko zu bleiben. „Es kündigt sich ein noch stärkerer Raub der Naturresourcen der indigenen Völker an“, warnte er. Die Padres-Regierung hatte das Aquädukt mit der Wasserversorgung der Haushalte in der Landeshauptstadt Hermosillo begründet. Die Trinkwasserversorgung müsse Vorrang vor der landwirtschaftlichen Nutzung haben. Die Kritiker*innen des Aquäduktes haben allerdings von Anfang an versichert, das Wasser werde vor allem von der Bier- und Automobilindustrie in Hermosillo verwendet. Nicht nur den Yaqui würden Rechte entzogen, sondern generell vielen Landwirt*innen Sonoras die Existenzgrundlage.

CC BY-SA 4.0 Yaqui-Führer nach Regierungswechsel in Sonora frei von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Tamaulipas: Anhebung des Mindestalters bei Eheschließung auf 18 Jahre Von Rosa María Rodríguez Quintanilla(Ciudad Victoria, 31. Mai 2016, cimac).- Im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas können Minderjährige nicht mehr heiraten, seitdem das örtliche Abgeordnetenhaus Reformen und Zusätze verabschiedet und andere Artikel des Gesetzbuches von Tamaulipas außer Kraft gesetzt hat. Der entsprechende Artikel 220 wurde wie folgt geändert: Die Eheschließung ist nichtig, sobald eine oder beide Personen zum Zeitpunkt der Heirat unter 18 Jahren alt ...
Kriminelle Umweltzerstörung im Nordwesten Mexikos Von Victor M. Quintana(Mexiko-Stadt, 6. Mai 2016, la jornada).- Nicht jeden Tag genießt man ein solches Vorrecht. Die pastoralen Mitarbeiter*innen der Diözese der Sierra Tarahumara, einer Gebirgsregion im Nordwesten Mexikos, luden mich zu ihrer Versammlung zum Thema Seelsorgeplan der Diözese ein. Die Dynamik dieser großen Gruppe, die sich aus Laien, Nonnen, Mönchen und Priestern zusammensetzt, erregte meine Aufmerksamkeit. Anfang des Jahres hatten sie einen Seelsorg...
Unüberbrückbarer Graben zwischen Agrarexport und kleinbäuerlicher Landwirtschaft Von Gerold Schmidt(Mexiko-Stadt, 15. Mai 2016, npl).- Es war eine Meldung, die aufhorchen ließ. Ende März verkündete Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto, die Nahrungsmittelexporte des Landes hätten sich zur zweitwichtigsten Devisenquelle hinter dem Industrieexport entwickelt. Damit bringen die Agrarausfuhren Mexiko mehr US-Dollar ein als Erdölexporte, der Tourismus und die Zahlungen der Mexikaner*innen in den USA an ihre zurückgebliebenen Familien. Im Januar 2016 übe...
Plan B: Kinderschänder bleiben straffrei Von Lydia Cacho(Mexiko-Stadt, 7. März 2016, cimacnoticias).- Der Vater einer 13-Jährige entschied, dass niemand seine Tochter entjungfern dürfe – niemand außer ihm. Freund*innen und Bekannte hätten niemals vermutet, dass er, der angesehene Architekt, ein Kinderschänder sein könnte. In Puebla vergriff sich ein katholischer Priester regelmäßig an einem der Messdiener. Für den Jungen, der bereits im Kinderheim gewalttätige Übergriffe erlebt hatte, war das Recht auf Schut...
Großdemo fordert Recht auf Abtreibung Von Tamara Vidaurrázaga Aránguiz(Santiago de Chile, 14. März 2016, SEMlac).- Am 8. März, dem international in der Tradition feministischer Kämpfe stehenden Frauentag, gingen etliche Chilen*innen in Santiago auf die Straße, um für respektvolle Geburtshilfe und würdige Arbeitsplätze, vor allem aber für das Recht auf Abtreibung einzutreten. Mit rund 20.000 Demonstrant*innen war dies die größte feministische Mobilisierung seit dem Ende der Diktatur Alberto Pinochets.Z...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *