Mexiko

Verteidigungsminister Cienfuegos wird vorerst kein Ehrendoktor


Von Gerd Goertz

Salvador Cienfuegos

Verteidigungsminister Salvador Cienfuegos: Ein Bilderbuch-General, der mit „der Unsicherheit, den Fällen des Verschwindenlassens, den Todesfällen, den Feminiziden im Land“ zu tun habe, so die Feministin Mercedes Oliveira. Foto: Desinformémonos

(Mexiko-Stadt, 10. Februar 2018, npl).- Nach zahlreichen Protesten ist die Verleihung des Doktortitels honoris causa an den mexikanischen Verteidigungsminister Salvador Cienfuegos Zepeda durch die Universität für Wissenschaft und Kunst von Chiapas (Unicach) vom Uni-Rektor suspendiert worden. Der Universitätsrat hatte die Vergabe des Ehrentitels in völliger Verkennung der Stimmungslage am 2. Februar mit einer Zweidrittelmehrheit beschlossen. Umgehend brach ein Sturm der Entrüstung los. Die Feministin und Akademikerin Mercedes Olivera verzichtete bereits einen Tag später auf die ihr von der Unicach 2012 verliehene Ehrendoktorwürde. Sie nahm kein Blatt vor den Mund. Der General habe „nichts mit Wissenschaft oder Akademie zu tun, sondern mit der Unsicherheit, den Fällen des Verschwindenlassens, den Todesfällen, den Feminiziden im Land“.

Ihr folgte mit seinem Verzicht auf den Doktortitel honoris causa der Unicach-Mitbegründer und erste Rektor Andrés Fábregas Puig. Er schrieb, er erkenne seine Universität nicht mehr wieder, und verwies auf die wissenschaftliche Forschung und die Verbreitung von Wissen als ursprüngliche Grundlage für die Verleihung der Ehrendoktorwürde. Mehr als 35 Organisationen, 50 Forscher*innen und Akademiker*innen nannten die vorgesehene Auszeichnung für den General in einer gemeinsamen Stellungnahme einen „Affront gegenüber Student*innen und Akademiker*innen“. Die Verleihung verstieße „gegen die Würde der Universitätsmitglieder“, sie würde „Lehre und Wissenschaft prostituieren“.

„Belohnung für Verbrechen gegen die Menschlichkeit“

Weitere Stimmen erklärten, der Ehrendoktortitel könne als Auszeichnung für das Militär insgesamt interpretiert werden, eine „Belohnung für Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Sie erinnerten an die aktive Rolle des Generals bei der kürzlichen Verabschiedung des umstrittenen Gesetzes zur inneren Sicherheit, gegen das zahlreiche Verfassungsklagen eingereicht wurden. Ebenso erwähnten sie die hartnäckige Weigerung des Verteidigungsministers, die Soldaten des möglicherweise in das Verschwindenlassen der 43 Studenten von Ayotzinapa verwickelten 27. Infanteriebataillons von der Interdisziplinären Unabhängigen Expert*innengruppe (GIEI) befragen zu lassen.

Angesichts der Wucht der Reaktionen machte der amtierende Unicach-Rektor Ricardo Paniagua am 7. Februar einen Rückzieher. Die Suspendierung der Verleihung bedeutet formal allerdings nicht die vollständige Annullierung der Entscheidung des Universitätsrates. Dennoch war der Versuch, den General zum Doktor zu machen, ein wahrer Rohrkrepierer.

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