Brasilien

Stopp für geplanten Goldabbau am Staudamm Belo Monte gefordert


von Christian Russau

Schon alles bereit für den Goldabbau: Die (10. Februar 2013, amerika21.de).- Die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft hat vor wenigen Tagen das Umweltministerium des Bundesstaates Pará aufgefordert, dem geplanten Goldabbau durch den kanadischen Rohstoffkonzern Belo Sun Mining keine Genehmigungslizenz zu erteilen. Der Konzern Belo Sun Mining mit Sitz in Toronto erhofft sich mit dem Projekt am Xingu-Fluss in direkter Nachbarschaft des Staudamms Belo Monte den Abbau von bis zu 4,1 Millionen Unzen über einen Zeitraum von zwölf Jahren. Damit wäre dies die größte Goldmine Brasiliens.

Staatsanwaltschaft fordert Anhörung indigener Gruppen

Das Projekt mit dem Namen „Volta Grande“ soll ab dem dritten Quartal 2013 auf dem Gebiet der sogenannten „Großen Schlinge“ des Xingu-Flusses begonnen werden. Durch den Bau des umstrittenen Staudamms Belo Monte soll dieses Gebiet bis zu 70 Prozent trockengelegt werden. Erst durch die infolge des Staudammbaus eintretende Trockenlegung des Flussbetts auf 100 Kilometern Länge wird der Abbau in offenem Tagebau wirtschaftlich möglich. Die Bloggerin Telma Monteiro hatte das Projekt im vergangenen Jahr öffentlich gemacht.

Die Staatsanwält*innen sehen die Rechte indigener Gruppen der Region durch dieses neue, im Zusammenhang mit dem Staudammbau stehende Goldabbau-Projekt von Belo Sun Mining, bedroht. Deshalb sollte solange keine Genehmigung erteilt werden, bis die betroffenen indigenen Gruppen angemessen angehört wurden. Dies sei bislang nicht geschehen, so die Staatsanwaltschaft.

“Todesstoß ins Herz der indigenen Völker am Xingu”

Hinzu käme, dass es wegen der gleichzeitigen Unregelmäßigkeiten beim Genehmigungsverfahren für den Staudamm Belo Monte und der damit für die Bewohner*innen und Umwelt verbundenen Gefährdungen, nicht angebracht sei, die zwei umstrittenen Projekte getrennt zu betrachten. Vielmehr müssten beide Vorhaben in einer Umweltfolgenstudie zusammen analysiert werden.

Nur so könnten die gegebenenfalls sich kumulativ einstellenden sozialen und Umweltfolgen in ihrem Zusammenspiel untersucht werden. Vor der Erteilung jedweder Lizenz sollten die Auswirkungen sowohl des Staudamms Belo Monte und des Goldabbau-Projekts von Belo Sun Mining hinsichtlich “der Umsiedlung von Bevölkerung, der Anwendung umweltschädlicher Substanzen sowie der Umweltauswirkungen” genauestens geprüft werden, empfahl die Staatsanwaltschaft.

Als “Todesstoß ins Herz der indigenen Völker am Xingu”, bezeichnete der katholische Bischof der Diözese von Altamira, Pará, Erwin Kräutler, das Staudammprojekt in Amazonien erst Anfang Januar anlässlich der Aktionärsversammlung der Siemens AG. Siemens ist gemeinsam mit dem Unternehmen Voith über die Lieferung von Turbinen ebenso an Belo Monte beteiligt, wie die Konzerne Allianz AG und Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft.

Bischof Kräutler warnt vor „Wahnsinnsprojekt“

Auch wenn europäische Firmen mit “diesem Wahnsinnsprojekt astronomische Gewinne” machten, sei dadurch Belo Monte noch lange nicht ethisch vertretbar, so der Bischof. Kräutler hatte 2010 den Right Livelihood Award, den so genannten “alternativen Nobelpreis”, für seinen Einsatz für Menschenrechte in der Xingu-Region erhalten. “Jede Firma, die sich an Belo Monte beteiligt, zeichnet mitverantwortlich für diese Menschenrechts- und Umweltkatastrophe”, empörte er sich.

Mit dem Belo Monte-Projekt soll am Xingu-Fluss im brasilianischen Amazonasbecken der drittgrößte Staudamm der Erde realisiert werden. Für eine Kapazität von bis zu elf Gigawatt soll er eine Fläche größer als den Bodensee fluten, während der Flussabschnitt “Volta Grande” deutlich weniger Wasser erhalten wird.

Zwangsumsiedlung von mehr als 30.000 Menschen

Die in Brasilien gegen das Staudammprojekt kämpfenden Indigenen, Flussanwohner*innen und Umweltgruppen warnen seit Jahren vor der Zerstörung von Schutzgebieten und Regenwaldflächen. Zudem drohten mehr als 30.000 Menschen die Zwangsumsiedlung, die Lebensweisen indigener Völker seien bedroht und tausende Fischer*innen stünden vor dem Verlust ihrer Existenzgrundlage, so die gegen den Staudammbau weltweit protestierenden Umweltgruppen.

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