Kolumbien

Präsidentschaftswahlen 2018: De la Calle kandidiert für die Partido Liberal


Humberto De la calle Lombana bei der Kondrad Adenauer Stiftung / Foto: ICP Colombia, CC-BY-SA 2.0

Humberto De la calle Lombana bei der Kondrad Adenauer Stiftung / Foto: ICP Colombia, CC-BY-SA 2.0

(Montevideo, 22. November 2017, la diaria).- Der ehemalige Chef-Unterhändler Humberto de la Calle, der für Regierungsseite mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens FARC verhandelt hat, ist zum Kandidaten der Liberalen Partei Kolumbiens PLC (Partido Liberal Colombiano) für die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2018 gewählt worden. De la Calle galt bei den Vorwahlen Mitte November als Favorit, bei denen 35 Millionen Einwohner*innen stimmberechtigt waren, wovon jedoch nur 2,1 Prozent Gebrauch machten.

Teure Wahl auf Staatskosten

Das Wahlbehörde bestätigte, dass De la Calle 53 Prozent der Stimmen erhielt während sein Rivale, der ehemalige Innenminister Juan Fernando Cristo, lediglich 47 Prozent erreichte. Der Wahlprozess war von verschiedenen politischen und sozialen Gruppen aufgrund seiner hohen Kosten stark kritisiert worden. Die Aufwendungen in Höhe von ca. 13 Millionen US-Dollar wurden komplett aus staatlichen Mitteln finanziert.

„Danke, dass Sie uns den Weg gewiesen haben, denn mit unserem Sieg beginnt für uns der gemeinsame Weg hin zu einem neuen Land, einem Land in dem wir alle, ja wirklich alle, unseren Platz haben werden“ erklärte de la Calle nach Bekanntwerden der Ergebnisse.

Punkten mit „Frieden“

„Das Beste an diesem Ergebnis ist: Es ist der Beweis dafür, dass es möglich ist über den Frieden hinaus zu gehen. Heute feiern die PLC und das gesamte Land, denn wir haben eine Demokratie, die es möglich macht, dass die Stimmen von Frauen und Männern mit guten Absichten gehört werden. Dieser Sieg war möglich, weil wir eine lebendige Demokratie haben“, fügte er hinzu.

Das Wort „Frieden“ ist ein Schlüsselwort in der Wahlkampagne des Parteiführers, der sich die Verteidigung der Friedensabkommen, die vor einem Jahr mit der Ex-Guerilla unterzeichnet worden waren, auf die Fahnen geschrieben hat. Seine Losungen sind „Ein Land, in dem wir alle Platz haben“ und „eine echte Führungspersönlichkeit“.

Umfragen: Liberale weit abgeschlagen

Der 71-jährige Anwalt de la Calle blickt auf eine langjährige politische Karriere auf Landesebene zurück. Neben anderen Ämtern war er Vizepräsident Kolumbiens während der Amtszeit von Ernesto Samper, von dem er sich abwendete, als die vermeintliche Finanzierung der Wahlkampfkampagne von Samper durch die Drogenhändler und -produzenten des Cali-Kartells untersucht wurde. Außerdem war De la Calle Richter am Obersten Gerichtshof und Innenminister. Als Innenminister repräsentierte er die Regierung in der Verfassungsgebenden Versammlung, die 1991 die Verfassung von 1886 reformierte.

Trotz des guten Eindrucks, den er sich in seiner Rolle als Unterhändler bei der kolumbianischen Gesellschaft erarbeitete, gehört De la Calle laut Umfragen zu Kandidat*innen mit den geringsten Chancen: Laut den Befragungen würde er kaum 6 Prozent erreichen. Sechs Monate vor der ersten Wahlrunde, die für den 27. Mai 2018 vorgesehen ist, liegt der Liberale De la Calle weit abgeschlagen hinter anderen Kandidaten wie dem Ex-Vizepräsidenten German Vargas Lleras von der gegenwärtig mit regierenden Partei des radikalen Wandels PCR (Partido Cambio Radical), dem ehemaligen Bürgermeister von Medellin, Sergio Fajardo (Chef der Partei Compromiso Ciudadano) und dem noch zu definierenden Kandidaten der oppositionellen Partei Centro Democratico, gegründet vom ehemaligen Präsidenten Alvaro Uribe. Mehr als ein Jahrhundert lang war die liberale Partei war eine der Säulen des Zweiparteisystems in Kolumbien – doch ihre Macht ist in den vergangenen 20 Jahren stetig zerfallen.

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