Kolumbien
Fokus: Erinnerung und Gerechtigkeit / Memoria y Justicia

Mit dem Ende der Entwaffnung beginnt die Geschichte der FARC-Partei


(Montevideo 16. August 2017, la diaria-poonal).- Der letzte Container mit Waffen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) verließ am 15. August eine der Normalisierungs- und Übergangszonen, in denen bis jetzt etwa 7.000 Guerillakämpfer*innen auf ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorbereitet wurden. Damit ist die Entwaffnung der Guerilla beendet. Die Vereinten Nationen, welche die Waffen entgegennahmen, werden diese nun einschmelzen lassen, um daraus drei Statuen anzufertigen (eine wird in Kolumbien bleiben, eine weitere geht nach Kuba und die letzte wird im UNO-Hauptquartier in New York aufgestellt werden).

Sicherheit der ehemaligen Farc-Mitglieder

Der Präsident Kolumbiens, Juan Manuel Santos, der bei dem feierlichen Anlass anwesend war, begrüßte diese neue Etappe. „Heute stehen wir in der Tat vor dem letzten Atemzug dieses Konflikts […], und im Leben unserer Nation beginnt eine neue Phase“, sagte er hinsichtlich der Entwaffnung und fügte hinzu, dass „die Kolumbianer das nicht für möglich gehalten“ hätten. Darüber hinaus betonte Santos, dass das Ende des Konflikts „enorme Chancen“ mit sich bringe, die es „Schritt für Schritt“ anzugehen gelte, um zu einem „stabilen und nachhaltigen Frieden“ zu gelangen.

In seiner Rede bezog sich Santos auf eine der größten Sorgen der Mitglieder der entwaffneten Guerilla: die Sicherheit der demobilisierten Kämpfer*innen. Nach Aussage der FARC wurden in den letzten Wochen sieben ihrer Mitglieder ermordet, und manche fürchten, dass sie das Schicksal der Unión Patriótica erwartet, einer Partei, die sich aus ehemaligen Guerillakämpfer*innen zusammensetzte und mit der Ermordung vieler ihrer Mitglieder ausgelöscht wurde. Der Präsident erklärte, er selbst habe „das größte Interesse daran, dass es zu keiner Wiederholung dessen [komme], was mit der Unión Patriótica geschehen ist“, und verpflichtete sich dazu, die Sicherheit der ehemaligen Guerilleros zu gewährleisten.

Auszug minderjähriger Kämpfer*innen

Den Normalisierungs- und Übergangszonen steht nun ein Wandel bevor, denn sie werden zu Schulungs- und Wiedereingliederungsgebieten. Diese können dann von den öffentlichen Sicherheitskräften, die bisher die Außenbereiche bewachten, betreten werden. Polizei und Streitkräfte legten am 15. August Sonderpläne für den Schutz der ehemaligen Guerillakämpfer*innen vor.

Am selben Tag fand zudem der lang erwartete Auszug von etwa 50 minderjährigen Kämpfer*innen statt, die unter Obhut des Staates oder ihrer Verwandten stehen werden. Im selben Zug übergaben die FARC der UNO eine Liste mit ihren Besitztümern, die zu denen hinzugerechnet werden, die von den Behörden seit Unterzeichnung des Friedensvertrags bereits beschlagnahmt wurden. Sie sollen der Entschädigung der Opfer dienen.

Farc als politische Partei

Am 1. September begann eine neue Etappe, als sich die FARC offiziell zu einer politischen Partei wandelten. Der ehemalige Guerillaführer Iván Márquez sagte, dass sie die Kurzbezeichnung FARC beibehalten werden, diese aber von nun an für Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes (Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común) stehen wird. „Wir wollen die Verbindung zu unserer Vergangenheit nicht aufgeben. Wir waren bis heute eine revolutionäre Organisation und werden es auch in Zukunft bleiben“, so Márquez.

Bei dem mehrtägigen Gründungskongress der FARC-Partei, der am 1. September mit einer Feierlichkeit auf dem zentralen Bólivar-Platz in Bogotá zu Ende ging, wurden die politischen Prinzipien beschlossen. Die Liste der Parteimitglieder, die jeweils einen Sitz in Kongress und Repräsentantenhaus einnehmen sollen, soll erst im November bei einem gesonderten Kongress beschlossen werden.

(aktualisiert am 03. September 2017, poonal)

CC BY-SA 4.0 Mit dem Ende der Entwaffnung beginnt die Geschichte der FARC-Partei von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Lesbocidio en el Brasil de Bolsonaro: El reto de no callar
21
En el año 2008, ILGA –Asociación Internacional de Lesbianas y Gays– presentó un informe denunciando que 86 Estados miembros de Naciones Unidas todavía criminalizaban los actos sexuales consensuados entre personas adultas del mismo sexo. El panorama actual no ha cambiado mucho contabilizando, con la reciente incorporación de Brunei, a 8 países en total en los que se contempla la pena de muerte para castigar las relaciones homosexuales (Además del mencionado Brunei, Irán, Arabi...
Lesbocidio en el Brasil de Bolsonaro: El reto de no callar
22
El siguiente programa de Radio Matraca, es una apretada síntesis de la transmisión de Stream que realizamos el pasado 16 de junio de 2019 en Berlín. En el marco de la charla con dos activistas feministas de Brasil, representantes de CAMTRA, Casa da Mulher Trabalhadora de Rio de Janeiro. Ellas son:  Eleuteria Amora da Silva, coordinadora y fundadora de Camtra y,  Suane Felippe Soares, profesora en la Universidad de Rio de Janeiro. Compartiremos información sobre la historia...
Indigene beklagen Morddrohungen von FARC-Abspaltungen
78
(Bogotá, 9. Juli 2019, servindi).- Die Koordinator*innen der sogenannten Indigenen Garde (Guardia Indígena) im Norden des kolumbianischen Bundesstaats Cauca machten am 8. Juli Morddrohungen gegen sie von einer abgespaltenen Gruppe der demobilisierten FARC öffentlich. Offenbar erhielt die Indigene Garde die Drohungen, weil sie zusammen mit den öffentlichen Streitkräften Maßnahmen ergriffen hatte, um das Vorgehen der bewaffneten Gruppe in ihrem Gebiet zu verhindern. „Ihr Ein...
Kommentar | Getrübter Optimimus: Die neue Regierung in Mexiko
158
(Tlapa, 1. Juli 2019, Centro de Derechos Humanos de la Montaña Tlachinollan).- Der historische Wahlerfolg, den der amtierende Präsident Andrés Manuel López Obrador (AMLO) mit mehr als 30 Millionen Stimmen am 1. Juli 2018 erzielte, bedeutete einen Kurswechsel im Hinblick auf die strukturellen Reformen, die die Staatspräsidenten von Miguel de Madrid bis Enrique Peña Nieto vorangetrieben hatten. Am 2. Dezember 2012 hatten die größten Parteien, die Partei der Institutionalisierte...
onda-info 463
73
Hallo und Willkommen zum onda-info 463! Kurz vor dem Sommerloch präsentieren wir Euch ein randvolles onda- info, so dass wir Euch mit einigen Beiträge sogar auf in 2 Wochen vertrösten müssen.  Zu Besuch nach Berlin kommt die guatemaltekische HipHopperin Rebeca Lane. Dort wird sie am 4. Juli ein Konzert geben. Dazu interviewte sie Matraconda. Am 28 Juni war der 10. Jahrestag nach dem Putsch 2009 in Honduras. Anlässlich dessen hat onda Menschen aus der Opposition und sozialen ...