Nicaragua

Immer mehr Schwangerschaften bei Jugendlichen und Minderjährigen


von Aromina García

(Buenos Aires, 01. März 2013, púlsar).- Laut Angaben des nicaraguanischen Gesundheitsministeriums werden vier von zehn Schwangerschaften in ländlichen Gegenden bei Jugendlichen festgestellt, im Rest des Landes sind es 27 von 100 Schwangerschaften. Dies sind die höchsten Zahlen der Region, teilte Osmani Altamirano, nationaler Berater für sexuelle Rechte und reproduktive Gesundheit bei der Kinderhilfsorganisation Plan International, gegenüber Pressevertreter*innen mit.

Anstieg sexualisierter Gewalt alarmierend

Für Plan International und andere, in der nationalen Koalition für sexuelle Rechte und reproduktive Gesundheit vertretenen Organisationen, ist besonders die Zunahme von Schwangerschaften von Mädchen und Jugendlichen im Alter von 10 bis 14 Jahren in den Bezirken Chinandega im Westen, Chontales im Zentrum des Landes sowie in Waspam, an der nördlichen Karibikküste, alarmierend. Die Schwangerschaften dieser Mädchen fielen laut nicaraguanischem Strafgesetzbuch unter den Tatbestand der Vergewaltigung und die Täter müssten dementsprechend verfolgt und bestraft werden, so Altamirano.

Luz Marina Torres, Vertreterin des Netzwerkes Frauen gegen Gewalt, bemerkte diesbezüglich, dass allein im letzten Jahr mehr als viertausend Gutachten zu sexuellen Übergriffen durch das gerichtsmedizinische Institut der nationalen Rechtsprechung erstellt wurden. Die Hälfte der Fälle betraf Mädchen unter 13 Jahren, die andere Hälfte Mädchen von 14 bis 17 Jahren.

Politisches Handeln ist gefragt

Torres zeigt sich besonders besorgt über die Straffreiheit von sexualisierter Gewalt, wie sie im Land üblich ist. Sie verlangt von der Regierung Nicaraguas, die Gesetze gegen Sexualstraftäter durchzusetzen und diese zu bestrafen, sowie präventive Maßnahmen gegen sexuelle Gewalt gegenüber Minderjährigen zu ergreifen. Diese Mädchen würden häufig schwanger und dann durch die Gesetze derselben Regierung gezwungen, gegen ihren Willen und unter erheblichen Gesundheitsrisiken zu gebären.

Laut Osmani Altamirano bestehe zwar ein politischer Wille, diese Problematik anzugehen, jedoch fehlten konkrete Handlungsschritte. Dies sei zum Beispiel am Fall des „Leitfadens zur sexuellen Aufklärung“ zu sehen, der vom Bildungsministerium verabschiedet wurde und bereits in vielen Schulen ausliegt, jedoch mangels entsprechender Schulungen von vielen Lehrer*innen und Schulrät*innen nicht eingesetzt wird.

Altamirano erklärte weiter, dass seine Vereinigung die neue Strategie des Bildungs- und Gesundheitsministeriums unterstütze, die Mitte des Jahres umgesetzt werden soll.

Unter dem Namen „Gemeinsamer Erfahrungsaustausch über Verhütungsmethoden durch Gleichaltrige“ sollen sich in diesem Programm Jugendliche untereinander über Schwangerschaftsverhütung aufklären. Man hoffe so auf eine bessere Kommunikation und effektivere Prävention von Schwangerschaften bei minderjährigen Mädchen.

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