Guatemala

Führendes Gewerkschaftsmitglied der SEMOT Eliseo Villatoro Cardona ermordet


Logo der Gewerkschaft MISCG

Logo der Gewerkschaft MISCG

(Guatemala-Stadt, 10. November 2016, cerigua).- Am vergangenen 9. November wurde Eliseo Villatoro Cardona, Leiter der Abteilung Organisation und Öffentlichkeitsarbeit sowie Mitglied des Lenkungskommittees der Angestelltengewerkschaft SEMOT, in Tiquisate (Departement Escuintla), ermordet.

Einer Mitteilung der Gewerkschaft der Indígenas und Landarbeiter*innen Guatemalas MSICG (Movimiento Sindical Indígena y Campesino de Guatemala) zufolge befand Villatoro sich mit seinem Motorrad auf dem Heimweg, als er gegen 15 Uhr auf der Höhe Callejón Barriles, Zone 2 der Ortschaft Tiquisate angegriffen wurde. Die Mörder waren ihm ebenfalls auf Motorrädern gefolgt und feuerten eine Reihe von Schüssen auf ihn ab. Der Verletzte versuchte zu entkommen, daraufhin verringerten die Angreifer aufs Neue die Distanz und erschossen den Gewerkschaftsführer.

Laut Aussage der Gewerkschaft MSICG befindet sich die SEMOT seit fast einem Jahr im Widerstand: Mit Gründung der Gewerkschaft hatte die Gemeindeverwaltung von Tiquisate ihren Angestellten keine Löhne mehr gezahlt. Mit Hilfe der Gewerkschaft hatten diese begonnen, die Bezahlung gerichtlich einzuklagen.

Die Behörden wiederum begannen ihrerseits, sich sämtlicher Gewerkschaftsmitglieder mit dem Argument einer angeblichen Vertragsverletzung zu entledigen, auf die bis zum Zeitpunkt ihrer Entlassung niemals hingewiesen worden war.

Beim Arbeits- und Sozialgericht Erster Instanz in Escuintla hat es trotz der offensichtlichen Rechtsverletzung seitens der Kommune noch keine Entscheidung gegeben. Die Stadtväter äußerten sogar mit unverhohlenem Spott, es gäbe für alles eine gerichtliche Einigung.

Wie der MSICG verlauten ließ, hatte der Bürgermeister inzwischen auch Mitarbeiter*innen, die nicht gewerkschaftlich organisiert waren, entlassen und behauptet, verantwortlich dafür sei der Gewerkschaftsbund – um auf diese Weise Stimmung gegen SEMOT zu machen.

Der MSICG verurteilte die Ermordung des Gewerkschafters Villatoro Cardona und drückte den Angehörigen des Verstorbenen seine Solidarität aus. Ferner forderte er den Innenminister auf, das Verbrechen schnellstens aufzuklären und die Mörder sowie die Hintermänner zu fassen.

Der Innenminister dürfe die Hintergründe des Arbeitskonflikts und die anti-gewerkschaftlichen Aktivitäten der Gemeindeverwaltung von Tiquisate nicht allzu eilfertig außer Acht lassen. Schließlich sei es die Pflicht der Sicherheitskräfte, das Leben und die körperliche Unversehrtheit der Gewerkschaftsführer*innen zu garantieren.

CC BY-SA 4.0 Führendes Gewerkschaftsmitglied der SEMOT Eliseo Villatoro Cardona ermordet von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Gewerkschaften von Izabal fordern Ende der Angriffe von José Fredy López (Guatemala-Stadt, 17. Januar 2013, cerigua).- Verschiedene Gewerkschaften der nordguatemaltekischen Provinz Izabal verlangten von den Behörden eine Untersuchung, nachdem Anfang Januar zwei Angriffe auf führende Gewerkschaftsmitglieder verübt worden sind. Dabei war der Generalsekretär der Taxifahrer-Innung von Izabal, Mayro Rodolfo Juárez, ermordet worden. Außerdem wurde die Generalsekretärin der Gewerkschaft der städtischen Angestellten von Puerto Barrio...
Ölpalme breitet sich aus und schadet der Umwelt (Guatemala-Stadt, 11. Juni 2015, cerigua/poonal).- In Guatemala befindet sich der Anbau der Ölpalme auf dem Vormarsch. In einer Erklärung des Bündnisses von Nichtregierungsorganisationen und Kooperativen CONGCOOP heißt es, die Ölpalmen schadeten nicht nur Campesinos und Indigenen, sondern es handele sich um ein Problem für das ganze Land. Die Umwelt werde zerstört, und die ohnehin geringe Lebensqualität sinke weiter. Große Flächen für Nahrungsmittelanbau gehen verloren Der...
Migrantinnen aus Lateinamerika für die Rechte von Flüchtlingsfrauen in Deutschland Empowerment für geflüchtete Frauen, Hilfe zur Selbsthilfe, über ihre Rechte informiert werden und lernen diese einzufordern: das macht Women in Exile. Die Organisation wurde 2002 von Flüchtlingsfrauen in Brandenburg gegründet. Seitdem gehen sie regelmäßig in die Lager und Sammelunterkünfte und sprechen mit den dort lebenden Frauen über ihre Lebensbedingungen, aber auch über ihre Geschichten, Gefühle und das, was sie bewegt. Vor allem in den letzten zwei Jahren hat Women in Ex...
„Die derzeitige FSLN ist nicht sandinistisch” – Interview mit María López Vigil Von Paolo MoiolaDie Autorin und Journalistin Maria Vigil / Foto: Noticias Aliadas(Lima, 24. November 2016, noticias aliadas).- Die aus Kuba stammende Theologin, Autorin und Journalistin María López Vigil kam vor 35 Jahren nach Nicaragua. Sie ist Redaktionsleiterin der monatlich erscheinenden Zeitschrift Envío. Das Magazin für Analyse wird seit 1981 von der Universidad Centroamericana (UCA) in Managua herausgebracht. López Vigil hat mehrere theologische Schriften verf...
Karawane der Mütter ist Brücke der Hoffnung: Wiedersehen zweier Schwestern nach 37 Jahren Wiedersehen nach 37 Jahren durch die Karawane der Mütter / Foto: Ivan Sah, avc-noticias bei desinformemonos.org(Mexiko-Stadt, 21. November 2016, desinformemonos).- Aida Amalia wartet in einer Taquería, einem Imbiss, am Busbahnhof in Córdoba. Ihre Tochter Viviana Guadalupe Rodríguez Chang aus Puebla hat die 53-Jährige zu einem Treffen mit dem Koordinator der Mesoamerikanischen Migrantenbewegung (Movimiento Migrante Mesoamericano), Rubén Figueroa, hier her gebracht. Von ih...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.