Augusto Pinochet
Augusto Pinochet war von 1973 bis 1990 Militärdiktator in Chile, nachdem er den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende mit Unterstützung der USA stürzte. Seine Diktatur war geprägt von systematischen Menschenrechtsverletzungen, darunter Folter, Verschwindenlassen, politische Morde und Exil. Deutsche Diplomaten und Behörden ignorierten oder relativierten über Jahre entsprechende Berichte aus der deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad, die dem chilenischen Geheimdienst als Folter- und Haftzentrum diente. Pinochet führte ein radikal neoliberales Wirtschaftsmodell ein, das soziale Ungleichheit vertiefte und als Blaupause für den heute weltweit dominanten Neoliberalismus gilt. Trotz des Übergangs zur Demokratie blieb sein politisches Erbe wirksam: Teile der von ihm geprägten Verfassung und Institutionen wirken fort. Eine Überwindung dieses Erbes scheiterte Ende 2022, als die Chilen*innen in einem Referendum einen progressiven Verfassungsentwurf ablehnten. Rechte und ultrarechte Parteien sowie Politiker wie José Antonio Kast beziehen sich bis heute positiv oder relativierend auf Pinochets Herrschaft, was die gesellschaftliche Aufarbeitung erschwert.
Augusto Pinochet von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.