Widerstand gegen bolivianisch-chilenische Übereinkunft über Silala-Quelle

(La Paz, 19. März 2010, bolpress).- Einem Abkommen mit der chilenischen Regierung über die Nutzung des Silala-Wassers dürfe keinesfalls zugestimmt werden. Mit dieser Position erklärten die Teilnehmenden des am 18. März in La Paz abgehaltenen „Landesweiten Treffens zur Verteidigung des Silala-Wassers“ ihre oppositionelle Haltung zu Vorschlägen aus dem bolivianischen Außenministerium.

An der Zusammenkunft, die von der Nationalen Union zur Verteidigung der natürlichen Rohstoffe (Unión Nacional de Defensores de los Recursos Naturales) organisiert wurde, nahmen neben Vertreter*innen des Komitees zur Verteidigung des nationalen Kulturerbes CODEPANAL (Comité de Defensa del Patrimonio Nacional) auch soziale Verbände aus El Alto, Vertreter*innen der Gruppe „10 de noviembre“ aus Potosí, Einwohner*innen aus Quetena, geladene Gäste und zahlreiche interessierte Student*innen und Dozent*innen teil.

Der Ingenieur Germán Mattos, der das geplante Projekt in rechtlicher und technischer Hinsicht untersucht hatte, erklärte, das Abkommen über die Wasserlieferung verstoße eindeutig gegen die neue politische Verfassung des Staates. Mit einem Hinweis auf historische Quellen, in denen die chilenische Regierung und ein britisches Unternehmen um die Nutzung das Wassers ersuchten, hatte Mattos außerdem dargelegt, die These, es handele sich bei den Silala-Quellen um einen „internationalen Fluss“, sei völlig absurd.

Hierfür führte er das von der Präfektur von Potosí am 23. September 1908 unterzeichnete Schriftstück „Konzession zur Nutzung der Quellen des Siloli“ sowie Studien von englischen Expert*innen zu Beginn des 20. Jahrhunderts an. Die Dokumente von damals zeigten deutlich, dass zunächst umfangreiche Arbeiten zur Wassergewinnung und zum Transport des Wassers nötig gewesen seien, um es für den Betrieb der Eisenbahn einsetzen zu können: In dem Schriftstück aus dem Jahre 1908 erklärt das englische Unternehmen, dass diese Arbeiten ausgeführt werden müssten, um das Wasser der Silala-Quellen zu nutzen: „Das Unternehmen verpflichtet sich, nach Abschluss dieser Arbeiten ein Drittel des gewonnenen Wassers für die öffentliche Nutzung bereitzustellen.“ Weiter heißt es dort: „Die geplanten Arbeiten sind notwendig, um das Wasser nutzbar zu machen, das sich derzeit dem sinnvollen Gebrauch entzieht“. Auch der englische Fachmann Robert H. Fox habe im Jahr 1922 in der wissenschaftlichen Zeitschrift Südafrikas (Ausgabe 19, S. 120-131) sämtliche verfahrenstechnischen Schritte für die Nutzung des Wassers aus den Quellen von Siloli, Polapi und Palpana detailliert ausgeführt, so Mattos.

Weder in den Südamerika-Karten des Geografen Cano aus dem Jahre 1775, die Vicente Cañete y Domínguez 1779 im Bezirk Lípez und Atacama veröffentlichte, noch in der ersten Karte der bolivianischen Republik, die 1859 unter der Präsidentschaft von José María Linares veröffentlicht wurde, werde überhaupt ein Fluss erwähnt, erklärte Ingienieur Mattos weiter. Mit ihrer an die Präfektur von Potosi gerichteten Bitte um eine Konzession zur Nutzung des Wassers hätten die chilenische Regierung und das englische Unternehmen schon damals die Zugehörigkeit der Silala-Quellen zum bolivianischen Staat explizit anerkannt, so die Mitglieder der Nationalen Union zur Verteidigung der natürlichen Ressourcen.

Damit widersprechen die Mitglieder der Nationalen Union zur Verteidigung der natürlichen Ressourcen deutlich der Position der heutigen chilenischen Regierung. Diese argumentiert, dass der Silala nach Chile durchfließe und nur der Staudamm Misicunis (Cochabamba) seinen Fluss aufhalten könne. Diese Ansicht der chilenischen Seite teilen derzeit auch einige Mitglieder der bolivianischen Regierung.

Der politische Kommentator Justo Zapata brachte noch einen weiteren Aspekt ein und versicherte, das Wasser sei nicht, wie in dem zwischen der Präfektur von Potosí und dem Unternehmen “The Antofagasta (Chili) and Bolivia Railway Limited Co” im Jahr 1908 geschlossenen Lizenzabkommen behauptet, für den Betrieb von Lokomotiven genutzt worden. Vielmehr habe man das Wasser seit dieser Zeit überwiegend für die Kupferminen verwendet.

Das Treffen in La Paz diente außerdem der Vorbereitung eines Marschs bolivianischer Bürger*innen in den Südosten Potosís mit dem Ziel, durch ihre Präsenz die Souveränität über die Region zu unterstreichen. Außerdem wollen sie sich vor Ort die Bauten der chilenischen Firmen aus dem Jahre 1908 ansehen, mit deren Hilfe das Nachbarland seit nunmehr über hundert Jahren das Silala-Wasser nutzt.

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