Wo Dürrekatastrophen am meisten Schaden anrichten

Dürre
Wasser. Foto: Dnalor via wikimedia
CC BY-SA 3.0 AT
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(Montevideo, 17. September 2025, la diaria).- Wie sieht es in den unterschiedlichen Regionen Lateinamerikas mit der Anfälligkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürren aus? Einer kürzlich erschienen Studie zufolge zählt Uruguay zu den Ländern des Kontinents, die am schlechtesten auf intensive und anhaltende Wasserknappheit vorbereitet sind, da es über keinen „Dürreplan” verfügt und ein Großteil der landwirtschaftlichen Flächen nicht über Bewässerungssysteme verfügt.

Bessere Vorbereitung ist unerlässlich

Nachdem das Projekt Neptuno verworfen wurde, bei dem zur Versorgung des Großraums Montevideo Wasser aus dem Río de la Plata entnommen und aufbereitet werden sollte, treibt Uruguay den Bau eines Staudamms in Casupá, Canelones, voran. Parallel dazu wurde im Präsidialamt die Interministerielle Exekutivkommission für Bewässerungsfragen eingerichtet, an der die Ministerien für Viehzucht, Umwelt, Wirtschaft und Industrie beteiligt sind. Die Kommission soll prüfen, wie eine Bewässerungspolitik zur Stützung der landwirtschaftlichen Produktion umgesetzt werden kann. Sie wird dabei von der Nationalen Entwicklungsgesellschaft unterstützt. Beide Initiativen zielen unter anderem darauf ab, schwerwiegende Probleme zu beheben, die nach der großen Dürre, die bis Mitte 2023 andauerte, auftraten, darunter die Unfähigkeit der Behörden, die Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen, oder die großen wirtschaftlichen Verluste in der landwirtschaftlichen Produktion, die der Wassermangel hervorgerufen hatte. Da der Klimawandel mit der Zunahme extremer Wetterereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen einhergeht, ist es unerlässlich, sich besser auf solche Ereignisse vorzubereiten. In ihrem Artikel „Anfälligkeit für Dürren in Südamerika” analysieren die Forscherinnen Emma Silverman von der Fakultät für Naturressourcen und Umwelt der Universität von Florida, USA, und Johanna Engström vom Fachbereich Geografie, wie stark die Länder unseres Kontinents von Dürren betroffen sind, wie empfindlich sie auf deren Auswirkungen reagieren und wie gut sie darauf vorbereitet sind. Ecuador, Kolumbien und Uruguay schnitten in dieser Bewertung am schlechtesten ab. Aber warum sind gerade diese Länder so anfällig für Dürren?

Dürreprobleme auf dem feuchtesten Kontinent der Erde

Dürren zählen weltweit zu den tödlichsten und wirtschaftlich kostspieligsten Klimarisiken“, heißt es zu Beginn des Artikels von Silverman und Engström. „ Mit seinen ausgedehnten Regenwäldern und Feuchtgebieten, die etwa 20 Prozent der Gesamtfläche ausmachen, ist Südamerika der feuchteste Kontinent der Erde“, und doch leide er immer wieder unter teils schwerwiegenden Dürren. Wer zwischen 2022 und 2023 in Uruguay gelebt hat, braucht keine langen Erklärungen, was „schwerwiegend“ bedeutet. Der Artikel liefert dennoch einige Beispiele: „Die schweren Dürren im Sommer und Herbst 2001 führten in Brasilien zu schweren Leistungsverlusten der Wasserkraftwerke, so dass die nationale Regierung Energiesparmaßnahmen verhängte.“ „In den Sommermonaten 2008 und 2009 ging die Produktion der Wasserkraftwerke in Uruguay um 20 Prozent zurück – für ein Land, dessen nationalen Energieversorgung zu 80 Prozent an den Wasserkraftwerken hängt, ein schwerer Schlag.“ In Argentinien reduzierte sich aufgrund der Wasserknappheit die Getreideproduktion um 39 Prozent, und es gab schwere Verluste beimWeidevieh: 1,5 Millionen Weidetiere starben.“ „In Chile begann 2010 die schlimmste Dürre seit 1.000 Jahren. Das Niederschlagsdefizit wird auf 20 bis 70 Prozent geschätzt, durch die steigenden Temperaturen sind die Stauseen ausgetrocknet, sodass 2020 mehr als eine halbe Million Menschen in der Zentralregion Chiles auf Wassertransporte mit Tanklastwagen angewiesen waren.“

Ein Großteil des Amazonasgebiets steuert auf einen Wendepunkt hin

Ein relativ hoher Prozentsatz der Bevölkerung Südamerikas ist in der Landwirtschaft tätig. Ausgedehnte Dürren beeinträchtigen neben der Ernährungssouveränität auch die Wirtschaft jedes Landes, denn für die Erzeugung und damit den Export von Rohstoffen ist entscheidend, dass die Böden nicht austrocknen. Natürlich ist der Klimawandel nicht die einzige Ursache der Dürren und Überschwemmungen, mit denen der Kontinent zu kämpfen hat. Die hydrologischen Extreme in Südamerika würden in vielen Forschungsarbeiten auch mit der natürlichen Variabilität der Meeresoberflächentemperaturen im Pazifik in Verbindung gebracht, so die Autorinnen. Es sei auch zweifelhaft, ob letzte große Dürre, die Uruguay und Argentinien heimgesucht hat, wirklich durch den Klimawandel verursacht wurde, wobei die damit einhergehenden hohen Temperaturen zweifellos das Ihrige getan haben, um die ihre Auswirkungen zu verschlimmern. Maßnahmen wie Entwaldung und Brandrodung erhöhen das Risiko künftiger Dürren. Ein Großteil des Amazonasgebiets steuere auf einen Wendepunkt hin zu einem trockeneren und waldlosen Ökosystem zu, so ihre Befürchtung. Für diejenigen, die den Wasserhahn aufdrehen und kein Trinkwasser bekommen, ihre Felder nicht bewässern können und ihr Vieh verdursten sehen, spielt es jedenfalls keine Rolle, ob die Dürre auf den Klimawandel oder auf natürliche Schwankungen zurückzuführen ist. In jedem Fall kommt es daraus an, besser vorbereitet zu sein. Und weil es an einer umfangreichen Studie zu den Folgen ausgedehnter Dürren auf die lateinamerikanischen Regionen fehlt, krempelten die beiden Forscherinnen die Ärmel hoch und sammelten relevante Daten, vor allem aus der Aquastat-Datenbank, dem „globalen Informationssystem für Wasserressourcen und -management der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO).

Bewertung der Länder

Um zu einer aussagekräftigen Bewertung zu kommen. wählten Silverman und Engström aus der Vielzahl unterschiedlicher Daten 16 Variablen, die sie in drei Schwerpunktaspekte einteilten: Exposition, Sensibilität und Anpassungsfähigkeit. Für jeden erstellten sie dann einen Indikator, der die Anfälligkeit jedes Landes für Dürren ermittelt.

Exposition“ bezeichnet „das Ausmaß, in dem ein System oder eine Bevölkerung der Gefahr oder dem Stressfaktor ausgesetzt ist“, in diesem Fall Dürren. Zu diesem Zweck analysierten sie Indikatoren im Zusammenhang mit dem Druck der Wasserknappheit (ein Indikator, der „das für alle wirtschaftlichen Aktivitäten verwendete Süßwasser als Prozentsatz der jährlichen erneuerbaren Süßwasserressourcen” einbezieht), der Bevölkerungsdichte und den gesamten erneuerbaren Wasserressourcen pro Kopf (ein Indikator, der „die Menge der erneuerbaren Wasserressourcen pro Einwohner und Jahr misst”).

Sensibilität“ bezieht sich auf „das Ausmaß, in dem Menschen betroffen sind“, wobei die wirtschaftlichen Lage und jedes Landes einbezogen wird. Dazu berücksichtigten sie acht Indikatoren: 1. den Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (BIP), denn je mehr ein Land für sein BIP von der Landwirtschaft abhängig ist, desto empfindlicher reagiert seine Wirtschaft auf die Auswirkungen der Dürre, 2, die Viehdichte, wobei große Viehherden ein Land aufgrund der möglichen Auswirkungen auf die Nahrungsmittel- und Wasserproduktion für das Vieh anfällig für Dürren machen, 3. die Staudammkapazität pro Kopf (ein Indikator, der die gesamte kumulierte Speicherkapazität aller Staudämme eines Landes pro Kopf misst (je größer die Wasserspeicherkapazität ist, desto geringer die Anfälligkeit für Dürren), 4. der Index der menschlichen Entwicklung der vereinten Nationen, 5. die Prävalenz unterernährter Bevölkerungsgruppen, 6. den Zugang zu sicherem Trinkwasser, 7. den Anteil der Stromerzeugung aus Wasserkraft und 8. die Bedeutung von Süßwasserfischen als Nahrungsquelle in jedem Land.

Als „Anpassungsfähigkeit“ bezeichnen die Autorinnen das „Maß für die Fähigkeit eines Landes, sich auf die negativen Auswirkungen von Dürren vorzubereiten oder darauf zu reagieren“. Dazu berücksichtigten sie drei Indikatoren: den Anteil der bewässerten Anbaufläche (mit dem Hinweis, dass „Länder mit einem höheren Anteil an bewässerten landwirtschaftlichen Flächen besser auf Dürren vorbereitet sind“), die durch Entsalzung gewonnene Wassermenge (da Entsalzung als „dürresichere Trinkwasserquelle“ gilt) und das Pro-Kopf-BIP (denn je höher dieses ist, desto mehr Möglichkeiten hat die Wirtschaft und desto „mehr Geld kann in Infrastruktur zur Milderung von Dürren, in Bewässerung, Entsalzung und Staudämme investiert werden”) sowie die Frage, ob Dürrepläne in den Ländern vorliegen (mit dem Hinweis, dass „ein festgelegtes Protokoll für Dürresituationen darauf hindeutet, dass ein Land sich auf Dürrebedingungen vorbereitet hat”). Auf der Grundlage der Ergebnisse erstellten Silverman und Engström einen Index der Anfälligkeit für Dürren für jedes Land und stellten fest, dass zwischen Exposition, Sensibilität und Anfälligkeit eine Verbindung besteht, das heißt: Je geringer die Abwehrkräfte und die Exposition, desto anfälliger ist ein Land. Je besser ein Land jedoch in der Lage ist, sich vorzubereiten, desto weniger anfällig ist es.

Wie haben die einzelnen Länder abgeschnitten?

Die Untersuchung ergab, dass Ecuador, Argentina und Uruguay am stärksten durch Dürren gefährdet sind, während Bolivien, Surinam und Guyana die niedrigste Gefährdung aufweisen. Und tatsächlich lässt sich auf der Karte ein geografisches Muster erkennen. „Besonders gefährdet sind der westliche und südliche Teil des Kontinents, während dagegen scheint die Situation im östlichen und zentralen Teil Lateinamerikas moderat. Die Länder mit der höchsten Empfindlichkeit gegenüber Dürren sind Paraguay, Ecuador und Kolumbien, die mit der geringsten Empfindlichkeit sind Surinam, Argentinien und Chile”. Uruguay bescheinigt die Studie eine moderater Anfälligkeit, einhergehend mit einer vergleichsweise geringen Anpassungsfähigkeit. „Die Länder mit der geringsten Anpassungsfähigkeit sind Paraguay, Bolivien und Uruguay“, heißt es in den Ergebnissen, während Peru, Chile und Venezuela die größte Anpassungsfähigkeit aufwiesen.

Ein erster Platz, den kein Land möchte

Die Analyse der drei Aspekte (Exposition, Sensibilität und Anpassungsfähigkeit) ergab: Die Länder mit der höchsten relativen Anfälligkeit sind Ecuador, Kolumbien und Uruguay. Die am wenigsten anfälligen Länder sind Chile, Surinam und Guyana. Um das Ergebnis zu anschaulicher zu machen, erstellten die Autorinnen eine farbige Landkarte, auf der Ecuador, Kolumbien und Argentinien vor Scham rot-violett zu erglühen scheinen. Und tatsächlich gibt es Grund, sich ein wenig zu schämen. Denn das ungünstige Resultat ist weniger der Klimavariabilität oder der Natur geschuldet, sondern der Nachlässigkeit und Ignoranz gegenüber dem Problem. „Uruguay ist ein interessantes Beispiel dafür, dass wirtschaftliche Stärke zwar die Anfälligkeit ein Landes beeinflusst kann, aber nicht automatisch vor den Folgen schwerer Dürren schützt”, heißt es in der Studie. „Uruguay hat das höchste Pro-Kopf-BIP Südamerikas und zählt trotzdem zu den drei anfälligsten Staaten des Kontinents.“ Doch, so heißt es in der Auswertung weiter, trotz seiner hohen Gefährdung zählt Uruguay zu den am schlechtesten auf Dürren vorbereiteten Ländern des Kontinents. Es ist eins der drei Länder des Kontinents, die keinen Präventionsplan gegen Dürren ausgearbeitet haben, und nur sehr wenige landwirtschaftliche Flächen in Uruguay sind mit Bewässerungssystemen ausgestattet. Ein konsequent umgesetzter Bewässerungsplan, der die Verfügbarkeit von Süßwasser für alle notwendigen Verwendungszwecke beibehält und die exorbitante Vermehrung von Cyanobakterien in unseren landwirtschaftlichen Stauseen nicht weiter befeuert, könnte das Land dieser unfreiwilligen Spitzenposition entheben. Die Erhöhung der Wasserspeicherkapazität würde den Sensitivitätsaspekt verbessern, denn wie gesagt: je größer die Wasserspeicherkapazität, desto weniger geringer die Anfälligkeit für Dürren. Eine weitere hilfreiche Maßnahme wäre ein Plan zur Meerwasserentsalzung. Das heißt, Wasser aus dem Río de la Plata zu entnehmen, um das Land vor Dürren zu schützen, ist an sich eine gute Idee, solange wir die notwendigen Investitionen tätigen, um das Salz zu entfernen, was im Neptuno-Projekt nicht vorgesehen war, und wenn wir das Wasser für die Entsalzung nicht in einem Blaualgen-verseuchten Gebiet entnehmen, wie es beim Neptuno-Projekt der Fall war. Ein Präventionsplan gegen Dürren würde den Aspekt „Anpassungsfähigkeit” erheblich verbessern.

Letztendlich zeigen uns die Arbeiten von Emma Silverman und Johanna Engström, was wir bereits wissen: Das Land ist nicht optimal auf Dürren vorbereitet. Es wäre schön, wenn bei künftigen Bemühungen, dies zu ändern, die Empfehlungen der Wissenschaft berücksichtigt würden.

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