„Weg mit dem Wald, wir brauchen Ackerland“

Die Brände im Amazonasgebiet vom Weltall aus. Foto: Desinformémonos/ESA/NASA–L. Parmitano

(Berlin, 29. August 2019, poonal).- Die Bilder der gewaltigen Waldbrände im Amazonasgebiet gingen um die Welt. Insgesamt wurden über 79.000 Brände registriert. Die Zahl der Feuer und Brandrodungen in Brasilien hat im Vergleich zum Vorjahr um 82 Prozent zugenommen. Wir haben telefonisch mit unserem Brasilien-Korrespondenten Andreas Behn in Sao Paolo über die Katastrophe gesprochen.

Andreas, wie sind die Reaktionen der Bevölkerung auf die Brände im Amazonasgebiet?

Die Brände waren schon viele Tage am Lodern, aber das war kaum Thema – bis es dann in Sao Paolo diesen Regen gab, der wirklich grauschwarz war und überall schwarzen Staub hinterließ. Als dann die Reaktionen aus Europa kamen, gab es Demos in fast allen Städten. Am 23., 24. und 25. August sind tausende von Menschen auf die Straße gegangen, vor allem in Rio de Janeiro und Sao Paolo. Ich glaube, ohne diese Reaktionen aus Europa, auch im Kontext des G7-Treffens, wäre das nicht zu so einem großen Thema geworden.

Man muss auch sagen, über die Demos wird zwar an einigen Stellen berichtet, oft aber eben auch nicht und internationale Medien richten sich oft nach den hiesigen Medien. Und wenn hier über die Demos nicht so viel berichtet wird, dann kommt das auch im Ausland nicht. Es ist weiterhin so, dass die Medien hier ein Monopol und auch einen großen Einfluss auf die Meinungsbildung haben.

Gab es neben diesem Regen noch weitere Auswirkungen in Sao Paolo?

Am 19. August ist es gegen 15.30 Uhr stockfinster geworden; es war aber auch ein sehr starkes Gewitter im Anzug. Später wurde dann festgestellt, dass die Asche von den Bränden in höheren Luftschichten über die Stadt zog, die 3.000 Kilometer weit weg ist. Anderseits gab es Fernsehbilder über ein Fußballspiel der dritten Liga irgendwo im Amazonasgebiet, wo sich die Schiedsrichterin gezwungen sah, das Spiel abzubrechen, weil das kleine Stadion völlig verraucht war. Die Fußballspieler mussten später medizinisch behandelt werden.

Kannst Du noch etwas zu den Protesten sagen?

Es gibt schon viel Protest auf den Straßen, spätestens seit die Bilder von den Feuern in den Medien kamen. Man muss aber auch sagen, dass ähnlich wie in den USA ein Drittel der Bevölkerung hinter Bolsonaro steht, während ein anderes Drittel öffentlich entsetzt ist darüber, was er macht und über die Richtung, die dieses Land nimmt. Die Regierung sitzt relativ sicher im Sattel, weil es eben auch ein Drittel in der Mitte gibt, das sich nicht so richtig dafür interessiert.

Wo siehst Du die Ursachen für die Brände?

Ein Mitgrund ist wahrscheinlich,, dass es Anfang August einen Aktionstag von Großgrundbesitzern und auch Kleingrundbesitzern gab, um Feuer zu legen. Das wurde ganz öffentlich in WhatsApp-Gruppen diskutiert und dazu aufgerufen. Das ist natürlich nur deswegen möglich, weil die Regierung Bolsonaro eine Stimmung schafft, in der sich die Leute ermutigt fühlen, sich überhaupt nicht mehr mit Umweltschutz zu beschäftigen und sich auch nicht mehr dafür interessieren, ob es kriminell ist oder nicht, wenn sie Brände legen. Das Ziel ist natürlich immer: Weg mit dem Wald, wir brauchen Ackerland!

Obwohl bekannt ist, dass der Amazonas wichtig für das Weltklima ist?

Viele haben das Gefühl, das Amazonasgebiet ist ja riesig, das ist so groß wie Europa; da kann man vielleicht sagen, da macht ja ein bisschen was nichts aus. Aber das Gebiet nimmt rapide ab und das Absurde an Bolsonaros Politik ist, dass er immer behauptet, es gehe darum, das Gebiet wirtschaftlich zu erschließen und das habe überhaupt keinen Einfluss auf das ökologische Gleichgewicht. Dabei ist schon längst klar, dass sich der Wasserhaushalt in Brasilien und auch der Niederschlag verändern. Das sind wirklich klimatische Veränderungen, die in unmittelbarer Nähe des Amazonasgebiets festzustellen sind.

CC BY-SA 4.0 „Weg mit dem Wald, wir brauchen Ackerland“ von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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