Über Strategien zur Verringerung ländlicher Armut

Foto: Desinformémonos

(Mexiko-Stadt, 3. April 2019, desinformémonos/nodal).- Der jüngste Bericht der Vereinten Nationen über ländliche Armut in Lateinamerika und der Karibik zeigt, dass die Länder dieser Regionen im Kampf gegen die Armut im ländlichen Raum mit einem historischen Rückschlag konfrontiert sind. Bisher gibt es noch keine effizienten Strategien, um die Armut in der Region zu reduzieren.

Peru ist eines der Länder, das in den letzten 15 Jahren ein bescheidenes, an den Rohstoffboom geknüpftes Wachstum erfahren hat. Sein wirtschaftliches Wachstum war von 2004-2012 stark und verlangsamte sich dann. Die jährlichen Wachstumsraten des Landes sanken von sechs Prozent auf zwei bis drei Prozent. Damit liegt Peru im lateinamerikanischen Trend.

Wenn das Wachstum fünf Prozent überschreitet, spüren auch die ländlichen Sektoren die positiven Auswirkungen, da sich die Armut reduziert. Aber wenn die Wachstumsrate unterhalb von drei bis vier Prozent liegt, dann stagniert die ländliche Armut aufgrund von fehlenden Politiken und Strategien – so, wie es jetzt gerade der Fall ist. Man kann jedoch nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Länder der Region schlüssige Strategien hatten, um die Armut auf dem Land zu mindern.

Dass sich die Armut verringerte, lag vor allem an makroökonomischen Wachstumsfaktoren. Es wurden zwar soziale Programme zur Linderung der Armut eingesetzt, aber diese sind überhaupt nicht ausreichend, um den Ursprung des Problems zu bekämpfen. Peru hat keine spezifischen und kohärente Strategien gehabt: 40 Prozent der ländlichen Bevölkerung sind von Armut betroffen und weitere 40 Prozent befinden sich in einer prekären Lage. Zu jeder Zeit kann jeder wirtschaftlicher Schock oder jede Naturkatastrophe die Landwirt*innen schwächen.

Die Situation in Lateinamerika

Diese ländliche Armut ist allen Ländern Lateinamerikas gemeinsam, da die Agrarsektoren überall verstreut liegen, mit hohen Transportkosten verbunden und abhängig von Naturressourcen sowie Risiken ausgesetzt sind, weshalb sie wenig Kapital anziehen. In diesen Ländern konzentriert sich ein Großteil der Investitionen auf die urbanen Zonen und nur sehr wenige auf die ländlichen Zonen. Dieses Ungleichgewicht sorgt dafür, dass die Produktivität und das Einkommen in ländlichen Zonen deutlich geringer sind als die in den Städten.

20 Prozent der Bevölkerung leben im ländlichen Raum, erbringen jedoch nur fünf bis sechs Prozent der Produktion. Dieses Maß an Ungleichheit gefährdet die politische und gesellschaftliche Stabilität. Das Problem hat auch eine ethische Dimension: eine Person, die auf dem Land geboren wird, ist mit dreimal größerer Wahrscheinlichkeit von Armut betroffen, als eine Person, die in der Stadt geboren wird. Andererseits hemmt die fehlende Entwicklung der ländlichen Räume die Entwicklungsmöglichkeiten aller Gegenden.

Soziale Hilfen wichtig, aber nicht ausreichend

Die Sozialpolitiken allein sind nicht ausreichend, um diese Probleme zu lösen. Diese soziale Hilfsleistungen sind wichtig und müssen beibehalten werden, aber sie sind lindern nur die Symptome und verändern die ländliche Gesellschaft nicht. Die Entwicklung des ländlichen Raumes muss Teil der öffentlichen Maßnahmen werden. Private Finanzierungsmittel gehen dahin, wo die Rentabilität am höchsten ist – also in die Städte. Um mit öffentlichen Politiken einzugreifen, ist es oft nötig, der natürlichen Schieflage des Marktes entgegenzuwirken, indem die Ressourcen auf die ländlichen Räume konzentriert werden. Das ist strategisch wichtig für die Stabilität und das langfristige Wachstum eines Unternehmens.

Es muss ein Strategie entwickelt werden, um Investitionen in ländliche Räume in die mittelgroßen Städte zu locken, in Entwicklungszentren mit einer breiten Interaktion mit den ländlichen Räumen. Dies wurde lang Zeit nicht gemacht, weil es anscheinend gegen neoliberale Prinzipien geht, die den Finanzsektor und Steuerparadiese bevorzugen. Wir brauchen einen Staat mit einem Entwicklungsprojekt, dass die Stadt nicht vom Land trennt. Für eine effektive Entwicklung werden starke mittelgroße Städte benötigt, die eine Nachfrage nach Investitionen auf dem Land erzeugen, sowie eine Dynamik, die erlaubt, dass ein zukünftiges Wachstum sich mehr auf das ganze Land konzentriert. Wenn das Problem der ländlichen Armut angegangen werden soll, ist es notwendig, Entwicklungspolitiken im ländlichen Raum anzuwenden, die eine wichtige Rolle dabei spielen, öffentliche und private Investor*innen in die mittelgroßen Städte zu ziehen.

Außerdem ist ein institutioneller Wandel nötig. In vielen Ländern Lateinamerikas sind die Zentralisierungsprozesse schlecht gemanagt worden und haben wenig Erfolg gehabt. Die lokalen Regierungen sind weiterhin schwach und desorganisiert und die nationalen Regierungen zeigen wenig Enthusiasmus, wenn es darum geht, den regionalen Regierungen mehr Macht zu geben. Es gibt kein dezentralisiertes Regierungsmodell.

Peru gilt häufig als ein aufstrebendes Land, doch die Armut auf dem Land ist weiterhin massiv. Wir müssen eine Umgestaltung des ländlichen Raumes denken, um das Maß an Armut zu reduzieren. In diesem Sinne brauchen Länder wie Peru immer noch viel Hilfestellung und Orientierung zur Entwicklung des ländlichen Raumes.

*Der Autor ist leitender Forscher der Analysegruppe für Entwicklung Grade (Grupo de Análisis para el Desarrollo)

CC BY-SA 4.0 Über Strategien zur Verringerung ländlicher Armut von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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Kommentare zu „Über Strategien zur Verringerung ländlicher Armut“;

  1. Traurig das so viele Menschen an der Armut grenze leben und manche Leute einfach viel zu viel haben, einfach ungerecht.

    Lg Margret

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