Klimawandel und Folgen für den Kaffeeanbau

Foto: Kooperative Santa Adelaida

(El Salvador, 26. März 2018, La Cortadora).- Die Roya de Cafe (Kaffee-Rost) ist eine immer wieder zyklisch auftretende Pilzkrankheit, die die Blätter der Kaffeepflanzen angreift und zu erheblichen Ernteverlusten in den letzten Jahren führte. Begünstigt durch den Klimawandel, dem Wetterereignis La Niña, dem Temperaturanstieg und damit verbundenem Starkregen und Winden, verbreiteten sich diese Royapilz-Sporen mit großer Geschwindigkeit in Mittelamerika und Mexiko.

Die Gesamternte in Mexico brach von ehemals 6.2 Millionen Sack im Jahr 1999/2000 auf 2.2 Millionen Sack im Jahr 2015/16 zusammen. Verstärkt wurde dies auch durch den Preisverfall und der damit einhergehenden Reduzierung von Anbauflächen von 762 Tausend Hektar auf 680 Tausend Hektar. Mexiko war einmal der größte Biokaffee-Anbieter auf dem Weltmarkt. Doch gerade der kleinbäuerliche und kooperative Bioanbau wurde infolge mangelnder Gegenmittel besonders heftig betroffen. Die Agrarbehörde SAGARPA reagierte nur langsam und forcierte zusammen mit der Kaffeefirma AMSA, die für Nestlé einkauft, den Anbau von resistenten Varietäten, wie Sarchimor und Marsellesa. Diese sind aber für den gehoben Markt nicht geeignet und treiben dadurch die Bäuer*innen in die Hände von AMSA und Nestlé und damit in den tiefpreisigen Markt. Die Kaffeebäuer*innen kommen dadurch nicht einmal auf die Investitionskosten. Laut der Zertifizierungsorganisation CERTIMEX wurden auch diverse Roya-Bekämpfungspakete verteilt, die aber nicht für den Bioanbau zugelassen sind. Einige Kooperativ-Verbände haben mit natürlichen Mitteln Erfolge erzielen können. CERTIMEX bietet entsprechende Kurse an. Die Kooperativen in Chiapas haben damit ihren Anbau zum Teil stabilisieren können.

Mehr Know-How in Sachen Anbautechnik und Agrarökologie

Kaffeepflanze mit Roya-Befall
Foto: Jan Braunholz

Die Hauptwelle der Roya geht jedoch weiter Richtung Norden und hat z.B. im Gebiet Cordoba/Veracruz komplette Ernten und Pflanzungen zerstört. In Oaxaca beginnt man bei der Kooperative Michiza Yeni Navan mit einer grundlegenden Renovierung der überalterten Kaffeepflanzungen. So werden in der Sierra Norte im Ort San Miguel Yotao und Tenatze mit Unterstützung eines Technikers der Universität UNAM Chapingo/Veracruz diverse neue Varietäten in unterschiedlichen Höhenlagen getestet. In der untersten heißen Zone wird nun verstärkt Kakao, Pfeffer und Zimt angebaut. Außerdem gibt es eine Regenwürmerzucht und eine verstärkte Düngung. Der Techniker von Chapingo meint, dass die Roya-Krise auch eine Chance für die Kaffeebauern sei, denn nun würden sie, statt den Kaffee nur zu pflücken, auch mehr über Anbautechnik und Agrarökologie lernen. Ähnliches sagte auch der Experte von CERTIMEX, denn im Bioanbau gibt es nur ein zugelassenes Spritzmittel: das vom Weinbau her bekannte Kupfersulfat auch Bordeaux-Brühe genannt. Oder eben natürliche Mittel und Mikroorganismen sowie teure Stabbakterien-Präparate.

Bei der Kooperative Cesmach in Jaltengo/Chiapas hat man mit natürlichen mitteln Erfolge erzielt. Ebenso bei den Kooperativen in San Fernando, Maya Vinic und Tzeltal-Tzotzil in den Altos von Chiapas. In den oft halb zapatistischen Gemeinden wurden auch neue Varietäten getestet, wovon zapatistische Kooperativen profitiert haben. Sie hatten besonders unter der Roya zu leiden, weil bekanntlicherweise alle staatlichen Hilfen abgelehnt werden. Auch wurde die Roya-Pest bei den Juntas de Buen Gobierno vor Jahren völlig falsch eingeschätzt und gesagt, sie würden das Problem einfach wegwischen – die Folge waren heftige Ernteverluste. Inzwischen hat sich aber auch hier die Situation verbessert und es wird dieses Jahr zu neuen Exporten und neuen Strukturen kommen. Einige Kooperativen haben es nicht geschafft und mussten schließen,wie z.B. J´Amtelitik.

Klimawandel und Agrarökologie waren auch Thema auf dem zapatistischen Kongress „Mit Wissenschaften/Bewusstsein für die Menschheit“ (ConCiencias por la Humanidad) in San Cristobal im Dezember 2017. Es gab diverse Vorträge von US-Wissenschaftler*innen, die über den Strukturwandel in der Lebensmittelproduktion und die Klimawandelfolgen für den mexikanischen Maisanbau referierten. Die Problematik und Folgen sind dieselben wie im Kaffeeanbau: sie sind eine der Hauptgründe für die immer größere Migration in die großen Städte und nach Nordamerika.

Auch El Salvador und Honduras sind betroffen

In El Salvador sind die Bio-Anbauer*innen ebenso hart betroffen. Es gab Ernterückgänge von 80-90 % und einige Kooperativen, wie z.B. Santa Adelaida, fingen wieder an zu spritzen und gaben dem Bioanbau die Schuld an dem Roya-Desaster. Auch die Hauptlieferkooperative Las Lajas für den Biokaffee La Cortadora ist betroffen. Ein Grund dafür sind die die überalterten Kaffeepflanzungen, die nun mühsam mit teuren Krediten renoviert werden müssen. Ein Hektar kostet ca. 6000 US-Dollar und die Verschuldung und das Risiko sind hoch. Selbst Oikokredit, eine alternativer Kreditgeber, lehnte die Förderung ab: die Aussichten seien zu schlecht. 20-25 Jahre wird es nach Aussagen von Las Lajas dauern, bis sie wieder die alte Exportrate von 25-30 Containern haben. Zur Zeit sind es nur 3-4. Immerhin wird seit 2013 renoviert und 292 Manzanas (1 Manzana=0,7 Hektar) wurden bis 2017 neu bepflanzt. Bei der Kooperative Acproa im Norden El Salvadors geht man einen anderen Weg. Sie wollen konventionell produzieren und setzen auf eine neue Kreuzung aus Sarchimor und Pacamara.

Kooperative Agasacare, Bocashi-Pilz-Produktion
Foto: La Cortadora

Die Nachbar-Kooperative Agasacare geht den anderen Weg Richtung Bioproduktion. Sie verarbeiten den Kaffee mit reduziertem Wasserverbrauch. Die Abwässer werden weitergenutzt für die Bocashi-Pilz-Produktion und bemühen sich um eine Finanzierung der Bio-Zertifizierung. Beide Kooperativen sind Teil des Redaprodare im Naturpark Montecristo, die seit Januar 2018 mit dem Naturpark Bayrischer Wald ein Partnerschaftsprojekt zur Borkenkäferbekämpfung haben. Auch eine Rösterei ist Teil davon und nimmt der Koopertive Agasacare einen Teil der Ernte ab. Sobald sie Bio-zertifiziert sind, können sie auch Teil des Cafe La Cortadora werden. Sehr erfolgversprechend ist auch das Projekt Bioamigo, das Biodünger und Pestizide mit deutscher Finanzierung und kubanischer Technik herstellt und vertreibt.

In Honduras wurde der Kaffeeanbau sehr stark gefördert und sie sind nun neben Peru einer der Hauptanbieter für Bio-Kaffee. Aber ausgerechnet bei der resistenten Sorte Lempira 90 macht sich im Bundesstaat Olancho seit Mitte 2017 eine Abart des Royapilzes breit. Die Anbauer*innen von Marcala, welches nahe El Salvadors liegt, sind gewarnt und bereiten sich auf Schlimmeres vor. Ein Teil des Cafe La Cortadora kommt von der dortigen Kooperative Combrifol.

Weiterführende Informationen findet ihr unter www.cafe-cortadora.de.

Hier findet ihr auch eine Audio-Slideshow über die Kaffeekooperative Yeni Navan in Oaxaca.

 

CC BY-SA 4.0 Klimawandel und Folgen für den Kaffeeanbau von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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2 Kommentare zu „Klimawandel und Folgen für den Kaffeeanbau

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