Guatemala: Die zerstörerische Kraft des Zementmonopols

Foto: Prensa Comunitaria

(Quetzaltenango, 23. Februar 2019, Prensa Comunitaria).- Seit über 20 Jahren arbeiten verschiedene Bergbauprojekte in den Gemeinden des Palajuj no`j-Tals in Quetzaltenango. Sie haben in diesen Jahren die Natur ausgebeutet und ohne die Bewohner*innen vorher zu befragen. Seit einigen Jahren kriminalisieren sie die Gemeindevorsteher*innen, welche ihrerseits nun die Umweltverschmutzung und die schlechten Vorgehensweisen dieser Unternehmen bei Gericht anzeigen.
Das Palajuj no`j-Tal – der Name bedeutet „Zwischen den 10 Weisheiten“ – ist ein ländliches Gebiet im Südwesten von Quetzaltenango. Hauptsächlich werden dort Mais für den Eigenbedarf, Gemüse und eine Vielzahl verschiedener Blumen angebaut, die die Versorgung der Gemeindemitglieder sichert. Vor über 20 Jahren fielen Bergbauunternehmen über diese Region her. Laut Rechtsanwalt Carlos Barrios gehörten diese zum Zementmonopol Cementos Progreso. Sie bauen Bimsstein, Kieselsteine und andere Bauprodukte ab. In den Gemeinden wurde nie eine vorherige Befragung durchgeführt und die Unternehmen haben Zerstörung und Probleme aller Art im Alltag der Bewohner*innen hinterlassen.

Wirtschaftliche Verluste, Krankheiten und Kriminalisierung durch die Zementindustrie

Mario Pérez ist Gemeindebürgermeister von Tierra Colorada Baja. Er erklärt uns, dass einige Berge bei den Abbauarbeiten zerstört wurden. Darüber hinaus wurde sein Haus mehrfach durch fehlgeleitete Wasserströme überschwemmt. Die Bewohner*innen haben die Bergbauunternehmern darauf aufmerksam gemacht, dass der Bau von Schluckbrunnen (die das überschüssige Wasser in der Erde versickern lassen, Anm.d.R.) notwendig sei. Aber diese übergingen den Hinweis. Das ist nur ein Problem, mit denen die Bewohner*innen zu kämpfen haben. Die ständige Verarbeitung der Erde zu Blöcken und Zement erzeugt große Mengen Staub. Don Mario berichtet, dass viele seiner Nachbar*innen deshalb unter Bindehautentzündung und viele Kinder unter Atemwegserkrankungen leiden.
Der friedfertige Widerstand der Gemeindeorganisation gegen die Bergbaugesellschaften führte dazu, dass die Unternehmen begannen, Gemeindevorsteher*innen zu kriminalisieren. Dieses Problem begann 2014; betroffen sind bisher drei Frauen und sieben Männer. Zu den Kriminalisierten gehört auch Don Marios Tochter, der schwerer Raub und unbefugter Zutritt zu Privatgelände vorgeworfen wurde. Doch der Prozess wurde aus Mangel an Beweisen eingestellt. Ein weiterer besorgniserregender Fall ist jener des Bürgermeisters von Tierra Colorada, Jorge Rojas, der wegen der Anschuldigung einer Unternehmensmitarbeiterin sieben Tage inhaftiert war. Auch ihm konnte keine Schuld nachgewiesen werden.

Die Gemeinden ergreifen rechtliche Schritte gegen die Bergbauunternehmen

Die Gemeindemitglieder waren erschöpft von den mehr als sechs erfolglosen Dialogen mit den Repräsentant*innen der Bergbauunternehmen und der Ministerien für Energie und Bergbau, Gesundheit und Landwirtschaft wie auch der Gemeinde Quetzaltenango und anderen offiziellen Einrichtungen. Sie beschlossen Klage gegen die Bergbauunternehmen einzureichen, die ohne vorherige Befragung der Anwohner*innen die Arbeit aufnahmen; mit Hilfe der Kommission für Transparenz und Integrität (Comisión de Transparencia y Probidad) des guatemaltekischen Nationalkongresses. Den Bergbauunternehmen wird folgendes vorgeworfen: illegaler Abbau natürlicher Ressourcen, industrielle Umweltverschmutzung, Nichteinhaltung des Forstplans und unbefugte, zweckentfremdete Landnutzung. Die Gemeinden fordern, dass die Staatsanwaltschaft die Minen genauso überprüft wie andere. Nur so kann man ihnen ihre Verbrechen zur Last legen. Zudem laufen Amparo-Prozesse, um den Bergbau zu beenden.

Die Klage wird von den 24 Vertreter*innen des Koordinierungsausschusses der Bürgermeister*innen der Gemeinden von Quetzaltenango und den umliegenden Nachbargemeinden des Palajuj No`j-Tals unterstützt. Sie hoffen, dass die Bergbauunternehmen für die materiellen Schäden an ihren Häuser aufkommen und die Schäden an der Natur beheben werden.

Übersetzung: Pia-Felicitas Hawle

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