Gran Chaco: Auch Südamerikas zweitgrößtes Waldgebiet in Gefahr

Das Südliche Kugelgürteltier kann sich zusammenrollen. Foto: Servindi/Fundación Vida Silvestre

(Lima, 22. August 2019, mongabay/servindi).- Der Gran Chaco erstreckt sich über Teile von Argentinien, Paraguay, Bolivien und Brasilien. Hier finden sich über 50 verschiedene Ökosysteme. Wie im Amazonasgebiet schreitet auch im Gran Chaco die Abholzung rasant voran. Jeden Monat geht eine Waldfläche von der 1,7-fachen Größe von Buenos Aires verloren. Gründe sind das kontinuierliche Vorrücken der Flächen für Agrarwirtschaft und Viehhaltung, die Jagd sowie der Klimawandel.

Mit einer Fläche von 1.140.000 Quadratkilometern hat der Gran Chaco die Größe Kolumbiens. Die Biodiversität ist erstaunlich, hier leben mehr große Säugetiere als im tropischen Regenwald, der weitaus mehr Aufmerksamkeit genießt. Der Trockenwald kann aufgrund der Wasserknappheit keine mit dem Amazonasgebiet vergleichbare Pracht entfalten. Sechs bis sieben Monate im Jahr fällt hier kein Regen.

Spezifische Kultur

Der überwiegende Anteil am Gran Chaco entfällt mit 60 Prozent auf Argentinien. 23 Prozent liegen auf dem Gebiet Paraguays, 13 Prozent auf jenem von Bolivien. Lediglich vier Prozent des Gran Chaco befinden sich in Brasilien. Grob werden drei Vegetationszonen unterschieden: feucht, halbtrocken, trocken. So reich wie Flora und Fauna ist die Kultur der teils indigenen Bewohner*innen. Sie unterscheidet sich von jener in den übrigen Landesteilen von Argentinien, Paraguay, Bolivien und Brasilien.

Jaguar vom Aussterben bedroht

Die Jagd hat die Tierbestände dezimiert. Vom Symboltier des Gran Chaco, dem Jaguar, sollen nur noch rund 20 Exemplare leben. Zusammen mit der Abholzung führt die Jagd den Gran Chaco an den Abgrund. In Argentinien ist die Entwaldung am schlimmsten. Vor allem der Boom bei transgenem Soja befeuert die Entwicklung, einheimische Pflanzen wurden ersetzt. Die Viehzucht dagegen nimmt mehr und mehr ab.

Neue Straßen erleichtern Zugang

All dies ist möglich, da sich die Zugangsmöglichkeiten verbessern. Für die Bewohner*innen an sich ein Vorteil, doch nimmt der Verkehr zu und Jäger von außerhalb fallen ein. Es mangelt an Kontrollen. Die Landbevölkerung muss zusehen, wie Eindringlinge auf einmal Zäune errichten und die traditionelle freie Nutzung des Waldes für Ziegen und Kühe zunichte machen. Teilweise verdrängen die neuen Landherren die Bewohner*innen auch einfach aus ihren Häusern. Und als ob all dies nicht schon genug wäre, sorgt der Klimawandel für zusätzliche Probleme. Der Gran Chaco ist Zyklen von Überschwemmungen und extremer Dürre zwar gewohnt, doch beschleunigt sich die Abfolge zusehends. In der Folge gehen weitere große Flächen an Wald verloren. Es muss dringend gehandelt werden.

Stark gekürzt. Originaltext von Rodolfo Chisleanschi, argentinischer Journalist, spezialisiert auf Umweltthemen.

CC BY-SA 4.0 Gran Chaco: Auch Südamerikas zweitgrößtes Waldgebiet in Gefahr von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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