Erneute Ölkatastrophe an der Küste

(Caracas, 14. September 2020, Servindi).- Am zweiten Septemberwochenende lenkten Bilder von dunklen Ölteppichen die Aufmerksamkeit auf die Küste im Nordosten Venezuelas. Nachdem lokale Fischer die Flecken im Meer des Bundesstaates Falcón entdeckt hatten, gestand die staatliche Ölgesellschaft Petróleos de Venezuela (PDVSA) den Vorfall ein und versicherte, sie habe bereits mit der Eindämmung des Schadens begonnen.

Ein Leck, dass vermutlich Mitte der Woche entstanden war, verursachte innerhalb von drei Tagen einen 260 Quadratkilometer großen Rohölteppich. Das Öl lief aus der Raffinerie El Palito aus und zog die Küsten der Nationalparks Carabobo und Morrocoy in Mitleidenschaft.

Umweltorganisation fordert Notfallplan

Neben der Feststellung des Vorfalls (mit mindestens zweitägiger Verspätung) beschränkte sich die Reaktion der Regierung Nicolás Maduro darauf sicherzustellen, dass die Ölförderung unverzüglich wieder aufgenommen wird. Unterdessen soll ein Umweltnotfallplan ausgearbeitet werden. Diesen hatte die Fundación Azul Ambientalistas mit Nachdruck gefordert. Die NGO betrachtet sich mit ihrer Arbeit generell in Opposition zur venezolanischen Regierung.

Der Unfall ist ein weiteres Symptom für die allgemeine Verschlechterung der Situation hinsichtlich der venezolanischen Ölindustrie. Die Umweltverschmutzungen durch die von der staatlichen Erdölgesellschaft PDVSA verwalteten Raffinerien nehmen spürbar zu. Zwischen 2010 und 2018 gab es in Venezuela mehr als 46.000 Giftunfälle. Seit den Einschränkungen zur Eindämmung von COVID-19 ab Mitte März in Südamerika haben sich bereits zwei Ölunfälle im Nordosten des Landes ereignet.

Extraktivistische Politik und Umweltverschmutzung

Im Juli dieses Jahres kam es zu einem Unfall in einer Raffinerie im Morrocoy-Nationalpark, der aufgrund seiner biologischen Vielfalt zu den wichtigsten Schutzgebieten zählt. Die Raffinerie, die für die aktuelle Ölpest verantwortlich ist, gehört zu einem Komplex, der bereits schon einmal Gegenstand einer Untersuchung durch die Nationalversammlung war. In dieser besitzt die Opposition die Mehrheit. Treue Anhänger*innen der Maduro–Regierung sind jedoch in allen anderen Kontrollinstitutionen, einschließlich der Umweltkontrollinstitutionen, vertreten; die Ergebnisse dieser Untersuchung gingen somit nicht über Warnungen und Hinweise auf Verantwortlichkeiten innerhalb des staatlichen Erdölunternehmens PDVSA hinaus.

Giftunfälle häufen sich

Die Wirtschaftskrise in Venezuela hat nicht nur den Verfall der Raffinerien, sondern auch einen ökologischen Kollaps im Umfeld der Ölförderung verursacht. Laut einem von dem Verein Provea veröffentlichten Bericht wurden zwischen 2010 und 2018 um die 46.820 Lecks in Pipeline registriert; dadurch wurden in Venezuela rund 856.000 Barrel umweltschädigendes Erdöl freigesetzt.

Der Verfall der staatlichen Ölindustrie hat für die Umwelt katastrophale Folgen. Die Politik der Regierung Nicolás Maduro setzt darauf, diese zu verbergen und verfehlt damit ihre ökologische Verantwortung in Venezuela.

CC BY-SA 4.0 Erneute Ölkatastrophe an der Küste von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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