Chihuahua: Preisgekrönter Umweltaktivist ermordet

Der Goldman-Umweltpreis hat ihn nicht gerettet: Isidro Baldenegro López wurde am 15. Januar in Chihuahua erschossen. Foto: educaoaxaca

(Berlin, 19. Januar 2016, educaoaxaca/poonal).- Der indigene Aktivist Isidro Baldenegro López ist am Sonntag, 15. Januar in der Gemeinde Coloradas de la Virgen im nordmexikanischen Bundesstaat Chihuahua erschossen worden. Der 51jährige Aktivist der Tarahumara-Community organisiert seit Jahrzehnten Proteste gegen den illegalen Holzeinschlag in den Bergen der Sierra Madre; daher ist er seit Jahren Todesdrohungen ausgesetzt. Sein Vater, ebenfalls ein Umweltaktivist, wurde vor Jahrzehnten erschossen, vor einem Jahr überlebte einer seiner Brüder einen Mordanschlag.

Baldenegro López wurde 2002 überregional bekannt, weil er mehrere Blockaden von Straßen organisierte, über die das geschlagene Holz abtransportiert wurde. Er zwang so die Regierung, den Holzeinschlag vorübergehend zu suspendieren. Damit rief er eine Koalition aus korrupten Funktionär*innen, Landbesitzer*innen und Gruppen der Organisierten Kriminalität auf den Plan und im März 2003 wurde er wegen angeblichen Besitzes von Waffen und Drogen verhaftet und eingesperrt. 15 Monate später musste er wieder freigelassen werden, nachdem nationale und internationale Organisationen wie Amnesty International empört gegen seine Festnahme protestiert hatten. 2005 wurde er mit dem renommierten Goldman-Umweltpreis geehrt.

Baldenegro musste dennoch mit Teilen seiner Familie ins Exil gehen. Er war erst kürzlich zurückgekehrt. Zeug*innen des Attentats erklärten, die Mörder seien auch für weitere Angriffe und Mordanschläge auf Aktivist*innen in der Region verantwortlich. Die Tarahumara sowie weitere indigene Gruppen der Region seien mittlerweile zu Geiseln der Kriminellen geworden, schreibt das Magazin Proceso.

Das Portal Democracy Now zitiert Baldenegro mit den Worten: „Wir wissen, dass einige Leute, die nicht einmal hier leben, die Reichtümer des Gebirges plündern wollen. Mit Betrug und Fälschungen nehmen sie sich alles. Wir stellen uns dem in den Weg. Wir werden nicht zulassen, dass sie den Wald abholzen.“

Der Mord an Baldenegro kommt just zu dem Zeitpunkt, an dem sich der UN-Sonderberichterstatter Michel Forst in Chihuahua und anderen mexikanischen Bundesstaaten aufhält, um sich nach der Situation der Menschenrechtsverteidiger*innen zu erkunden. Baldenegro war einer von nur vier Mexikaner*innen, die mit dem Goldman-Preis ausgezeichnet worden sind. Erst vor zehn Monaten ist die honduranische Umweltaktivistin Berta Cáceres, ebenfalls Goldman-Preisträgerin, in ihrem Haus erschossen worden.

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