
(Culiacán Rosales/Berlin, 28. März 2026, Amerika21).- Eine Delegation von mexikanischen Aktivist*innen hat diese Woche in Deutschland eine Beschwerde gegen den Bau einer Chemiefabrik im Bundesstaat Sinaloa eingereicht. Das Projekt des schweizerisch-deutschen Konzerns Proman AG mit einer Tageskapazität von 2.200 Tonnen Ammoniak wird in der Bucht von Ohuira auf indigenem Territorium gebaut, mitten in einem Feuchtgebiet, das durch die Ramsar-Konvention geschützt ist. Diese 1971 im Iran unterzeichnete Konversation regelt global den Schutz von nachhaltigen Feuchtgebieten.
Der Einsatz der Mitglieder der indigenen Yoreme-Gemeinden und des Umweltkollektivs „¡Aquí No!“ (Hier nicht!) wurde bisher von der mexikanischen Regierung ignoriert. Die Bauarbeiten konnten durch juristische Einsprachen um mehrere Jahre verzögert werden. Doch nach einer indigenen Befragung, bei der Dörfer, die nicht direkt betroffen sind, die direkt Betroffenen überstimmten, laufen die Bauarbeiten seit 2025 wieder.
Die Anrainer*innen, die hauptsächlich von der Fischerei leben, befürchten eine Gefährdung ihrer Lebensgrundlagen durch die Großprojekte im Hafen von Topolobampo. Nach der deutschen Chemiefabrik, die den Grundstoff für Kunstdünger herstellen soll, sind weitere Industrieanlagen in derselben Bucht geplant.
2025 wiesen auch elf UN-Sonderberichterstatter auf die Gefahren der Fabrik und deren „potenziell negative Auswirkungen auf die Menschenrechte“ hin. Dies auch auf Basis der vom Projektträger vorgelegten Umweltverträglichkeitsprüfung, in der das Unternehmen selbst einräumt: „Bei einem (möglichen) fünfminütigen Ammoniakaustritt aufgrund eines (möglichen) Bruchs der Ammoniakleitung infolge eines Unfalls ist die gesamte Bucht von Ohuira ein Hochrisikogebiet mit unmittelbarer Gefahr für Gesundheit oder Leben“, steht in der Umweltverträglichkeitsprüfung. Eine „giftige Wolke“ könnte einen Durchmesser von 45 Kilometern erreichen und somit 400.000 Menschen und das gesamte Ökosystem der Lagune gefährden.
„Mit deutschem Geld darf die Umweltzerstörung in der Bucht von Ohuira nicht finanziert werden“, erklärten die Aktivist*innen bei ihren Treffen mit den deutschen Behörden. Bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW IPEX), die die Ammoniakfabrik finanziert, reichten sie eine Beschwerde ein. Die staatliche Förderbank verstoße „offen gegen ihre eigenen Richtlinien“ zu Menschenrechten und Umwelt, so die Delegation aus Mexiko.
Die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko (DMRKM), die die Delegation der Aktivist*innen begleitete, äußerte ihre „große Besorgnis“ über die Drohungen und Angriffe auf die Umweltschützer*innen in der Bucht von Ohuira: „Bei derartigen Großprojekten müssen menschenrechtliche Sorgfaltspflichten gelten“, insbesondere in einem Land wie Mexiko, wo immer wieder Umweltaktivist*innen ermordet werden, warnte Dr. Peter Clausing von der Organisation Partner Südmexikos e.V., die Teil des deutschen Netzwerks von 20 zivilgesellschaftlichen Organisationen ist.
Von Seiten der KfW gibt es bisher keine öffentliche Stellungnahme zu den Vorwürfen. Nach früheren Protesten in Zusammenhang mit diesem Projekt betonte die KfW, dass die Achtung der Menschenrechte und der verantwortungsvolle Umgang mit ökologischen und sozialen Risiken „eine Selbstverständlichkeit“ seien. Auch Proman erwiderte, sie würden in Mexiko „geltenden Umwelt- und Menschenrechtsvorschriften einhalten“, das Projekt werde von der mexikanischen Regierung unterstützt.
Beschwerde in Deutschland gegen Chemiewerk in Mexiko von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
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