Morena und die Zapatisten – Ein Schattentheater

Subcomandante Marcos, EZLN und Andrés Manuel López Obrador, Morena

(Lima, 25. Juli 2018, Servindi).- Mitte Juli bot sich Alejandro Solalinde, Priester und Sympathisant der Morena-Partei, als Vermittler zwischen dem zukünftigen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador und der Zapatistischen Befreiungsarmee EZLN an. Solalinde sagte, er hätte der Führung der Rebellen einen Brief des zukünftigen Präsidenten überbracht, in dem dieser einen konstruktiven Dialog vorschlug, um die Meinungsverschiedenheiten zu überwinden und gemeinsam zum Wohle Mexikos zu arbeiten. Die Antwort der Zapatistischen Befreiungsarmee erfolgte sofort. Sie lehnte dieses Vermittlungsangebot ab und habe kein Interesse daran mit der Gewinnerpartei der vergangenen Wahlen zu verhandeln. Die Worte, mit denen sie Solalinde bezeichneten, waren alles andere als freundlich.

Ein geeigneter Vermittler?

Das Schreiben der Neozapatisten unterstreicht, dass der Priester ihnen gegenüber bisher nur „Lügen, Beschimpfungen, Verunglimpfungen und rassistische und machistische Kommentare“ geäußert habe, „mit der Vorstellung verbunden -wie sie zu Zeiten der ehemaligen Präsidenten Carlos Salinas und Ernesto Zedillo üblich war-, dass wir nur arme und dumme Indigene sind“. Es ist offensichtlich, dass Andrés Manuel López Obrador einen anderen, weniger polemischen Vermittler finden muss, falls er sich der EZLN annähern will.

Die ablehnende Haltung der EZLN ruft bei einigen Gruppierungen innerhalb von Morena große Besorgnis hervor, besonders bei denen, die zu der alten kommunistischen Linken zählen. Sie verstehen nicht, warum die EZLN sich nicht wie schon andere Anhänger von PRI, PRD und PAN Morena angeschlossen hat. Aus diesem Kreis stammt die Kritik gegenüber der Weigerung der EZLN die Waffen abzugeben und sich dem sozialen Transformationsprozess unter Federführung von Morena anzuschließen.

Kritisiert wird das Folgende:

1. Es gibt keinen Grund mehr für ein aktives Fortbestehen der EZLN. Die Linke hat in einem demokratischen Prozess gewonnen.

2. Es ist ein politischer Fehler, dass die EZLN sich selbst ausgrenzt und nicht am Transformationsprozess Mexikos mitarbeiten will, der von Morena gelenkt wird, auch wenn es Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden geben sollte.

Darauf antworten die Neozapatisten folgendermaßen:

1. Mit diesen Wahlen ist Mexiko nicht nach links gerückt und wird es auch während der Amtszeit von Morena nicht tun. Im Wortlaut der EZLN-Führung heißt es: „Sie können den Vorarbeiter austauschen, die Gutsverwalter und Anführer, aber der Gutsbesitzer bleibt der gleiche.“ Die EZLN ist die einzige mexikanische politische Bewegung, die den Kapitalismus offen ablehnt. Mit Morena zu verhandeln, wäre für die EZLN ein Verrat an den grundlegenden Prinzipien ihrer politischen Bewegung.

2.Als sich die mexikanischen Kommunisten aus strategischen Gründen mit der PRI zusammen taten, zum Beispiel als die Kommunistische Partei die Kandidatur von Avila Camacho unterstützte, beriefen sie sich auf die Doktrin von Mao, dass der Feind meines Feindes mein Freund ist.

Mao rechtfertigte dieses Prinzip mit Dialektik, indem er den Hauptwiderspruch, der die führende Rolle spielt, von den Nebenwidersprüchen unterschied, die eine untergeordnete Stellung einnehmen. Die Neozapatisten denken aber nicht so. Für die EZLN ist Morena kein Feind des wahren Feindes, der für die EZLN die „kapitalistische Hydra“ ist.

Es sieht also so aus als müsse sich Morena daran gewöhnen eine linke Opposition zu haben. Noch ist es zu früh, um zu wissen, ob das gut für Mexiko sein wird.

 

Die gesamte Stellungnahme der Zapatisten findet hier auf Spanisch und hier auf Deutsch.

CC BY-SA 4.0 Morena und die Zapatisten – Ein Schattentheater von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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