Streit um Massaker in Putumayo geht weiter

„Kolumbien duldet keine Menschenrechtsverletzungen.“ (Iván Duque)
CC BY 2.0

(Bogotá, 13. April 2022, la diaria).- Am 28. März wurden bei einer Militäroperation kolumbianischer Streitkräfte in der Provinz Puerto Leguízamo im Departamento Putumayo elf Menschen  getötet. Offiziell handelte es sich um eine Aktion gegen Dissident*innen der demobilisierten Guerilla der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), insbesondere gegen Carlos Loaiza alias Bruno und einen weiteren Kommandanten der Guerilla, bekannt als Managua. Verschiedene Medien, darunter die Tageszeitung El Espectador aus Bogotá, das Portal Vorágine und die Zeitschrift Cambio, untersuchten die Geschehnisse jedoch genauer und fanden Hinweise, dass es sich um falsos positivos handelt: von den Streitkräften fälschlich als gefallene Guerilla-Kämpfer*innen ausgegebene Zivilist*innen. Unter den Getöteten befanden sich der indigene Anführer Pablo Panduro Coquinche, Divier Hernández, Vorsitzender des Gemeinschaftsrats für die Kommune in der Ortschaft Alto Remanso, seine Frau Ana María Sarrias, ein 16-jähriger Jugendlicher, Brayan Pama, und einer der Unterzeichner des Friedenspaktes, Jhon Jairo Silva.

Aufklärung und Entschädigung gefordert

Laut Zeugenaussagen in einem am Sontag veröffentlichten Zeitungsbericht hatten sich die Militärs nicht als solche präsentiert, sondern als Guerilleros. Die Einwohner berichteten außerdem, dass die Getöteten von den Militärs vom Tatort weggebracht und so manipuliert wurden, dass man sie besser als Guerilleros ausgeben konnte. Insgesamt hielt das Militär die Leichen über mehrere Stunden unter Verschluss. Die Stiftung Liderazgo y Paz (Führung und Frieden) in Putumayo erklärte, sie werde den Vorfall vor Gericht als Massaker bezeichnen. Anwalt David Melo Cruz, Mitglied der Stiftung und Anwalt der Opfer des Vorfalls, äußerte gegenüber El Espectador die Vermutung, dass die Militärs sich einfach vertan und die Getöteten fälschlicherweise für die Personen gehalten hanen könnten, die sie in der Gegend suchten. Der Fall wurde laut Tageszeitung El Tiempo am 12. April sogar im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen besprochen. Bei der Sitzung sprachen mehrere Teilnehmer*innen ihre Besorgnis aufgrund der Gewalt in Kolumbien aus und beharrten auf einer „tiefgründigen Ermittlung“ der Geschehnisse. Auch die Interamerikanische Menschenrechtskommission CIDH rief den kolumbianischen Staat auf, die Taten zu prüfen. „Die zuständigen Behörden werden dringend aufgefordert, die Ermittlungen fortzusetzen, ohne dabei die Opfer zu stigmatisieren, und die erforderlichen Maßnahmen für eine angemessene Entschädigung zu ergreifen. Dabei ist ein interkultureller Ansatz zu verfolgen, der die Auswirkungen auf die Opfer, ihre Familien und ihre Gemeinschaften berücksichtigt“, so die Kommission.

Ivan Duque verteidigt den Militäreinsatz

Verteidigungsminister Diego Molano und der kolumbianische Präsident Iván Duque hatten die Aktion zunächst als eine erfolgreiche Militäroperation gefeiert. „Bei einer Operation unserer Streitkräfte wurden elf Mitglieder der FARC-Dissidenten neutralisiert und vier weitere Kriminelle in Puerto Leguízamo (Putumayo) gefangen genommen“, twitterte der Präsident am 28. März. Doch die Unstimmigkeiten weiteten sich bis hin zu angeblichen Festnahmen aus, die, wie die Staatsanwalt später informierte, nicht stattgefunden haben. Inzwischen haben mehr als 30 kolumbianische Abgeordnete wegen der Vorfälle einen Misstrauensantrag gegen Molano unterzeichnet. Katherine Miranda, Abgeordnete und Mitunterzeichnerin des Antrags, bezeichnete die Geschehnisse in Putumayo als „inakzeptabel“ und betitelte sie als ein Fall von falsos positivos. Präsident Iván Duque verteidigte die Operation auch noch nach der Sitzung des UN-Sicherheitsrats. „Es handelte sich um eine geplante Operation mit ausgewerteten Daten, mit genauen Informationen über Standorte von Mitgliedern und Anführern von Zellen aus dem Umfeld von Terrorismus und Drogenhandel in diesem Teil des Gebiets. Es lagen also klare Informationen vor“.

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