Militär soll Massaker in Putumayo verübt haben

Militär in Puerto Leguizamo. Foto: Contagio Radio/Kyenike

(Bogotá, 3. April 2022, contagio radio).- Am 28. März verkündete der kolumbianische Verteidigungsminister Diego Molano, dass elf „Dissidenten“ der aufgelösten FARC-Guerilla bei einer Militäroperation getötet worden seien. Mit der Militäraktion in Puerto Leguizamo in der südkolumbianischen Provinz Putumayo gehe „die Operation #SinTregua gegen narcoterroristische Strukturen im ganzen Land weiter“, bestätigte Präsident Iván Duque auf Twitter.

Scharfe Kritik an Regierung, Verteidigungsministerium und Armeeführung kommt hingegen von lokalen Gemeinden, indigenen Organisationen und Menschenrechtsgruppen. Für sie handelt es sich um ein Massaker an Zivilist*innen, die anschließend im Stil der „Falsos Positivos“ als im Kampf gefallene Guerilleros dargestellt worden seien. Laut Zeug*innenaussagen aus Puerto Leguizamo seien die Getöteten nicht bewaffnet, sondern Gemeindemitglieder gewesen, die eine Gemeindefeier verließen.

„Sie schossen wahllos“

Bewohner*innen der Siedlung El Remanso betonen, dass es sich bei der Militäraktion vom 28. März nicht um eine Operation gegen eine FARC-Abspaltung gehandelt habe, sondern um ein Massaker an Zivilist*innen mit elf Todesopfern. Mit der Gemeindefeier habe Geld für die Gemeinde gesammelt werden sollen. Das Menschenrechtsnetzwerk von Putumayo erklärte, neben dem Gouverneur eines indigenen Schutzgebietes seien der Vorsitzende der Nachbarschaftsvereinigung und dessen Ehefrau sowie ein Minderjähriger unter den Getöteten. „Laut den Gemeindemitgliedern waren alle Getöteten anerkannte Bewohner*innen der Gemeinde“, so die Menschenrechtsorganisation. Es gebe Berichte über verschwundene Leichen und vertriebene Familien.

Auch die Interkonfessionelle Kommission für Frieden und Gerechtigkeit (Comisión Interecclesial de Justicia y Paz) spricht von einem Massaker: „Zeug*innen haben ausgesagt, dass am 28. März gegen 7:00 Uhr morgens etwa 20 bewaffnete Männer auftauchten. Sie waren schwarz gekleidet, einige von ihnen vermummt und schossen wahllos auf die Dorfbewohner*innen, die sich noch auf der Gemeindefeier befanden.“ Weiteren Anwesenden sei verboten worden, sich um die Schwerverletzten zu kümmern, so dass diese verbluteten. Die Bewaffneten hätten dann die Leichen bewegt und ihnen Waffen und Uniformstücke dazugelegt. Anschließend hätten sie sich mit Militärbooten und Hubschraubern entfernt.

Internationale Untersuchung gefordert

Die Interkonfessionelle Kommission veröffentlichte zudem ein Video, das die Feier etwa 13 Stunden vor dem Angriff zeigen soll. Zuvor hatte Verteidigungsminister Diego Molano ebenfalls ein Video veröffentlicht, das bewaffnete Zivilisten zeigt und mit dem er das Vorgehen der Armee gegen kriminelle „Narcococaleros“ rechtfertigt. Doch das Video, so die Kommission, sei falsch und zeige nicht die Siedlung El Remanso: „Diese verwaschenen Fotos und Videos sind haltlos und versuchen, das wahre Gesicht einer willkürlichen, übertriebenen und rechtswidrigen Militäraktion zu verbergen.“

Die Kommission bezeichnet die Militäraktion und die anschließende Vertuschung als „Staatsverbrechen“ und fordert eine internationale Untersuchung. Aufgrund der Vorwürfe hat nun auch der Menschenrechtsombudsmann und ehemalige Justizminister Javier Augusto Sarmiento Olarte die Militärführung zu einer ausführlichen Stellungnahmen aufgefordert. Sollten die Vorwürfe stimmen, sei die Militäraktion ein Angriff auf die Zivilbevölkerung und damit eine Verletzung internationaler Menschenrechte.

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