Peter Thiels Beutezug durch den Hinterhof der USA

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Peter Thiel speaking with attendees at the 2022 Converge Tech Summit at The Waste Management Phoenix Open at the Skybar at TPC Scottsdale in Scottsdale, Arizona. Foto: Gage Skidmore, CC-BY-SA-2.0

(Buenos Aires, Santiago, Berlin, 18. Mai 2026, ReGA).- Peter Thiel, einer der Gründer von PayPal und Palantir und einer der reichsten Männer der Welt, befindet sich seit 12. April zusammen mit seinem Ehemann Matt Danzeisen, den gemeinsamen Kindern und einem Stab von Beratern und Sicherheitsleuten für voraussichtlich zwei Monate in Argentinien. Es sei eine Erholungsreise mit der Familie, aber er empfange auch Unternehmer und sehe sich nach Grundstücken und Immobilien um, erklärte Thiel. In Buenos Aires soll er verschiedenen Medienberichten zufolge bereits eine Villa für 12 Millionen US Dollar gekauft haben. Thiels Südamerikaaufenthalt ist jedoch gespickt mit hochkarätigen Polit-Terminen, die nach und nach an die Öffentlichkeit sickern.

„Wunderbare Unterhaltung zwischen Anarchokapitalisten“
Bei einem Treffen mit dem rechts-libertären Präsidenten Javier Milei und dem Außenminister Pablo Quirno mit Peter Thiel im Regierungspalast Casa Rosada am 23. April hätten sie eine „wunderbare“ Unterhaltung zwischen „Anarchokapitalisten“ gehabt, ließ Milei anschließend verlauten. Sie hätten sich über Wirtschaftsfragen und Kulturkampf ausgetauscht und Thiel sei an Geschäften im Agro-Business interessiert, so der argentinische Präsident. Außerdem traf sich Thiel Medienberichten zufolge mit Mileis Berater Santiago Caputo, dem Minister für Deregulierung und Staatstransformation, Federico Sturzenegger, und besuchte das hochkarätige Fußballspiel zwischen River Plate und Boca Juniors im Estadio Monumental.

Ganz neu ist das alles nicht. 2024 wurde Thiel bereits von Milei im Regierungspalast empfangen. Als Produzent von Überwachungssoftware, die bereits von diversen Geheimdiensten und staatlichen Institutionen wie ICE in den USA und teilweise auch in Europa eingesetzt wird, ist Thiel mit geschätzten 27 Milliarden Dollar einer der reichsten Männer der Welt. Ob Argentinien seine Überwachungssoftware einsetzen wird, scheint noch nicht ausgemacht zu sein. Palantir verhandelt aber auch schon mit Ecuadors Behörden über den Einsatz ihrer Datenanalyse-Software zur Grenzüberwachung, wie das lateinamerikanische Onlinemedium Connectas berichtet.

„Das chilenische Wunder“
Bei einem Abstecher nach Chile traf Thiel Ende April den Ökonomen und Senior Fellow des wirtschaftsliberalen CATO Institutes, José Piñera, und sprach mit ihm über das „chilenische Wunder“. Gemeint ist damit das nach makroökonomischen Zahlen vergleichsweise stabile, aber von krasser sozialer Ungleichheit geprägte neoliberale Wirtschafts- und Gesellschaftssystem Chiles. Die Privatisierung der Systeme der allgemeinen Daseinsvorsorge wie Bildungs-, Gesundheits- und Rentensysteme wurden dort bereits während der Diktatur Pinochets (1973 bis 1990) weitgehend durchgesetzt und anschließend teils noch vertieft. José Piñera war unter Pinochet Arbeits- und Bergbauminister und einer der als Chicago Boys bekannt gewordenen Pioniere des neoliberalen Umbaus nach dem Modell von Ökonomen wie Milton Friedman. Er war entscheidend am Abbau von Arbeitsrechten und an der Privatisierung des Bergbaus beteiligt. Vor allem aber gilt er als Architekt des vollständig privatisierten, auf Pensionsfonds basierenden Rentensystems in Chile. Die privaten Pensionsfonds sind ein einträgliches Geschäftsmodell für ihre Betreiber geworden, doch weite Teile der chilenischen Rentner*innen leben in Altersarmut. Bis heute bewirbt Piñera das Modell privater Pensionsfonds bei Konferenzen oder gegenüber Regierungen in den USA, Russland, China und Europa, wie er auf der Website seiner Zeitschrift Economia y Sociedad über sich selbst berichtet.

Piñera könnte für Thiel ein Vorbild und potentieller Geschäftspartner sein. Der hatte seine Firma Palantir in Chile bereits vor Jahren als Unternehmen registrieren lassen. Ob Verträge mit den Streitkräften bestehen, lässt sich wegen Geheimhaltungsbestimmungen für sicherheitsrelevante Bereiche allerdings nicht nachvollziehen, berichtet Leopoldo Lavín für Clarin.

Wie Juan Diego Montalva vom chilenischen Medium The Clinic beschreibt, traf Peter Thiel wenige Tage darauf in der Hauptstadt Santiago auch den extrem rechten ehemaligen Präsidentschaftskandidaten von der National-Libertären Partei (PNL), Johannes Kaiser, der gute Kontakte zur argentinischen Regierung unterhält und die Regierung Kast von rechts unter Druck setzen will. Demnach sollen sie sich über die Situation in den USA und in Chile ausgetauscht und über mögliche Geschäfte“ in Chile gesprochen haben.

Sein Bruder Axel Kaiser, der das Treffen zwischen Thiel und Johannes Kaiser vermittelt haben soll, ist Vorsitzender der rechts-libertären Stiftung für den Fortschritt (Fundación para el Progreso, fpp) in Chile und zugleich stellvertretender Geschäftsführer und Mitglied im internationalen Beirat der argentinischen Fundación Faro, der „Leuchtturm-Stiftung“ von Javier Mileis Partei La Libertad Avanza.

Ideologie und Investitionsbedingungen
Thiels jetziger langer Aufenthalt in Südamerika könnte dazu dienen, dass er sich dort eine Basis aufbaut. Jedenfalls trifft er dafür auf gute Bedingungen: Die ideologische Nähe zu den rechts-libertären bzw. neoliberalen Regierungen in Argentinien und Chile ist gegeben. Thiel selbst ist gegen jede staatliche Regulierungen, er ist fortschritts- und technikgläubig, aber zugleich auch nationalistisch und streng christlich. Aus einem evangelikalen Elternhaus stammend, hat er durchaus enge Bezüge zu katholischen Akteuren. Mitte März war er, der die Welt in einem apokalyptischen Endzeitszenario sieht, noch in Rom und leitete dort nicht-öffentliche Seminare über den Antichristen an. Die päpstliche Universität verwahrte sich nach Berichten des Standard gegen Behauptungen, die Veranstaltungen würden an ihrer Einrichtung stattfinden. Die Figur des Antichristen steht in der christlichen Religion für Personen, Organisationen oder Staaten, die den Niedergang der westlichen Zivilisation fördern. Thiel hatte den Antichristen der Gegenwart bei Seminaren in San Francisco 2025 als Akteure und Institutionen beschrieben, „die vorgeben, Frieden und Stabilität zu bringen“, zitiert der Standard. Demnach verkörpere sich das „Böse“ etwa in technologischer Regulierung, globaler Governance, im Kampf gegen den Klimawandel oder sogar in der Person der Klimaaktivistin Greta Thunberg. 2016 unterstützte Thiel Trump bei dessen erster Präsidentschaftskandidatur, 2024 finanzierte er J.D. Vance und dessen Wahlkampf.

Über die ideologische Nähe hinaus geht es auch um den Zugang zu Ressourcen. Denn für die Rechenzentren der Künstlichen Intelligenz braucht es sehr viel Energie, aber auch Kupfer, Lithium und andere Bergbauprodukte. Diese Ressourcen sind in Südamerika reichlich vorhanden, der Kampf darum ist in vollem Gange. Im April seien auch Vertreter des KI-Unternehmens Anthropic nach Buenos Aires und São Paulo gereist, berichtet Leonardo Oliva für die Journalismus-Plattform Connectas.

Die argentinische Regierung erhöht in einer Situation wirtschaftlicher Schwäche gerade nochmals die Anreize für ausländische Investitionen. 2024 hatte sie bereits das als RIGI bezeichnete Programm zur Anwerbung von Investitionen von mehr als 200 Millionen US Dollar in den Bereichen Bergbau, Energie, Infrastruktur und Industrie beschlossen. Auf dieses Programm, das mit Steuersenkungen von 35 auf 25 Prozent und mit Zollvergünstigungen verbunden war, sind 13 Projekte angemeldet, darunter auch ein Flüssiggasprojekt mit deutscher Beteiligung in der von den indigenen Mapuche bewohnten Region Vaca Muerta. Das RIGI soll nun nochmals ausgedehnt werden zu einem Súper RIGI, mit noch weitergehenden Vergünstigungen wie Steuersenkungen auf 15 Prozent für Großinvestitionen auch in den Bereichen Fischfang, Düngemittelproduktion, Herstellung von Windrädern, Batterien und E-Autos. Wenn sich da nicht auch für Peter Thiel Optionen auftun sollten.

Dieser Artikel von Ute Löhning ist zuerst bei Research Against Global Authoritarianism erschienen. Wir übernehmen ihn mit freundlicher Genehmigung. 

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CC BY-SA 4.0 Peter Thiels Beutezug durch den Hinterhof der USA von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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