
(Recife, 27. August 2025, Brasil de Fato).- Am 27. August veranstaltete das brasilianische Ministerium für Agrarentwicklung (MDA) einen öffentlichen Akt zur Gründung einer neuen Siedlung in der ländlichen Zone von Petrolina im Sertão von Pernambuco. Dabei wurden 600 Hektar Land übergeben, um 100 Familien legal anzusiedeln, die dort seit etwas mehr als zwei Jahren lebten. Das Gebiet, das zuvor dem staatlichen Forschungsinstitut für Ackerbau und Viehzucht Embrapa gehörte, lag brach, als es im April 2023 von Familien besetzt wurde, die mit der Landlosenbewegung MST („Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra“) verbunden sind.
Schnelle Legalisierung dank Zusammenarbeit
Bei der Zeremonie war der Minister für Agrarentwicklung, Paulo Teixeira (Arbeiterpartei, PT), anwesend. Er erklärte, die Siedlung sei „in Rekordzeit“ geschaffen worden: „In Brasilien gibt es Familien, die seit 20 oder 30 Jahren auf eine Siedlung warten. Diese hier begann jedoch erst vor zweieinhalb Jahren.“ Teixeira dankte Embrapa und der Gesellschaft für die Entwicklung der Täler von São Francisco und Parnaíba (Codevasf) für die Zusammenarbeit, durch die die Verfahren beschleunigt wurden. Die neue Siedlung trägt den Namen Assentamento Soberania Popular („Siedlung Volkssouveränität“).
Der Minister kündigte an, dass neben der Legalisierung auch ein Gründungskredit bereitgestellt werde, damit die Familien ihre Häuser bauen und die erste landwirtschaftliche Ausrüstung anschaffen können. Zudem wurden Vereinbarungen mit dem Agrarinstitut von Pernambuco (IPA) und mit Embrapa unterzeichnet, um die Siedlungen in der Region São Francisco zu unterstützen. Insgesamt sollen rund 1.000 Landwirte davon profitieren. „Sie starten hier mit Land, Embrapas Forschung, technischer Unterstützung, Geld für den Hausbau und für die landwirtschaftliche Produktion“, betonte Teixeira und unterstrich: „Es ist eine mustergültige Siedlung.“
Darüber hinaus kündigte der Minister an, Partnerschaften sowohl mit dem staatlichen Lebensmittelversorger Conab als auch mit dem privaten Sektor anzustreben, um den Absatz der lokalen Produktion zu sichern. „Wir wollen mit regionalen Produzenten von Trauben, Mangos, Maracujá und Wein zusammenarbeiten, damit Sie Ihre Produkte direkt an sie verkaufen können. Auch Conab wird einer Ihrer Abnehmer sein“, versprach Teixeira. „So werden die Familien die Chance haben, erfolgreich zu sein, ihre Existenz zu stärken und für die nächste Generation Arbeitsplätze zu schaffen.“ Bei der Veranstaltung wurde außerdem die Freigabe von Krediten für Familien der Quilombo-Gemeinschaft Conceição das Crioulas in Salgueiro bekanntgegeben.
Von der Besetzung zur offiziellen Anerkennung
Das Embrapa-Grundstück am Rande der Bundesstraße BR-428 zwischen Petrolina und Lagoa Grande wurde laut der örtlichen Bevölkerung bislang nur einmal im Jahr für die Landwirtschaftsmesse Semiárido Show genutzt. Mit der ersten Besetzung forderten die Familien die Wiedereröffnung des Incra-Büros in Petrolina sowie die Übertragung von Flächen im Besitz von Codevasf und anderen staatlichen Einrichtungen. Da das MDA innerhalb von vier Monaten keine der Forderungen erfüllte, wurde das Grundstück im Juli 2023 erneut besetzt.
Der MST-Führer in Pernambuco, Jaime Amorim, feierte den Erfolg und gratulierte den Familien. „Jetzt beginnt ein neuer Prozess der Entwicklung des Gebiets. Glückwunsch an die Genoss*innen für ihren Mut, den richtigen Moment erkannt und den Kampf aufgenommen zu haben.“ Er lobte auch den neuen Namen: „Die Wahl eines politischen Namens, der unsere Zeit widerspiegelt, zeigt, dass wir Brasilien und die Agrarreform verteidigen, um bessere Tage und ein besseres Leben zu schaffen.“ Zuvor hatten die Bewohner*innen ihr Camp Acampamento Nova Embrapa genannt, doch in Absprache mit dem staatlichen Institut wurde ein neuer Name für die Siedlung gewählt.
„Land in die Hände derjenigen, die es bearbeiten“
Der nationale Präsident des Incra, César Aldrighi, erinnerte daran, dass Soberania Popular bereits die 14. Siedlung ist, die seit 2023 in Pernambuco gegründet wurde. „Heute verkünden wir die Gründung, doch wir wollen zurückkehren, wenn Sie Ihre Häuser gebaut haben, Kredite nutzen, Einkommen erzielen und reichlich Lebensmittel produzieren“, sagte er. „Für diese Siedlung wurden 19 Millionen Real (rund 3 Millionen Euro) investiert. Bis 2025 wird sich die Summe auf 34 Millionen Real (etwa 5,4 Millionen Euro) erhöhen. Zwischen 2023 und 2024 haben wir 111 Millionen Real (circa 17,5 Millionen Euro) investiert. Neben der Landvergabe ist es entscheidend, die Ansiedlung der Familien nachhaltig zu sichern.“
Auch die Abgeordnete Rosa Amorim (PT), selbst in einer MST-Siedlung geboren, nahm an der Veranstaltung teil. Sie erinnerte an ihre Rolle im Entstehungsprozess: „Es waren zwei Jahre voller Widerstand und Kampf von Seiten der Familien, aber auch voller Verhandlungen mit der Bundesregierung. Wir waren mehrfach in Brasília, um mit Incra und dem MDA zu sprechen. Jetzt werden Flächen, die zuvor brach lagen, dazu genutzt, gesunde Lebensmittel zu produzieren.“ Mit Blick in die Zukunft fügte sie hinzu: „In fünf Jahren werden wir sehen, wie stark es das Leben verändert, wenn Land in die Hände jener gegeben wird, die es wirklich bearbeiten.“
Übersetzung: Christa Röpstorff
Aus Widerstand wird Zukunft – 100 Familien legalisieren ihr Territorium von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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