Umstrittener Marinekapitän wird doch nicht Militärattaché in Deutschland

Der 2021 verstorbene Fregattenkapitän Juan Carlos Larcebeau wurde 2021 in Italien zu lebenslanger Haft verurteilt. Foto: Marta Passeggi/sitiosdememoria.uy (CC BY-SA 4.0)

(Montevideo, 19. Januar 2023, la diaria/poonal).- Der Plan des uruguayischen Verteidigungsministeriums, den umstrittenen Marinekapitän Marcos Saralegui ab März 2023 zum Militärattaché an die deutsche Botschaft zu berufen, ist laut der uruguayischen Zeitung El Observador an der ablehnenden Haltung Deutschlands gescheitert. Die Ernennung Saraleguis war in Uruguay kritisiert worden, da dieser als Mitglied eines militärischen Ehrengerichts den Verbrecher der Militärdiktatur Juan Carlos Larcebeau als „Vorbild“ bezeichnet hatte.

Deutschland habe den Vorschlag geprüft, erklärte der uruguayische Verteidigungsminister Javier García gegenüber El Observador. Die uruguayische Regierung sei der Ansicht, dass Saralegui „die fachlichen Qualifikationen und das richtige Profil“ für den Posten habe: „Wir teilen nicht die Position (Deutschlands), aber es ist das Gastland und wir respektieren die Entscheidung.“ Mehr teilte der Minister dazu nicht mit. Auch die deutsche Botschaft in Montevideo wollte sich dazu gegenüber der Zeitung nicht äußern.

Anfang Dezember hatte die Zeitung La Diaria berichtet, dass Saralegui auf Ersuchen des Generalkommandos der Marine durch einen von García und Präsident Luis Lacalle Pou unterzeichneten Beschluss in das Amt berufen worden war. Obwohl die Nominierung in die Zuständigkeit der Exekutive fällt, kann die Marine die möglichen Kandidat*innen und ihre Laufbahnen zuvor bewerten.

Scharfe Kritik an Ernennung Saraleguis

Menschenrechtsorganisationen hatten den Marinekapitän Marcos Saralegui wegen seiner Rolle als Teil eines Ehrengerichts der Marine scharf kritisiert. Das Ehrengericht hatte über die Rolle von Juan Carlos Larcebeau während der Militärdiktatur geurteilt und ihn als „Beispiel“ gewürdigt. Der 2021 verstorbene Fregattenkapitän wurde 2021 in Italien mit weiteren pensionierten Militäroffizieren zu lebenslanger Haft verurteilt. Grund war die Ermordung und das Verschwindenlassen von 38 Menschen im Rahmen des Plan Condor. Darüber hinaus wurde Larcebeau 2009 von der uruguayischen Justiz zusammen mit Gregorio Álvarez wegen 29 während der Diktatur begangenen Morde verurteilt.

Das Ehrengericht der Marine von 2018, dessen Zusammensetzung erst 2020 durch El Observador bekannt wurde, sollte klären, ob Larcebeau mit seinem Verhalten die Ehre der Marine beeinträchtigt hatte. Unter der Leitung von Saralegui und zwei weiteren Marinekapitänen im Ruhestand – Marcelo Pazos und Gabriel Guida – befand das Gericht, dass die Marine aufgrund des „absoluten Mangels an Schuld“ nicht betroffen gewesen sei und dass Larcebeau „in seinem professionellen Handeln ein Vorbild für alle seine Kollegen war“. In seiner Begründung bescheinigte Saralegui ihm „beispielhaftes Verhalten“ und bezeichnete ihn als „militärisches Vorbild“, das „die Uniform geehrt hat“.

2020 wurde Saralegui seines Amtes als Kommandant der Marineinfanterie enthoben, nachdem eine interne Untersuchung eine Verletzung der Sicherheitsprotokolle für die Truppen der Festung „Fortaleza del Cerro“ aufgedeckt hatte. In der Festung waren drei Soldaten ermordet worden.

„Kandidaten besser überprüfen“

Die Organisation der Mütter und Angehöriger verschwundener Gefangener, Famidesa, hatte im Dezember nach Bekanntwerden der Ernennung Saraleguis heftig protestiert. Eines ihrer Mitglieder, Ignacio Errandonea, sagte damals gegenüber La Diaria: „Wie wird das Land dastehen, wenn auf europäischer Ebene oder vor dem Interamerikanischen Gerichtshof bekannt wird, dass jemand, der den Staatsterrorismus rechtfertigt, eine Belohnung erhält“.

Die Organisation ehemaliger politischer Gefangener, Crysol, hatte in einem Schreiben an Minister García ebenfalls ihren Unmut geäußert. Für seine Rolle als Teil des Ehrengerichts solle Saralegui in den Ruhestand versetzt werden: „Er ist politisch und moralisch disqualifiziert, um als Militärattaché in einer Botschaft unser Land zu vertreten.“

Nach Bekanntwerden der Ablehnung Deutschlands und der damit gescheiterten Ernennung Saraleguis bezeichnete Nilo Patiño von Famidesa den Ausgang als positiv. Er bedauerte jedoch, dass dies aufgrund der Position Deutschlands und nicht durch die Entscheidung der uruguayischen Regierung erfolgt sei. „Es wäre logisch gewesen, dass unser Land und die dafür verantwortliche Regierung die Kandidaten und ihre Vorgeschichte überprüft“, so Patiño. Es sei nicht gut für den Ruf des Landes, wenn Deutschland schließlich einen Militärattaché ablehne.

Patiño sieht noch immer Hindernisse seitens der Politik, um die Verbrechen der Diktatur aufzuklären, „vor allem in den Fragen, die für die Untersuchung des gewaltsamen Verschwindenlassens von Bedeutung sind“.

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