Mexiko sucht 40.000 Verschwundene

Wo sind die Verschwundenen? Gerechtigkeit!
Foto: Desinformémonos

(Mexiko-Stadt, 11. Februar 2019, amerika21).- Die mexikanische Regierung hat in den ersten Februartagen eine umfassende Strategie vorgestellt, um das Schicksal der zahlreichen Personen aufzuklären, die in den letzten zwölf Jahren des Drogenkriegs gewaltsam verschwanden. Das staatliche „Register der verschwundenen und nicht aufgefundenen Personen“ in Mexiko listet derzeit insgesamt 40.180 Menschen auf. Die Hauptaufgabe bei der Suche kommt der Nationalen Suchkommission CNB (Comisión Nacional de Búsqueda) zu. Die Innenministerin Olga Sánchez Cordero besetzte am 9. Februar die Leitung dieser Kommission neu, und zwar mit der jungen Juristin Karla Quintana Osuna. Ein 11-Punkte-Plan soll die rasche Umsetzung des neuen Gesetzes zur Prävention und Untersuchung des Schicksals der Verschwundenen vorantreiben. Priorität habe die rasche Suche mit der Hoffnung, Personen lebend zu finden.

„Mexiko ist ein riesiges, geheimes Grab“

Dass die neue mexikanische Regierung unter Präsident Andrés Manuel López Obrador das Schicksal der Verschwundenen vorrangig angeht, zeigte eine ungewöhnliche Geste des Untersekretärs für Menschenrechte im Innenministerium, Alejandro Encinas. Im von Mafiagewalt beherrschten Bundesstaat Guerrero besuchte er die vierte „Nationale Brigade der Angehörigen der Verschwundenen”. In den letzten Tagen hatten sie mehrere Vergrabene in geheimen Massengräbern gefunden und geborgen. Ein kurzes Video dokumentiert die symbolische Mitarbeit von Encinas in Tetelilla, im Bezirk Tepecoacuilco, mit dem Pickel. An diesem Ort wurde aufgrund der lockeren Erde ein mögliches Grab ausgemacht und tatsächlich konnten in Anwesenheit von Encinas dort Überreste eines Verschwundenen gefunden werden. „Mexiko ist ein riesiges, geheimes Grab“, kommentierte Encinas anlässlich seines Besuchs in Guerrero. Für die seit Jahren nach ihren Angehörigen suchenden Familienmitglieder ist es das erste Mal, dass ein hoher Staatsbeamter die Dimension dieses Problems unumwunden bestätigt.

Zivilgesellschaftliche Brigaden suchen auf eigene Faust

Die Suchbrigaden der Angehörigen sind aufgrund des jahrelangen Behördenversagens auch heute noch eine unumgängliche, zivilgesellschaftliche Initiative. Allerdings ist dieses Engagement hochgefährlich. In den Bezirken Iguala und Cocula musste die Brigade nach Morddrohungen ihre Suche trotz massivem Polizeischutz abbrechen.

Inzwischen sind Familienangehörige in den meisten Bundesstaaten Mexikos in Selbsthilfegruppen organisiert. 59 dieser Kollektive sind Teil der nationalen „Bewegung für unsere Verschwundenen in Mexiko“. Diese Plattform, bestehend aus Organisationen aus 20 Bundesstaaten sowie drei zentralamerikanischen Staaten, begrüßte den politischen Willen der neuen Regierung, betonte aber gleichzeitig, dass dies erst ein Anfang ist. Die Familien drängen auch darauf, dass die im 11-Punkte-Plan angekündigte Forensik-Behörde baldmöglichst in Funktion tritt, um die insgesamt 26.000 Leichen zu identifizieren, welche sich in Kühlstationen stapeln oder als unbekannte Tote auf Friedhöfen in Massengräber beerdigt wurden.

Die Aufklärung des Schicksals aller Verschwundenen und das Recht auf Wahrheit für die Angehörigen stellt sich als Herkulesaufgabe heraus und wird wohl nicht immer möglich sein. So hat die Nichtregierungsorganisation Cepad im Bundesstaat Jalisco erfahren, dass die Behörden aufgrund der Platznöte im lokalen Forensikinstitut insgesamt 1.560 Leichen verbrannt haben. Nur von rund der Hälfte der Toten nahm sie zuvor DNA-Proben.

CC BY-SA 4.0 Mexiko sucht 40.000 Verschwundene von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Webseite möchte Cookies für ein optimales Surferlebnis und zur anonymisierten statistischen Auswertung benutzen. Eine eingeschränkte Nutzung der Webseite ist auch ohne Cookies möglich. Siehe auch unsere Datenschutzerklärung.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen