
(Montevideo, 12. Juli 2025, La Diaria).- Die Ankunft ausländischer Medienunternehmen in Uruguay und die Anbindung an Kommunikationsstrategien der iberoamerikanischen extremen Rechten zielen darauf ab, die lokalen Libertären an harte Auseinandersetzungen zu gewöhnen: Wer sind die Akteure und wie arbeiten sie?
Dieser Artikel von Ignacio Dotti, Javier Revetria ist zuerst bei La Diaria erschienen.
Seit Jahrzehnten verbreiten sich überall liberale, sogar auch ultraliberale und libertäre Ideen, aber der Einsatz von Hassreden und Desinformation als Mittel, um diese Ideen massiv zu verbreiten, ist neu und kam erst vor wenigen Jahren auf. Vielleicht als Ergebnis ihres Wahlerfolgs in anderen Teilen der Welt, kamen zwei ausländische Akteure mit Verbindungen zur iberoamerikanischen extremen Rechten seit Mitte 2024, wenige Wochen vor den Wahlen, aus denen Yamandú Orsi als Präsident hervorgehen sollte, nach Uruguay. Sie brachten das mit ins Land, was von Argentinien ausgehend und in der spanisch-sprachigen Welt als Kulturkampf bezeichnet wird.
Der argentinische Unternehmer Fernando Cerimedo und sein spanischer Kollege Javier García Negre, Gesellschafter des Medienunternehmens La Derecha Diario (LDD), begannen in Uruguay zu agieren und Allianzen in der lokalen Politik und Wirtschaft zu suchen. La Derecha Diario ist ein Nachrichtenportal, das sich über weite Teile Südamerikas ausgebreitet hat, heute verfügt es über Portale in Argentinien, USA, Israel, Mexiko, Ecuador, der Dominikanischen Republik, Bolivien und Uruguay. LDD verbreitet häufig verzerrende Informationen oder betreibt Diffamierungs- und Desinformationskampagnen.
Der Unternehmer Negre hatte seine Feuertaufe, seinen ruhmreichen Moment, am 14. Oktober 2024, wenige Stunden nach seiner Ankunft in Uruguay. Bei einer Veranstaltung im Club Urupan in Pando, in der Provinz Canelones, sprach er Orsi, der damals uruguayischer Präsidentschaftskandidat der Frente Amplio war, unerwartet an, stellte ihn zur Rede und befragte ihn in „anklagendem Ton” zu seinen Verbindungen zur ehemaligen argentinischen Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner. Negre war zusammen mit einigen Leibwächtern nach Canelones gekommen und bestätigte nach diesem kurzen Wortwechsel mit dem heutigen uruguayischen Präsidenten Orsi am 16. Oktober 2024 in der Sendung Bajo la lupa des Journalisten Esteban Queimada, dass La Derecha Diario in Uruguay angekommen sei, um den kulturellen Kampf aufzunehmen. Queimada schloss sich , wie wir noch sehen werden, schließlich seinen Reihen als lokaler Vertreter an.
Damals fragten sich alle, wer Negre eigentlich ist. Ein ehemaliger Journalist, der in Spanien wegen des Verfassens verfälschender Artikel angeklagt und wegen „unlauteren Wettbewerbs” von der Madrider Zeitung El Mundo entlassen wurde, um bald seine eigene Kommunikationsplattform EDATV (Estado de Alarma TV) zu gründen. Außerdem ist der Spanier dafür bekannt, dass er in seinem Land für die rechte Partei Vox und für radikale Führungspersonen der konservativen Partido Popular tätig ist. Spanische Faktencheck-Websites wie Maldita und Newtral beschreiben ihn als sehr bekannte Persönlichkeit, die in den letzten Jahren mehrmals in Verruf kam.
Seine Ankunft auf südamerikanischem Boden erfolgte im Zuge des Kaufs der Hälfte der Anteile des Portals La Derecha Diario, das Cerimedo, ein politischer Aktivist und Politikberater unter anderem von Javier Milei und Jair Bolsonaro, gegründet hatte. Cerimedo, der sich im Kontext von Wahlkampagnen in Chile, Brasilien und Argentinien in extrem rechten digitalen Medien engagierte, stieg 2020 in die südamerikanische Politik ein. Im Januar 2023 wurde er schließlich im Rahmen der Ermittlungen zum Staatsstreich in Brasilien von der Justiz angeklagt, seine Website wurde im gesamten Staatsgebiet gesperrt.
In einer Rede Mitte 2025 während des Derecha Fest [eines extrem rechtes Festival im argentinischen Córdoba] sagte Negre, dass seine Portale die „zwei viralsten Medien in Lateinamerika im politischen Bereich” und „eine Referenz im Kulturkampf” seien. Obwohl er zunächst behauptete, keine finanzielle Unterstützung erhalten zu haben, gab er später zu, dass er von Marcos de Quinto, einem ehemaligen spanischen Abgeordneten und ehemaligen Vizepräsidenten der Coca-Cola-Gruppe, und María José Álvarez von der spanischen Eulen-Gruppe, einem Giganten im Bereich des Outsourcings von Personal für Dienstleistungen, finanziert worden war. Negres Darstellung zufolge habe er ihm angebotene hohe Geldsummen abgelehnt und nur das für sein „Low-Cost”-Projekt Notwendige angenommen, da „in diesem neuen Zeitalter der Kommunikation weniger mehr ist”. Außerdem sagte er, statt linken Journalisten müssten mehr Ingenieure eingestellt werden, „die aus den Universitäten kommen, sich mit den Algorithmen von Instagram und Twitter auskennen und es ermöglichen, die Zensur zu umgehen”.
La Derecha Diario folgte in Uruguay dem gleichen Muster wie seine Pendants in der Region: Es überschwemmte die sozialen Medien mit staatsfeindlichen Nachrichten, „um die Linke zu verunsichern“, wie Negre erklärte. Außerdem verbreiten sie Desinformation, sexistische und antifeministische Äußerungen sowie Hassreden und Diffamierungen gegen Anführer:innen [progressiver Bewegungen], Journalist:innen und Personen der Zivilgesellschaft, die sich für Menschenrechte einsetzen.
Auf der Suche nach dem Kandidaten
Seitdem La Derecha Diario in Uruguay Fuß fasste, unterstützte das Medium explizit verschiedene Personen des traditionellen parteipolitischen Spektrums und darum herum. Während des Präsidentschaftswahlkampfs 2024, unterstützte es offen Álvaro Delgado [red. Anm.: von der Nationalen Partei, Partido Nacional/PN] und griff beharrlich die Kandidat:innen der Frente Amplio an, um die Rückkehr des „linksextremistischen Kommunismus“ in die Regierung zu „verhindern“.
Nach der Niederlage der Nationalpartei in der Stichwahl [der Kandidat der Frente Amplio, Yamandú Orzi, gewann die Wahl und ist inzwischen Präsident Uruguays] änderte LDD seine Haltung: Die Niederlage wurde auf schlechte Entscheidungen von Delgado, wie die Wahl seiner Ko-Kandidatin Valeria Ripoll zurückgeführt, ebenso auf die Halbherzigkeit der Mitglieder der Republikanischen Koalition, an der die Nationalpartei beteiligt war und die als „extrem zentristisch” bezeichnet wurde. Ein Großteil der in den sozialen Medien angesprochenen Accounts schloss sich dieser Darstellung an und prägte einen Teil der politischen Diskussion.
Anfang Dezember 2024 begann eine Gruppe lokaler Libertärer darüber zu spekulieren, wer der „uruguayische Milei” sein könnte, und unter den Namen tauchte auch der des ehemaligen Abgeordneten Pablo Viana [von der Nationalpartei] auf. Nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse veröffentlichte Viana auf der Plattform X: „Leider erobert der Kommunismus Uruguay. Das Urteil der Wahlurnen drückt den Willen der Bevölkerung aus. Zum Wohle des Vaterlandes werden wir die Amtsführung des gewählten Präsidenten Yamandú Orsi überwachen”. La Derecha Diario teilte diesen Post über seine Kanäle und berichtete in den folgenden Tagen auch über Vianas Auftritt als Teil der uruguayischen Delegation bei der Conservative Political Action Conference (CPAC), die Anfang Dezember in Buenos Aires stattfand.
Während dieser Konferenz stach sein Treffen mit dem Vorsitzenden von Vox, Santiago Abascal, hervor. Die CPAC, die von der American Conservative Union (ACU) initiiert wurde, organisierte zunächst einmal pro Jahr eine Konferenz in den USA, und inzwischen mehrmals pro Jahr, auch außerhalb der USA, auch in Lateinamerika. In den letzten Jahren haben sich die Positionen der CPAC radikalisiert und sie ist zu einem Forum geworden, das Diskurse führender Personen der extremen Rechten verstärkt.
Schon im November 2024 hatte LDD verbreitet, dass „Uruguay dank Milei und dem Abgeordneten Pablo Viana seinen Hafen auf 14 Meter Tiefe ausbaggern kann” und dass dieser Erfolg das Ergebnis „wichtiger Aktivitäten” Vianas gegenüber der argentinischen Regierung gewesen sei. Eine Woche später, wenige Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Uruguay, wurde ein Auszug aus einer Rede Vianas im Parlament verbreitet. Darin äußerte er sich gegen Straßenblockaden durch Gewerkschaften, mit denen diese angeblich „eine diktatorische Kontrolle über die Bevölkerung auszuüben” würden, wie es das Medium formulierte.
In diesem virtuellen rechten Umfeld, zu dem Personen gehörten, die sich selbst als libertär, antikommunistisch, christlich, republikanisch bezeichnen oder einfach dazu berufen fühlen, den „Kulturkampf” zu führen, tauchte der Name einer bis dahin in der Öffentlichkeit wenig bekannten Persönlichkeit auf: Fernando Doti Tori.
Doti ist ein Rechtsanwalt aus Salta, Präsident der Vereinigung der Liberalen Uruguays (Asociación de Liberales del Uruguay). Er ist Mitglied des internationalen Beirats der Fundación Faro („Stiftung Leuchtturm“ der Partei von Javier Milei, La Libertad Avanza), wo er mit Vertretern der regionalen Rechten zusammenarbeitet, darunter Agustín Laje, Axel Kaiser und Alberto Benegas Lynch, dem ideologischen Mentor von Javier Milei. Doti hatte seinen ersten Auftritt außerhalb der akademischen Welt bei der Gedenkfeier von Un Solo Uruguay [Vereinigtes Uruguay] im Januar 2024. Doti gründete sogar seine eigene politische Plattform, die Plattform für die Freiheit (Plataforma por la Libertad, PPL), in der Mitglieder der Unión Blanca Republicana, einer Minderheit innerhalb der Nationalpartei unter der Führung von Stephanie Magliano, und anderen, dem Liberalismus nahestehenden Personen wie Federico Leicht und Queimada zusammenarbeiteten.
Zu diesem Zeitpunkt waren die Verbindungen zwischen einigen Vertreter:innen der uruguayischen Liberalen und den Digital- und Kommunikationsstrateg:innen der argentinischen Regierung von Milei bereits gut etabliert. Nach unseren Erkenntnissen [von La Diaria] wurden sie [die uruguayischen Liberalen] mehrmals im argentinischen Regierungspalast, der Casa Rosada, empfangen, um die Kommunikationsstrategie [für die Wahlkampfstrategie bei den uruguayischen Präsidentschaftswahlen] zu entwerfen.
Diese sollte bei einer öffentlichen Veranstaltung im Radisson-Hotel vorgestellt werden, aber wegen eines Konflikts zwischen den Organisator:innen und dem Hotel musste das Event an einen anderen Ort verlegt werden. LDD fungierte in diesem Zusammenhang als Sprachrohr der Plattform und erklärte, dass sie zensiert worden seien. Schließlich fand die Veranstaltung in den Räumlichkeiten von Estudio 9 statt, das Florencia de Feo, der Partnerin von Federico Leicht, gehört, und wurde vom Cerimedos y Negres Portal LDD mit einer Sonderberichterstattung begleitet, da hieß es: „Historisch: In einer Massenveranstaltung wurde die Plataforma Por la Libertad vorgestellt, die sich als erste politisch liberale und rechtsgerichtete Bewegung mit Massenkundgebungen außerhalb der traditionellen Parteistrukturen in Uruguay etabliert hat”. Zwei Monate nach der Gründung der Plattform kündigte Doti jedoch seinen Austritt aus der Plattform an, um sich „der Wissenschaft zu widmen” und seine private Tätigkeit fortzusetzen.
Gefallen und Dienstleistungen
La Derecha Diario unterstütze nicht nur die Plataforma Por la Libertad, sondern intervenierte auch bei Kommunalwahlen, zumindest in Montevideo und Maldonado. In der Hauptstadt erklärte das Portal ausdrücklich seine Unterstützung für einen der Kandidaten der Republikanischen Koalition, den pensionierten Oberst Roque García aus der [extrem rechten uruguayischen Partei] Cabildo Abierto. García veröffentlicht seit einigen Jahren „revisionistische” Inhalte über die Rolle der Streitkräfte in den sozialen Medien und stellte wiederholt die offiziellen Zahlen der verschwundenen politischen Gefangenen in Frage und beschuldigte die Justiz, Militärangehörige „ohne Beweise” wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verfolgen. La Derecha Diario verbreitete diese Inhalte. García selbst hat Artikel auf dem Portal veröffentlicht. Diese Allianz führte auch zur Gründung einer Gruppe, die sich in den sozialen Medien „Liberales con Roque” (Liberale mit Roque) nannte, einer Allianz zwischen Libertären und Konservativen, die der Liberalen Partei Uruguays (Partido Liberal Uruguayo) nahestehen.
Dabei ging es um die Unterstützung für García, vor allem aber um Angriffe auf Persönlichkeiten der eigenen Koalition, die als „lauwarm” und „zentristisch” bezeichnet wurden. Daher waren der ehemalige Präsident Luis Lacalle Pou und Álvaro Delgado den meisten Angriffen ausgesetzt und stehen nach wie vor im Mittelpunkt der Kritik: „Der progressive Mitte-Links-Politiker Álvaro Delgado wurde zum neuen Vorsitzenden der Nationalen Partei gewählt, einer Partei, die von der Sozialdemokratie, der Technokratie und der Woke-Agenda getrieben ist und ihre Wurzeln aufgegeben hat”, hieß es da. La Derecha Diario gab der Vorstellung Vorschub, dass die Halbherzigkeit von Lacalle Pou dazu beitrug, dass die Frente Amplio wieder an die Regierung zurückkehren konnte.
Auftreten wie ein Einheimischer in Maldonado
La Derecha Diario beschrieb den uruguayischen Unternehmer Rolando Rozenblum als „einen bekannten Unternehmer aus Maldonado“, der die Geschäftswelt geprägt habe und „seine Erfahrung und Vision nun als Kandidat der Partido Nacional für das Amt des Bürgermeisters von Punta del Este in die Politik einbringen möchte.“ Rozenblum wurde von der brasilianischen Justiz wegen Unterschlagung und Steuerhinterziehung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, entzog sich dieser aber. Nachdem Interpol 2016 seinen Haftbefehl aufhob, setzte der Unternehmer sein öffentliches Leben im Jet-Set des uruguayischen Punta del Este fort und wurde bald sogar zum Präsidenten der Handelskammer von Maldonado.
Bei den letzten dortigen Kommunalwahlen trat Rozenblum gegen den amtierenden Bürgermeister der Halbinsel, Javier Carballal, an, welcher jedoch für die nächste Amtszeit wiedergewählt wurde. Beide hingegen unterstützten die Kandidatur des derzeitigen Intendenten der Region Miguel Abella [vom Partido Nacional], dem Kronprinzen des ehemaligen Intendenten Enrique Antía. Die Verbindung zwischen Antía und Rozenblum entstand, nachdem die Stadt Maldonado den Auftrag für die Installation des Videoüberwachungssystems mit der Installation von 1.500 Kameras in der Stadt und den Badeorten 2018 für 20 Millionen Dollar an das israelische Unternehmen Elbit Systems vergeben hatte, für das Rozenblum laut einem Artikel der Wochenzeitung Brecha als Hauptvermittler fungierte.
LDD veröffentlichte auch zahlreiche Beiträge in den sozialen Medien, in denen Carballal dafür kritisiert wurde, dass er in der ersten Januarwoche, also in der Hochsaison im Sommer, von seinem gesetzlichen Urlaub Gebrauch gemacht hatte, was das Medium als „ungewöhnlich und beschämend” bezeichneten. LDD verbreitete auch mehrfach Informationen über die parteipolitischen Aktivitäten von Rozenblum und bezeichnete ihn als „uruguayischen Wirtschaftsführer”, „Außenseiter des politischen Systems” und „von Präsident Javier Milei inspiriert”. In einem Video-Interview von Rosdom Belián sprach Rozenblum über seine 33-jährigen Erfahrungen in Brasilien und seinen anschließenden Umzug nach Uruguay nach einer „großen Auseinandersetzung mit der brasilianischen Regierung”, wie er seine Verfolgung durch Richter Sergio Moro bezeichnete.
„Das übliche System der Politik, das durch Abstimmungen, Vetternwirtschaft und Instrumentalisierung zur Aufrechterhaltung von Posten bestimmt ist, hat keine Gültigkeit mehr“, erklärte Rozenblum in dem Gespräch und fügte hinzu, dass „die Erfolgsgeschichten großer sozialer Veränderungen auf Unternehmer zurückzuführen sind, die selbstlos im öffentlichen Leben handeln“. Während des Gesprächs wurde der Unternehmer zum „Kulturkampf“ und zu seiner Meinung über das La Derecha Fest befragt, das der „Progressismus“ „zu blockieren versucht“ habe. „Was wir als Außenseiter empfinden, ist, dass das politische System uns nicht unterstützt“, erklärte Rozenblum dazu.
Auffällig ist auch die Berichterstattung von LDD über bestimmte Veranstaltungen, wie die Verbreitung von Videos über das als „Networking Cocktail: Israel Edition“ bezeichnete Treffen, das die uruguayisch-israelische Handelskammer [im Januar 2025] organisiert hat. An dem Treffen nahmen mehrere Unternehmer teil, die mit israelischen Unternehmen in Verbindung stehen, die israelische Botschafterin, Michal Hershkovitz, hielt eine Rede. Außer Rozenblum nahmen auch der Sprecher der israelischen Armee, Roni Kaplan, und der Argentinier Mario Montoto teil, einer der wichtigsten Waffenlieferanten für die argentinische Regierung und von Videoüberwachungsdiensten für die Stadt Buenos Aires.
Die Unternehmer sind sich einig
Die Unterstützungsbekundungen für Rozenblum scheinen kein Zufall zu sein. Dieser empfing Negre bei dessen erstem Besuch in Uruguay im September 2024, welcher mit seiner viralen Attacke auf Orsi endete. Mehr als einmal gab Rozenblum zu, dass er den Spanier in einem seiner Anwesen beherbergt und ihm ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt hatte.
Die Verbindungen zwischen Rozenblum und dem Kommunikationsapparat der Regierung Milei reichen mindestens bis Januar 2022 zurück. Damals hielt der damalige Abgeordnete von La Libertad Avanza, Milei, zusammen mit Manuel Adorni, dem jetzigen Sprecher der argentinischen Regierung, eine Konferenz am International College in Punta del Este ab, das Rozenblum damals und bis vor kurzem leitete. Die Veranstaltung wurde von Marcelo Grandío organisiert, einem argentinischen Kommunikator und Unternehmer aus dem Umfeld von Milei, der mit der Moderation von Sendungen im öffentlichen argentinischen Fernsehen ausgezeichnet wurde. Er führte mehrere Interviews mit Negre und Adorni und wurde von der argentinischen Ausgabe von LDD porträtiert.
Grandío war mit der uruguayischen Realität vertraut. Als Negre im Oktober und November 2024 in den uruguayischen Wahlkampf eingriff, teilte Grandío mehrmals Statements von Negre in Uruguay und auch Posts von LDD mit Falschinformationen über den Kandidaten der Frente Amplio, Orsi. Er unterstellte Orsi die angebliche Absicht, „Instrumente zur Bekämpfung des Drogenhandels abschaffen zu wollen”.
Auf Anfrage der Tageszeitung La diaria bestätigte Rozenblum selbst, dass er Negre auf Wunsch von Grandío beherbergt habe. Er habe den Spanier, den er auf einer Party kennengelernt habe, empfangen wie „jeden anderen Journalisten, der nach Punta del Este kommt“. Über Negre sagte er, dass dieser „in Punta del Este Werbung machen wollte” und dafür seine Hilfe in Anspruch genommen habe. „Meine Beziehung zu LDD ist ähnlich der Beziehung, die ich zu allen Medien habe”, erklärte der Unternehmer. Einen Großteil seiner Verbindungen zur argentinischen Wirtschaft speist sich aus der Gemeinschaft rund um die von Rozenblum geleitete exklusive Schule. Im Oktober 2023, nach der ersten Runde der argentinischen Präsidentschaftswahlen, in der (der Kandidat der kirchneristisch-peronistische Mitte-Links-Kandidat) Sergio Massa noch vor Milei lag, erklärte Rozenblum gegenüber der argentinischen Zeitung La Nación, dass er in dieser Nacht Anfragen von Familien erhalten habe, die ihre Kinder aus Angst vor dem Peronismus in seiner Schule einschreiben wollten. Rozenblum leitet außerdem die Plattform Viví en Punta del Este, einen Service für Ausländer, die ihren steuerlichen Wohnsitz in Uruguay anmelden möchten.
Übersetzung und Bearbeitung: Ute Löhning.
Diese Übersetzung entstand in Kooperation mit dem Projekt „Linea B – Researching authoritarian politics between Latin America and Europe“, der ReGA-Newsletter ist zu abonnieren unter: http://tinyurl.com/3c6h83ny
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