
(Montevideo, 24. Juli 2025, La Diaria).- Mit der viralen Verbreitung eines mit künstlicher Intelligenz erstellten Fake-Videos wurde die argentinische Journalistin und Leiterin des Online-Medium Futuröck, Julia Mengolini, die der Opposition gegen Javier Milei nahesteht, Opfer von Cyber-Attacken User sozialer Medien, die dem libertären Anführer zugeneigt sind. Die verbreiteten gefälschten Bilder unterstellten Mengolini Geschlechtsverkehr mit ihrem Bruder.
Die Journalistin erstattete Strafanzeige gegen den Präsidenten und eine Gruppe von Aktivisten wegen „Drohungen, öffentlicher Einschüchterung, Verherrlichung von Verbrechen, krimineller Vereinigung und mutmaßlicher Veruntreuung öffentlicher Gelder”. Der für die Anzeige zuständige Richter ordnete einen dauerhaften Polizeischutz für Mengolini an.
Durch eine koordinierte Aktion von Trolls wurde in den sozialen Medien die Idee verbreitet, dass das angebliche Video einer inzestuösen Beziehung mit ihrem Bruder echt sei, und die gefälschten Bilder wurden weit verbreitet. Daran waren nicht nur anonyme Nutzer beteiligt, sondern auch Mitarbeiter der Regierung wie der Berater Santiago Caputo, der Digitalstratege und Gründer von La Derecha Diario, Juan Pablo Carreira, bekannt durch seinen Account auf der Plattform X „Juan Doe”, der libertäre Influencer Fran Fijap und Präsident Milei selbst, der mehrere dieser hetzerischen Posts teilte.
„In Mengolinis perversem und düsteren Universum kann man alles über andere Personen sagen, aber diese Personen dürfen nichts über sie sagen, weil sie sonst weint und Vorwürfe erhebt, sie würde verfolgt. Verflucht, so ist Meinungsfreiheit eben“, erklärte Carreira. Hinzu kamen abfällige Nachrichten, nachdem die Journalistin während eines Fernsehinterviews, in dem sie zu diesem Vorfall befragt wurde, in Tränen ausgebrochen war. „Ich genieße es, diese Schlampe wegen eines Witzes auf Twitter weinen zu sehen“, sagte der Regierungsberater und fügte hinzu: „Wir hassen diesen Müll, der sich als Journalisten ausgibt, nicht genug.“
Die US-amerikanische Zeitung The New York Times griff diesen Fall auf, den sie als „Beweis“ für „Mileis Krieg gegen die Medien“ bezeichnete. Dem Artikel zufolge veröffentlichte der argentinische Präsident an einem einzigen Wochenende in seinen Social Media Kanälen etwa 65 Posts gegen die Journalistin. Darüberhinaus weist das Medium auf viele weitere brutale öffentliche Reaktionen des Präsidenten gegen Medienschaffende hin, die kritisch über die Regierung berichten. Dabei geht es um Journalist:innen verschiedener Medien mit unterschiedlicher redaktioneller Ausrichtung.
„Wir hassen Journalisten nicht genug“
In der letzten Zeit haben Milei und sein Umfeld die Einschüchterungen von Journalist:innen und Medien intensiviert. Ende April, im Rahmen der Befragung des Präsidenten durch die Abgeordnetenkammer zum Betrugsfall mit der Kryptowährung $Libra, veröffentlichte Milei eine Reihe von Nachrichten, in denen er die Presse angriff, weil sie sich nicht entschuldigen würde, wenn sie Fehler mache. „Ich glaube, dass die Leute diese Auftragskiller mit Journalistenausweis nicht genug hassen“, erklärte der Präsident damals.
Die durch Donald Trumps Aussage „Wir hassen die Presse nicht genug“ inspirierte Botschaft sprach Caputo zuerst aus, aber Milei wiederholte sie danach mehrfach. Mit diesem Satz zitierte der Präsident inmitten einer Welle von Angriffen auf Mengolini durch sein Netzwerk digitaler Aktivisten ein Video der Journalistin, das er mit rachsüchtigem Unterton als „zoophil“ und „inzestuös“ bezeichnete.
Ende Juni bezeichnete Milei in einer Online-Sendung des regierungsnahen Kanals Neura einen Journalisten als „Stück Scheiße“ und bezeichnete seine Kolleg:innen als „eine Gruppe von Scheißkerlen, die nicht akzeptieren können, dass die Dinge gut laufen“. Im Juli wandte der Präsident diesen Satz auf den Journalisten Manuel Jove an, nachdem dieser angekündigt hatte, Bilder von den Hundezwingern in der Präsidentenresidenz in Olivos zu veröffentlichen [red. Anm.: Milei hält dort mehrere geklonte Nachkommen seines früheren Hundes] – ein Thema, mit dem Milei in den sozialen Medien verspottet wird.
Übersetzung und Bearbeitung: Ute Löhning.
Diese Übersetzung entstand in Kooperation mit dem Projekt „Linea B – Researching authoritarian politics between Latin America and Europe“, der ReGA-Newsletter ist zu abonnieren unter: http://tinyurl.com/3c6h83ny
Institutionalisierte Cyber-Attacke auf Journalistin Julia Mengolini von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
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