Würdiges Menstruieren bald auch in Oaxaca?

Foto: TitiNicola
CC BY-SA 4.0

(Oaxaca, 5. März 2021, cimacnoticias).- Im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca wurde für die laufende Legislaturperiode eine Gesundheitsreform vorgeschlagen, die die kostenlose Bereitstellung von Menstruationsbedarf vorsieht. Sollte der Vorschlag durchkommen, wäre Oaxaca nach Michoacán der zweite Bundesstaat, der dieses Recht garantiert.

Periodenarmut: ein vielschichtiger Mangel

Die im Oktober 2020 von der Abgeordneten Eliza Zepeda Lagunas aus Morena vorgebrachte Initiative sieht vor, die medikamentöse Grundversorgung laut Artikel 31 entsprechend zu erweitern und das Recht auf Menstruationsartikel als Teil der sexuellen und reproduktiven Gesundheitsversorgung mit aufzunehmen. Dabei sollte es sich vorzugsweise um wiederverwendbare, nachhaltige und ökologische Produkte handeln. „Das Recht auf Gesundheit und medizinische Versorgung ist ein Menschenrecht, das Männer und Frauen gleichermaßen schützen und ihr physisches, psychisches und soziales Wohlbefinden garantieren soll“, erklärte die Abgeordnete und wies darauf hin, dass neben hohen Kosten für Hygieneartikel das Fehlen einer sanitären Grundausstattung sowie wichtiger Informationen über medizinische Fakten viele Mädchen und Frauen daran hindere, normal und natürlich mit ihrer Periode umzugehen. Lagunas brachte in dem Zusammenhang den Begriff der Periodenarmut ein, der einen dreifachen Mangel beschreibt: Mangel an Wasser, Mangel an wirtschaftlichen Ressourcen für den Kauf von Hygieneartikeln und den Mangel an Information und Aufklärung. Nach Angaben des Nationalen Rats zur Auswertung sozialer Unterstützungsprogramme Coneval leben in Mexiko vier von zehn Frauen in Armut, das heißt, ohne Zugang zu grundlegendsten Produkten.

Menstruieren geht ins Geld

Das Statistikinstitut Inegi geht bei einem Zehntel der Haushalte von einem durchschnittlichen Monatseinkommen von etwa 3.610 Pesos (ca. 140 €) aus. Bei zwei menstruierenden Personen in der Familie würden die Kosten für Tampons und Binden jeden Monat etwa 250 bis 300 Pesos (ca. 11 €) und damit 6 bis 8% des Gesamteinkommens ausmachen. Ausgehend vom derzeitigen Preisniveau für Binden und Tampons gibt eine Person mit Uterus im Laufe ihres Lebens rund 72.000 Pesos (ca 2800 €) aus, Arbeitsausfälle sowie Kosten für Medikamente gegen Menstruationsbeschwerden ausgenommen. Die zusätzliche finanzielle Belastung wurde bereits in einigen Ländern berücksichtigt. Als weltweit erstes Land beschloss Schottland, Schulen und Universitäten mit kostenlosen Binden und Tampons auszustatten. Die Entscheidung fiel Ende letzten Jahres. In Kenia und Kanada wurde 2011 bzw. 2015 die Steuer auf Menstruationsprodukte abgeschafft und in Frankreich und dem Vereinigten Königreich immerhin auf 5% gesenkt.

Menstruationstassen und umfassende Sexualerziehung

Lagunas schlug vor, Binden und Tampons, vorzugsweise jedoch wiederverwendbare, nachhaltige und ökologische Produkte wie waschbare Binden oder Menstruationstassen in allen medizinischen Einrichtungen und Gesundheitszentren von Oaxaca kostenlos zur Verfügung zu stellen. Unterstützung bekam der Antrag vom Netzwerk für sexuelle und reproduktive Rechte (DDSER). DDSER-Koordinatorin Mayra Morales Aldas betonte, insbesondere für Menschen in marginalisierten und sehr armen Gebieten könne ein Gesetz zugunsten einer menschenwürdigen Menstruation einiges ändern. In vielen Gemeinden in Oaxaca gebe es keine klassischen Damenbinden, stattdessen kämen Lappen und Tücher zum Einsatz. Das funktioniere zwar irgendwie auch, sei aber oft unbequem und behindere die würdevolle Menstruation. „Hier geht es einfach auch um Gerechtigkeit, um den gerechten Zugangs zu gesundheitlicher Versorgung und Körperhygiene“, betonte die DDSER-Koordinatorin. „Wir sollten in Oaxaca dem Beispiel von Michoacán folgen, wo ein solches Gesetz bereits existiert. Aber es geht nicht allein um kostenlose Hygieneartikel, sondern um umfassende Sexualerziehung: aufklärende Beratung in den Schulen, Informationen über Sexualität und sexuelle Praxis und Gespräche über verantwortungsvolle Mutterschaft und Vaterschaft“. 52,2 Prozent der Bevölkerung in Oaxaca sind Frauen. Dennoch gibt es keine öffentlichen Richtlinien oder Programme zum Umgang mit der Menstruation. Es dürfe nicht sein, dass Menstruationsartikel im Warenkorb nicht berücksichtigt werden, so Morales Aldas, schließlich gehörten sie für Menschen mit Uterus die meiste Zeit des Lebens zum Hygienebedarf. „Das sind keine Luxusartikel, sondern decken ein Grundbedürfnis, deshalb sollten alle Menschen, die Bedarf haben, in gleicher Weise darauf zugreifen können. Die derzeitige Ungleichheit zeigt sich insbesondere im Fall von Frauen mit begrenzten wirtschaftlichen Ressourcen und Frauen aus Gemeinden ohne Gesundheitsdienstleistungen.“

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