Mord an Lesvy und Aidée: Demonstrantinnen fordern Gerechtigkeit

Mahnwache für Lesvy. Foto: César Martínez López/Cimac Noticias

(Mexiko-Stadt, 3. Mai 2019, cimacnoticias).- Am 3. Mai hat sich zum zweiten Mal der Tag gejährt, an dem die damals 22-jährige Lesvy Berlin Rivera Osorio auf dem Gelände der Nationaluniversität UNAM getötet wurde. Mittlerweile ist ihr Exfreund Jorge Luis G. wegen Femizides angeklagt, doch dass es den Gerichtsprozess überhaupt gibt, ist allein dem mutigen Kampf von Lesvys Familie zu verdanken. Das hat die Generalstaatsanwältin der Stadt Mexiko, Ernestina Godoy Ramos, in einem öffentlichen Akt am 2. Mai im Auditorium der technischen Fakultät anerkannt. Die öffentliche Entschuldigung war Teil der Wiedergutmachung an die Familie wegen erlittenen Unrechts und wurde von der lokalen Menschenrechtskommission empfohlen.

“Wir stehen vor einem schlecht untersuchten Verbrechen, einer Akte, die schlecht zusammengestellt wurde und einem Fall, der schlecht vor den Gerichten präsentiert wurde. Der Regierungschef, der Staatsanwalt und Dutzende von Beamten haben eine offizielle Version verteidigt, die bereits durch den geringsten öffentlichen Zweifel zu Fall gebracht wurde. Erneut wurden Frauen für die Gewalt, die sie erfuhren, verantwortlich gemacht”, so Godoy vor Menschenrechtsverteidigerinnen, Aktivistinnen, Studierenden und Lehrenden.

Staatsanwaltschaft ging von Selbstmord aus

Die Untersuchungen zu Lesvys Tod wiesen zahlreiche Unregelmäßigkeiten auf, die gravierendste: Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass die Studentin sich mit dem Kabel einer öffentlichen Telefonzelle selbst erwürgt hatte. Diese These wurde so lange verfolgt, bis Lesvys Familie eigene Sachverständige einsetzte und der öffentliche Druck so groß wurde, dass sie nicht mehr haltbar war. Mit großer zeitlicher Verzögerung gab die UNAM Videoaufzeichnungen heraus, auf denen Lesvy im Tatzeitraum zusammen mit ihrem Exfreund Jorge Luis G. in der Nähe der Telefonzelle zu sehen ist. Die Rolle der UNAM bei der verzögerten Aufdeckung der Tatsachen wurde in dem Akt mit der Generalstaatsanwältin nicht angesprochen.

Dabei zeigte sich, dass Studentinnen der UNAM auch heute nicht in einem gewaltfreien Umfeld studieren können. Erst am 29. April wurde eine der Schülerinnen der Preparatorias, der über die Stadt verteilten Oberschulen, die die UNAM betreibt, in ihrem Klassenraum erschossen. Aidée Mendoza Jerónimo war 18 Jahre alt. Obwohl die Kugel laut ersten Angaben der Staatsanwaltschaft innerhalb des Klassenraums abgefeuert wurde und alle Schüler*innen sowie der Lehrer befragt wurden, gibt es bis heute keinen Hinweis auf den Täter oder die Täterin.

Waffen an Schulen, gefährliche Schulwege

Schüler*innen der Oberschule CCH Oriente schlossen sich deswegen den Demonstrationen für Lesvy am 3. Mai an und forderten eine lückenlose Aufklärung des Falls. Sie berichteten, dass das Einschmuggeln von Waffen auf das Gelände kein neues Phänomen sei. Zudem forderten sie Universität und Bezirke auf, für mehr Sicherheit auf dem Schulweg zu sorgen. Die Oberschulen der UNAM befinden sich in Außenbezirken, die sehr gefährlich sind. In diesem Schuljahr sind bereits zwei Schülerinnen des CCH Oriente einem Femizid zum Opfer gefallen. Miranda Mendoza Flores wurde im August 2018 entführt und ermordet. Am 20. März verschwand die 16-jährige Jennifer Sánchez Domínguez. Sie wurde sechs Tage später ermordet aufgefunden.

Der Rektor der Oberschule und die UNAM hatten angekündigt, dass die Polizei mehr Präsenz zeigen, Beleuchtung und Videoüberwachung im CCH Oriente verstärkt würde. Doch nach Angaben des Schülerinnen-Kollektivs “Rosas Violentas de Oriente” ist nichts davon geschehen. Der Rektor der UNAM, Enrique Graue Wiechers, trat Ende April in einer Videobotschaft auf, in der er Gewalt verurteilte, jedoch lediglich von Aidées “traurigem Tod” sprach, nicht von ihrer Ermordung.

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