Landesweite Studie zeigt zunehmende Angst vor Vergewaltigung

Vergewaltigung
Demonstration gegen Vergewaltigungskultur im Zentrum von Rio de Janeiro im Jahr 2016. Foto: Tomaz Silva/Agência Brasil via wikimedia commons, CC BY 3.0.

(Brasilia, 2. März 2026, agência pulsar brasil).- 97 Prozent der Befragten bestätigten, Angst vor einer Vergewaltigung zu haben, und 82 Prozent gaben an, „große Angst“ zu haben. Jeden Tag zeigen neue Fälle, dass die Angst der Frauen vor Vergewaltigung gerechtfertigt ist.

Die beiden Institute Patrícia Galvão und Locomotiva haben eine Studie unter dem Titel „Wahrnehmungen über die Rechte von Mädchen und Frauen, die infolge einer Vergewaltigung schwanger geworden sind“ durchgeführt. Die gewonnenen Daten zeigen, dass 82 Prozent der brasilianischen Frauen „große Angst“ davor haben, Opfer einer Vergewaltigung zu werden. Im Jahr 2020 lag der Wert bei 78, 2022 bei 80 Prozent, was die steigende Tendenz bestätigt.

Die Ergebnisse der Umfrage unter 1200 Frauen in ganz Brasilien wurden der Agência Brasil vorab exklusiv zur Verfügung gestellt. Bereits im September 2025 war veröffentlicht worden, dass 15 Prozent der Befragten angegeben hatten, schon einmal Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein, und dass acht von zehn Betroffenen zum Zeitpunkt der Tat 13 Jahre alt oder jünger gewesen waren.

Die am stärksten Betroffenen

Gemäß der Studie beträgt bei jungen Frauen zwischen 16 und 24 Jahren der Anteil derjenigen, die „große Angst“ haben, 87 Prozent, bei schwarzen Frauen sogar 88 Prozent.

Die Umfrage zeigt auch, dass die sexuellen Übergriffe größtenteils im häuslichen Umfeld stattfanden: 84 Prozent der Vergewaltigungen wurden von dem Opfer bekannten Personen (Familienangehörigen, Partnern, Freunden) begangen. Bei den 13-jährigen und jüngeren Opfern ereigneten sich 72 Prozent der Fälle zu Hause.

Zu jeder Zeit, an jedem Ort

Marisa Sanematus, Content Director am Institut Patrícia Galvão, betont die All­gegenwärtig­keit dieser Angst, die Frauen von klein auf begleitet.

„Die Angst verfolgt die brasilianischen Frauen von jungen Jahren an, jederzeit und überall: Das Zuhause ist nicht sicher, ebenso wenig wie das Weggehen und Heimkommen, das Warten an einer Haltestelle, das Fahren mit einem überfüllten Nahverkehrsmittel oder das Bestellen eines Autos über eine App“, bekräftigt die Direktorin.

Laut der Studie glauben 80 Prozent, dass die Opfer die erlittene Gewalt nicht öffentlich machen. Die Daten zeigen, dass nur 15 Prozent der Opfer zur Polizei gehen.

Maíra Saruê Machado, Forschungsdirektorin am Institut Locomotiva, weist darauf hin, dass die Umfrage die Unterstützung der Bevölkerung für Schutzeinrichtungen belege. Zugleich sei es jedoch notwendig, die Rechte von Vergewaltigungsopfern bekannter zu machen.

„Vergewaltigung ist eine Form der Gewalt, die der Realität der meisten Frauen sehr nahe ist. Das Schweigen durch Aufklärung zu brechen, ist ein grundlegender Schritt, um allen Frauen Schutz und Zugang zu ihren Rechten zu gewährleisten“, erklärte sie.

Tagtäglich

Die Angst vor einer Vergewaltigung ist weit davon entfernt, grundlos zu sein: Sie wird jeden Tag durch neue Fällen von Aggression und Gewalt gegen Frauen bestätigt. Am 1. März wurde der Fall einer 17-jährigen Jugendlichen bekannt, die in der Stadt Rio de Janeiro Opfer einer Gruppen­vergewaltigung wurde.

Das Mädchen war von einem Schulkameraden in eine Wohnung eingeladen worden. Als sie ankam, wurde sie mit dem Jugendlichen und vier jungen Erwachsenen, die sie vergewaltigten, in einem Zimmer eingeschlossen. Die Verdächtigten gelten als flüchtig. [Anm. d. Übers.: Am 3. März stellten sich die beiden Ältesten der Polizei, am darauf folgenden Tag haben sich auch die beiden 18-Jährigen der Polizei gestellt. Inzwischen liegt auch gegen den 17-jährigen Beschuldigten ein Haftbefehl vor; ihm wird eine weitere Tat vorgeworfen, die nach ähnlichem Muster abgelaufen sein soll. Zur Zeit ist er als einziger Tatverdächtiger noch flüchtig (Stand: 6. März)].

Der für die Ermittlungen verantwortliche Polizeikommissar Ângelo Lajes erklärte, es habe sich bei dem Verbrechen um einen „geplanten Hinterhalt“ gehandelt, und die Beteiligten könnten zu einer Haftstrafe von bis zu 20 Jahren verurteilt werden.

Bei den Beschuldigten handelt es sich um folgende Personen: João Gabriel Xavier Bertho, 19 Jahre; Vitor Hugo Oliveira Simonin, 18; Bruno Felipe dos Santos Alegretti, 18 und Mattheus Verissimo Zoel Martins, 19. Ein weiterer Verdächtigter ist minderjährig. Zwei von ihnen waren Schüler des Colégio Pedro II [eine der renommiertesten Schulen des Landes], sie wurden vorläufig vom Unterricht ausgeschlossen, und einer war Fußballspieler; sein Vertrag wurde suspendiert. Die Verteidigung eines der Beschuldigten bestreitet die Vergewaltigung.

Disque Denúncia do Rio de Janeiro [eine unabhängige Hotline, bei der anonym Straftaten gemeldet werden können] veröffentlichte Fotos der Flüchtigen und bat die Bevölkerung um Hilfe bei der Suche nach den Beschuldigten.

Unterstützung und Meldungen

Vergewaltigungsopfer in Brasilien haben Anspruch auf kostenlose und vertrauliche Betreuung und Unterstützung durch das brasilianische Gesundheitssystem SUS. Neben der Prävention von Infektionen und Schwangerschaften können Betroffene psychologische und rechtliche Hilfe erhalten, ohne die Tat sofort bei der Polizei anzeigen zu müssen.

Über verschiedene Hotlines, öffentliche Behörden und spezialisierte Frauenberatungsstellen können Meldungen erstattet und Hilfe in Anspruch genommen werden.

Mit Informationen von Agência Brasil

Übersetzung: Christa Röpstorff

 

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