Menschenrechtsverletzungen von Bergbauunternehmen – Kunden reagieren

Das schwedische Möbelunternehmen IKEA arbeitet anscheinend vorerst weiter mit Solway zusammen / Foto: Prensa COMUNITARIA

(Guatemala-Stadt, 4. April 2022, Prensa COMUNITARIA).- Mindestens vier europäische Unternehmen, die das im guatemaltekischen El Estor gewonnene Nickel kaufen, haben die russisch-schweizerische Betreiberfirma Solway sowie die guatemaltekische Regierung wegen Vorwürfen von Menschenrechtsverletzungen und Bestechung um Erklärungen gebeten. Eines der Unternehmen hat seine Geschäfte mit Solway vorübergehend eingestellt.

Die journalistische Recherche „Mining Secrets“ hat seit ihrer Veröffentlichung Anfang März weltweit Reaktionen ausgelöst. Nun haben die europäischen Unternehmen Outokumpu, Bosch-Siemens, IKEA und Voestalpine Böhler Edelstahl – alle Abnehmer des in El Estor geförderten Nickels – die Muttergesellschaft Solway der guatemaltekischen Nickelgesellschaft CGN sowie Pronico, die Betreiberfirma der Mine in Izabal, um Erklärungen gebeten.

Rechte der indigenen Gemeinschaften werden seit Jahrhunderten missachtet

Seit dem 6. März haben rund 20 Medien in aller Welt, darunter die guatemaltekische Prensa Comunitaria und The Store Project, ausführliche Berichte veröffentlicht, die offenlegen, wie Solway und der guatemaltekische Staat die Menschenrechte der in El Estor und den umliegenden Gemeinden ansässigen Maya-Gemeinschaften der Q’eqchi seit Jahrhunderten verletzen, damit die Mine ungehindert betrieben werden kann.

Journalistische Recherchen deckten auch andere Unregelmäßigkeiten und Verhaltensweisen auf, die gegen guatemaltekisches Recht verstoßen. Dazu gehört die Erstellung von Profilen und die Überwachung derjenigen, die die Minenbetreiber als politische Gegner*innen betrachteten. Über eine Stiftung gab die Firma Geld an die guatemaltekische Polizei, die bei mehreren Gelegenheiten Gewalt anwendete, um Maya-Gemeinschaften der Q’eqchi‘ zu unterdrücken. Durch die Stiftung wurden außerdem Gemeindemitgliedern und öffentlichen Amtsträger*innen Geschenke gemacht. So sollten die Q’eqchi‘-Gemeinschaften gespalten werden, um günstige Ergebnisse bei der gesetzlich vorgeschriebenen Befragung der Gemeinden zu erzielen. Außerdem deckten die Recherchen auf, dass der Betrieb der Förderanlage in El Estor das Wasser des Izabal-Sees verschmutzt hat.

Kunde Outokumpu kündigt eigene Untersuchungen an

„Die Vorwürfe gegen den Bergbau in Guatemala sind sehr ernst und wurden uns nicht zur Kenntnis gebracht. Wir reagieren entschlossen auf die neuen Informationen und haben zusammen mit einem externen Partner für Nachhaltigkeitsbewertungen eine eigene Untersuchung der Vorwürfe eingeleitet“, schrieb Outokumpu, eine in Finnland ansässige Unternehmensgruppe schwedischen Ursprungs, die Edelstahl für Küchenzubehör vertreibt.

Outokumpu erfuhr erstmals im Oktober vergangenen Jahres von den Anschuldigungen gegen Solway, als Uppdrag Granskning („Aufgabenüberprüfung“), eine landesweit ausgestrahlte schwedische Fernsehsendung, das Unternehmen besuchte. In der Sendung hieß es, es gebe Beweise, die die Beteiligung des Bergbauunternehmens an der Verschmutzung des Izabal-Sees belegen. In dem Programm wurde auch darauf hingewiesen, dass Mayaníquel, einer der Lieferanten der Fénix-Mine, angeblich in einen Fall von Korruption und Bestechung des guatemaltekischen Präsidenten Alejandro Giammattei verwickelt war.

Unternehmen stellt Zusammenarbeit mit Solway vorübergehend ein

Dies veranlasste Outokumpu am 25. Februar dieses Jahres zu der Ankündigung, „keine neuen Aufträge für Produkte aus den Minen Solway und Mayaníquel in Guatemala zu erteilen, bis wir eine unabhängige Bewertung der Situation vorgenommen haben. Ein Vor-Ort-Besuch ist für den 27. Februar 2022 geplant“. Sie bekräftigten diese Entscheidung in einer Erklärung, die am 6. März auf ihrer Website veröffentlicht wurde – dem Tag, an dem rund 20 Medien in aller Welt die Bergbaugeheimnisse von Solway, CGN und Pronico aufgedeckt hatten: „Unser Engagement für ökologische und soziale Nachhaltigkeit ist nicht verhandelbar. Im Rahmen dieses Engagements wird unser Team demnächst eine Exkursion in das Departement Izabal in Guatemala unternehmen.“

Drei weitere betroffene Unternehmen zeigen sich weniger entschlossen, darunter IKEA

Tage später gaben drei weitere Unternehmen kurze Mitteilungen zu den Vorwürfen gegen Solway heraus. Kein Unternehmen zeigte sich jedoch so entschlossen wie Outokumpu. Hierzu gehört Bosch-Siemens, ein deutsches Unternehmen, das von Outokumpu Edelstahl für die Herstellung von Haushaltsgeräten bezieht. Am 11. März schrieb Bosch an Forbidden Stories: „Bosch wurde erst durch Medienberichte auf die Vorwürfe gegen die Fénix-Nickelmine in Guatemala aufmerksam. Wir nehmen diese Anschuldigungen sehr ernst und gehen ihnen nach. Bosch hat den Lieferanten Outokumpu sofort aufgefordert, den Sachverhalt zu erklären“.

Auch IKEA, das international vertreibende schwedische Möbelunternehmen, ist Kunde der Solway-Gruppe. In seiner Antwort an das Untersuchungsteam äußerte sich das Unternehmen nicht dazu, ob es seine Geschäftsbeziehungen mit Solway aufgrund der Vorwürfe aussetzen würde. „Wir sind zutiefst besorgt über die Umwelt-, Gesundheits- und Korruptionsvorwürfe, die sich negativ auf die Menschen im Umfeld der Fénix-Nickelmine in Guatemala auswirken“, so IKEA.

Ein viertes Unternehmen, das deutsche Voestalpine Böhler Edelstahl, das rostfreien Stahl vertreibt, behauptete lediglich, dass das von ihm verwendete Material nicht direkt aus der Mine in Fénix stammt, sondern aus einem Werk in der Ukraine.

CC BY-SA 4.0 Menschenrechtsverletzungen von Bergbauunternehmen – Kunden reagieren von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Webseite möchte Cookies für ein optimales Surferlebnis und zur anonymisierten statistischen Auswertung benutzen. Eine eingeschränkte Nutzung der Webseite ist auch ohne Cookies möglich. Siehe auch unsere Datenschutzerklärung.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen