COVID-19: Alarmierende Entwicklungen in indigenen Gemeinschaften

(Manaus, 18. Mai 2020, Democracy now!) Täglich werden in Brasilien etliche neue Fälle von COVID-19-Erkrankungen registriert. Das Land hat die Zahlen in Italien und Spanien längst überholt und belegt in der Rangliste der Länder mit den meisten Infizierten nun Rang zwei.

Bolsonaro spricht nach wie vor von „kleiner Grippe“

Mitte Mai trat der brasilianische Gesundheitsminister Nelson Teich nach nur wenigen Wochen im Amt und ohne Angaben von Gründen zurück. Berichten zufolge hatte er sich geweigert, Präsident Jair Bolsonaro dabei zu unterstützen, für den Einsatz des Medikaments Hydroxychloroquin zur Behandlung von COVID-19-Patienten zu werben. Die Arznei wurde auch von Bolsonaros Verbündetem, US-Präsident Trump, beworben. Studien zeigen jedoch, dass sie für die Behandlung von Coronavirus-Patienten unnütz ist und tödliche Nebenwirkungen haben kann. Erst vergangenen Monat hatte  Bolsonaro seinen ehemaligen Gesundheitsminister entlassen, weil dieser Maßnahmen zur sozialen Distanzierung empfohlen hatte. Nach wie vor unterschätzt Bolsonaro COVID-19 und bezeichnet die Krankheit als „kleine Grippe“. Am Sonntag nahm er an einer Kundgebung seiner Anhänger in Brasilia teil, wo er sich unter Missachtung der Empfehlungen der Gesundheitsbehörden mit Kindern aus der Menge fotografieren ließ. Im Gegensatz zu anderen öffentlichen Versammlungen der letzten Zeit trug Bolsonaro während der Demonstration am Sonntag eine Maske, um sein Gesicht zu bedecken.

Unzureichende medizinische Versorgung in indigenen Gemeinden

Einer aktuellen Studie zufolge gibt es derzeit mehr als 400 COVID-19-Erkrankungen und 90 Todesfälle unter den indigenen Völkern Brasiliens. Die Zahlen bestätigen Befürchtungen, die Krankheit könne sich sehr schnell in Gemeinden ausbreiten, in denen Zugang zu medizinischer Versorgung schwierig ist, so Vanderlecia Ortega dos Santos, Krankenschwester in einer indigenen Gemeinde außerhalb der Stadt Manaus, bei der Beerdigung des Gemeindevorstehers Messias Kokama. Dieser hatte sich mit COVID-19 angesteckt und war daraufhin verstorben. „Hier träumen wir immer noch von einer qualitativ hochwertigen Bildung und Gesundheitsversorgung, weil wir noch keine Unterstützung erhalten haben. Kokamas Tod steht auch stellvertretend für das, was den Indigenen fehlt, die in der Stadt leben: die medizinische Versorgung.“

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