Neuanfang in Atenco: Trinidad Ramírez

von Anayeli García Martínez

(, 05. Juli 2010, ).- Am Sonntag den 4. Juli versammelten sich in der mexikanischen Stadt Atenco verschiedene soziale und zivile Organisationen, um die gemeinsam erreichte Freilassung von zwölf Mitgliedern der Bauernorganisation Vereinigung der Völker zur Verteidigung des Landes FPDT (Frente de Pueblos en Defensa de la Tierra) zu feiern. Die Inhaftierten waren bei dem gewaltsam niedergeschlagenen Aufstand in Atenco im Mai 2006 festgenommen und nun nach vier Jahren aus der Haft entlassen worden.

Das bunte Willkommensfest mit politischen und kulturellen Aktionen hatten Bewohner*innen Atencos vorbereitet – unter ihnen Trinidad Ramírez, die zusammen mit ihrem Ehemann Ignacio del Valle und ihrer Tochter América zu den führenden Personen der FPDT gehört. Sie sprach mit Cimacnoticias über das Ende einer alten und den Beginn einer neuen Ära in Atenco.

Trinidad erinnerte daran, dass sie noch vor einem Jahr in einem Interview die Freilassung ihres Mannes herbeigesehnt hatte.

”Heute ist er endlich da. Ich bin zufrieden und stolz auf die Freilassung der zwölf Gefangenen. Ich bin stolz darauf, zu unserer Organisation zu gehören, Teil einer großen sozialen Bewegung zu sein und sagen zu können, dass ich keine Parasitin bin. Doch noch fehlt meine Tochter América. Noch immer ist ein Platz an diesem Tisch leer“. América del Valle lebte vier Jahre im Untergrund und hat Ende Juni in der venezolanischen Botschaft in Mexico-Stadt politisches Asyl beantragt.

Mit der gewohnten Stärke und Überzeugung sprach Trinidad über die Zukunft ihrer Bewegung und darüber, dass die FPDT auch weiterhin die gerechte Strafe für die Verantwortlichen der gewaltsamen Niederschlagung des friedlichen Protests im Jahr 2006 fordern wird. Die zurückerkämpfte Freiheit ihres Ehemanns und elf weiterer Mitglieder der Bewegung „bedeutet nicht, dass der Kampf nun endet.“ Ganz im Gegenteil sei der Sieg eine Motivation, weiter zu kämpfen.

Freiheit, aber keine Grechtigkeit

Trinidad erklärte, dass man noch immer nicht von Gerechtigkeit sprechen könne. Auch wenn der Kampf nun Früchte trage, stelle die Immunität der Verantwortlichen für die Welle der Gewalt am 3. und 4. Mai 2006 immer noch eine große Ungerechtigkeit dar.

“Solange die Verantwortlichen für Repression, Mord, Folter und die Vergewaltigung von 26 Frauen nicht im Gefängnis sitzen, kann es keine Gerechtigkeit geben. Deshalb wird die FPDT die Bewohner*innen von Atenco weiterhin unterstützen und für die Freiheit von América sowie die strafrechtliche Verfolgung aller Verantwortlichen kämpfen.“

Trinidad hofft zudem auf politisches Asyl für ihre Tochter América in Venezuela. Der Fall sei kompliziert, doch bestehe durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vom 30. Juni trotzdem Hoffnung. „Natürlich werden wir weiter Druck ausüben. Die Freiheit der zwölf Gefangenen ist die Errungenschaft einer sozialen Bewegung, zu der viele Brüder und Schwestern aus den Bergen, aus den Fabriken, Universitäten und von der Straße gehören – und wir werden weiter kämpfen“, so Trinidad.

Später war auch Ignacio del Valle selbst zu sehen, der mit weißen Bällen und rosafarbenen Rosen von einer Gemeinschaft empfangen wurde, die nie aufgehört hat, an ihn und die elf weiteren Gefangenen zu glauben. Mit erhobenen Macheten zogen die Versammelten im Anschluss durch Atenco und riefen zur Weiterführung ihres Kampfes auf: „Atenco lebt. Der Kampf geht weiter!“

CC BY-SA 4.0 Neuanfang in Atenco: Trinidad Ramírez von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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